Kurz vor 16 Uhr klingelte es. Ich sprang vom Stuhl hoch und dachte: “Sie.”
Ich lief ungeduldig zuerst zwei drei Schritte in der Wohnung umher. Aufräumen, dachte ich in dem Moment sofort, und legte den Pullover und die Hose vom Bett auf den Sessel zu den frisch gewaschenen Unterhemden, Boxershorts und den Socken. Auf dem Schreibtisch stapelt sich Post, das Papier mit den unverkäuflichen Geschichten. Im Flur liegen die Schuhe verstreut neben den seit Wochen ungelesen sich stapelnden Zeitungen. Seit sie im Sommer die Segel gestrichen hat, bin ich immer häufiger krank, meine Depression nagelt mich an die Wand, die tägliche Rasur muß nicht sein, ich hätte mich seit dieser Zeit gar nicht rasieren brauchen, denn geküßt, geliebt und gestritten und vertragen hatte ich mich seit Sommer 2007 auch mit niemandem mehr. Ich versuche irgendwie klar zu kommen. Aber das will mir nicht gelingen. Ich bin verstört, aber ich dusche täglich, trage frische Kleidung und gehe ansonsten am Stock. Mit schmerzt der Kopf, der Nacken, der Arsch und die Knie. Ich werde jetzt alt, aber mein Herz ist so jung und so blöd und lebendig wie in den besten Zeiten. Wäre ich nicht ein Feigling, dann würde ich mir einen Stein um den Hals hängen und in die Isar springen. Aber vermutlich würde ich an einem Fisch ersticken. Das wäre entsetzlich, an irgendeiner Gräte im Hals.
Ich drückte den Türöffner. Aber jemand im Haus hatte bereits die Haustür geöffnet. Ich schloß die Wohnungstür, legte den Pullover und die Hose wieder aufs Bett. Es klingelte kurze Zeit wieder.
“Wir sind vom Unfallhilfsdienst.”
Ich sagte ihnen, wenn mich jemand retten kann, dann sie, mit ihren Küssen, mit ihren langen Beinen und ihrem frechen Mundwerk. Dann sei es sie, mit ihrer Zärtlichkeit und ihrer fantastischen Erotik. Ich will nicht, das mich der Unfalldienst rettet, wenn mir irgendwann mal die Luft ausgeht. Aber sie kommt nicht, sie, die mir ihre zarte Hand auf meine fiebrige Stirn legt, und ich schließe die Augen, sie legt ihren Kopf auf meine magere Brust, ihr Haar ist weich, und ich beginne zu schluchzen, und ich spüre ihre Hand auf meinem Bauch und es ist gut, nichts als den Schmerz zu fühlen, der sich durch meine ganze Einsamkeit zieht, und sie und sie und sie.

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