Besser ist natürlich die Kehle rauf. Raus mit der Last, die dir dein Herz einengt. Raus damit. Und deshalb war ich gestern auch so drauf. Ich, der Fotograf Achim. So cool kann kein Mensch sein, daß er immer locker, flockig und spritzig durchs Leben geht. Beileibe nicht. Also gestern, als ich so ein wenig in diesem meinem Gefühlsmischmasch da herumfuhrwerkte, und mir hätte so richtig, wie sagt man auf Hochdeutsch, die Kante geben können, hab ich natürlich überlegt, was könnste dir denn so reinsaufen? Den Apothekerpiccolo, okay, wenn mich eine Dame mal besucht, die sich recht höflich und freundlich in eine angenehme Stimmung beschwipsen will, nicht gleich hier bei mir sich zuschütten möchte, lediglich so ein kleiner Mutmacher, sag ich mal, um mir tief in die Augen zu schauen und mir mit fast unseriöser Stimme entgegenhaucht: “Mein Held, sie sehen heute sehr glücklich aus.” Ich denke, daß ich für eine solche Situation den Apotherkerpiccolo mal im Keller kühl lagern werde.
Die Frage aber, was ich mir denn zur Betäubung meiner Seelenqual und zur Regulierung des Wärmehaushalts die Kehle hinabstürzen hätte wollen, na was soll ich da antworten?
Nehmen wir das allen Schreihälsen leicht zugängliche, durch das Reinheitsgebot gesicherte und dadurch beliebte Bier. Hopfen und Malz, Gott erhalts. Nun sind mir durch meine lange Abstinenz durchgängig die bayrischen Biere unbekannt. Ich kann also über die Qualität der sich abzeichnenden seelischen Veränderungen da keine Aussagen treffen. Macht es lediglich mehr weinerlich, oder läßt es doch mehr die dem Landstrich angedichtete Derbheit in einem solch befeuerten Menschen aufkeimen? Daß er leicht wacklig auf den Beinen und der Konsonanten nicht mehr ganz Herr, sich dennoch robust seiner Frau in den Weg stellt, um ihr einmal in seinem Leben in einem unverständlichen Ton die Meinung zu geigen. Gesetzt den Fall, jemand hat noch ein Schnäpschen ins Glas gemixt, so kann neben der verbalen Entgleisung unter Umständen mal ein Rüttler, Schubser, Nasenstüber den Disput vorantreiben.
Geschmacklich weiß ich also das bayrische Bier nicht zu bewerten. Es ist sonnengelb und trägt ein hübsch weißes Schaumkrönchen, wenn dem Wirt der Gast König ist. Ungeschickt, auch unansehnlich sind jedoch die Halblitergläser und -krüge, bis hinauf zu den an sich für schlanke Gitarrenspielerhände einfach nicht mehr zu stemmenden Maßkrug. Das alles ist ungut. Ich kenne noch die zierlichen 0,2 l Gläser, auch die hübsch auf einem Fuß stehenden Pilsgläser. Was das Bier aus meiner Region angeht, und hier spreche ich vom Altbier und vom Pils-Bier, nicht vom Export, so kann ich in der Rückschau eindeutig den Rat erteilen, nach einer Woche Hannen-Alt die Marke zu wechseln, Köpi, Warsteiner und anschließend das damals von mir geschätzte Diebels, wenn man diese Reihenfolge beachtet, dann kann man das durchaus ein paar Jahre schön gemütlich durchhalten. Geschmacklich ist aber keins der Biere ein wirkliche Offenbarung, und vom Geruch her ziehe ich den Duft leichten Lavendels vor. Um einen wirklich anständigen Rausch mit Bier zu erzeugen, sollte man keine Scheu haben, einen ganzen Abend einzuplanen und für genügend Unterhaltung zu sorgen.
Heikler ist der Wein. Denn hier geht es, wie ich immer häufiger mitbekomme, schließlich in erster Linie um den Genuß. Ich höre oft: “Ein guter Wein. Ein herrlicher Tropfen.” Und ich möchte da garnicht einschreiten und Bedenken anmelden, denn der letzte Wein, war es ein roter oder weißer, das alles liegt mehr als zwei Jahrzehnte zurück, ich weiß es nicht. Ich erinnere mich an so große Weine wie “Edler von Mornak” und “Amselfelder”, das sind beides sehr kräftige Sorten und wenn die ersten beiden Gläser unten bleiben, dann dürfte erst am nächsten Morgen und Übermorgen wieder mit Problemen zu rechnen sein. Auch hier kann ich keine guten Ratschläge oder Hinweise erteilen, keine Produktempfehlung aussprechen. Ich schnappe mal hier ein Wort, da ein Schmatzen und Schlurfen und Gurgeln auf, aber ob ich mich auf einen fremden Gaumen verlassen kann. Wenn ich in Gesellschaft also abwinke, mit der Antwort auf den Hinweis: “Aber den solltest du probieren.” ”Aber nicht grad heute.” So weiß ich über Wein nicht allzuviel zu sagen. Außer daß er schneller besoffen macht, als das harmlosere Bier. Man muß vielleicht auch nicht so häufig zum Händewaschen.
Gut, ein Qualitätssprung hinsichtlich des Alkoholgehalts erwartet uns in der Fachabteilung für Kräuterlikörfeinwaren. Die reiche Auswahl an diesen magenfreundlichen Bittergetränken kann dem Leidenden allabendlich, und auch zwischendurch auf dem Weg wohin, ein hilfreicher Begleiter sein. Ich erinner mich, daß, sollte es diesen Kräuterschnaps noch geben, der Jägermeister ganz ordentlich aufgenommen wird, wenn man gleich hinterher mit etwas Bier nachspült, um die einsetztenden körperlichen und seelischen Veränderungen ein wenig abzufedern und leichter steuerbar zu gestalten. Mit der Kombination von Kräuterschnaps und Bier habe ich mir sozusagen die Welt doppelt gesoffen. Wenn dann die Freundin auf dem Absatz kehrt machte, hoffte ich, das die andere bleiben würde. Aber irgendwie gingen beide, wenn ich über die Teppichkante stürzte. Hier würde ich sagen, im bayrischen Raum, eine recht geglückte Paarung.
Und da wären wir dann schon sehr weit im anderen Teil Deutschlands, wo der Klare, der Doppelkorn und der Bommerlunder für die Landschaft prägender sind. Schütteln tuts den Körper kurzzeitig, rinnt der in sehr kleinen Gläsern servierte Stärkungstrunk den durstigen Hals abwärts. Auch hier kann man gleich ein Bierchen hinterhertun, um den enormen Aufschlag im Magen milder parieren zu können. Aufmerksamkeit ist auch hier oberstes Gebot.
Gänzlich abzuraten ist von gesüßten Likören, und hier ist mir der Coantro in üblester vager Erinnerung. Ein solch großes Kopfkissen habe ich nicht gefunden, um den von teuflischen Schmerzen brennenden Schädel halbwegs sicher zu betten. Das Zeugs bringt garnichts, außer eben enormen Verdruß, gerade auch im engsten Familienkreis.
Sehr männlich ist dagegen Whisky. Witzki, wie ich gerne kolportiere. Es ist ein Getränk für den gestärkten Mann von Welt und läßt im Grunde keine Nuance aus. Von sehr leichter Wärme bis zu grundloser Heiterkeit läßt sich auch ein Rausch erzeugen, wie er exorbitanter und kaleidoskopmäßig von nichts in der Welt übertroffen werden kann. Ich setzte mich 1982 in einem Anfall von unbedingtem Größenwahn an den Rundtisch in der Küche, neben der auf mich wartenden Schreibmaschine stand ein Flasche Racke Rauchzart. Und als ich mich am späten Morgen verwundert am Stuhlbein hinaufzog zum Tisch, um meine Schreibleistungen der Nacht zu würdigen, war ich völlig überrascht, daß ich auch in einer mir völlig fremden Sprache zu schreiben in der Lage war. Ein Übersetzer, ein Mann des Rotweins, hatte allerdings seine Probleme.
All dies waren meine gestrigen Überlegungen, mit was ich mich sozusagen mal betäuben könnte. Ein Glas Apfelschorle mußte dann her, weil mir denn doch der Mund recht trocken geworden war.

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