Archiv für April 2008

In letzter Sekunde

„Himmel, der Himmel steh uns bei“, rief ich, als ich Conzuela in ihrem Tippi antraf, vor dem Schminktischchen mit dem dreigeteilten Spiegel, vor dem sie mit verschieden großen Kosmetikpinseln die Kriegsbemalung auftrug. „Conzuela, bitte fasse dich. Ich werde mit der Recklinghausen ein ernstes Wörtchen reden. Wo ist sie?“ Sie deutete schweigend mit weitausholender Geste aufs Küchentippi.

Eine Flutwelle von Tränen schwappte mir in die Stulpenstiefel, als ich ins Küchentippi trat, die Recklinghausen mit dem Essen gerade zugange. In dem einen Topf Nudeln und in dem anderen eine Bolognese, wie sie Chris seinen Netzecken-Jüngern vorgestellt hat. Die Recklinghausen, dachte ich bei mir, sie hat eingesehen, daß es nicht richtig war, in den geheimen Tagebüchern Conzuelas zu stöbern. Sie versucht ihr Dummheit auszubügeln. Hart hörte ich die Tritte von Conzuela, ein Zeichen, daß nicht nur Psychologie und Fingerspitzengefühl, sondern auch Philosophie, Soziologie, Mathematik, Physik und Chemie, und das wenige was überhaupt ich noch davon verstand, daß es nur über diese Richtung ging, Frieden in diesem Haushalt zu schaffen. Erst als Golddachs im Licht des Küchentippis erschien, legte sich die Anspannung der Recklinghausen, und bis auf ein weiter sehr hörbares Schluchzen, geriet sie in äußerst heitere Erregung. Golddachs stand in einem gleißenden Licht, so massiv wie John Wayne, groß, gut ausssehend, kraftvoll und mit ernster Mine, ganz die Autorität, die er alle Tage ausstrahlt.

„Golddachs“, flüsterte ich, „kümmere dich um die Recklingshausen. Ich werde mit Conzuela sprechen.“

„Ich werde nur nachgeben“, antwortete die schöne Indianertochter, „Giovanni, wenn du über Nacht bei mir bleibst.“

„Aber was ist mit Sing a Song in the Wind?“

„Er wird es doch mal eine Nacht allein aushalten“, und ihr buschiger Kosmetikpinsel landete mit Wucht in dem Reisenthel-Schminktäschchen, das sie immer bei sich trägt. „Gut, ja, bitte, ja,“ gab ich meinen Bedenken Ausdruck, „ich bleibe über Nacht. Gewiß die ganze Nacht. Conzuela.“

Der Mond strich durch den Himmel, die Sterne zogen ihre Bahn, die Erde stand plötzlich still, die Nachtigall zwitscherte in den lieblichsten Tönen, ich hörte von fern her undeutlich Golddachs unter der Decke ein paar zärtliche Worte zu Sing a Song in the Wind oder der Recklinghausen sagen, spürte mit einem mal, wie poetisch das Leben ist, und fühlte etwas ganz neues, die: Hitze der Savanne.

Am Schminktischchen

„Die Recklinghausen ist im Küchentippi.“

Eine Niederlage und unerwarteter Erfolg

Lieber Achim,

entschuldige, daß ich erst heute dazu komme Deine Zeilen vom 23. d.M. zu beantworten. Die Ereignisse, Du verstehst. 

Es freut mich sehr, daß der Roßhaarbesen in guten Hände ist. Denn er ist Qualitätsarbeit. Man findet so etwas nur selten. Betrüblich ist allerdings, daß meine gütige Indianertochter Schöner-Fuß mit der Recklingshausen in einem Disput liegt. Ich habe Conzuela um Geduld gebeten, sie möge die Recklingshausen anweisen, weil sie doch aus einfachen Verhältnissen stammt und mit den Gepflogenheiten der Silberspitz-Gemeinschaft nicht vertraut ist. Es ist doch klar, daß sie nicht mehr zu den rauhbeinigen und stoppelbärtigen Autoscootermännern zurück will. Silberspitze stehen in der richtigen Welt, und nicht an der Kasse zur Raupenbahn. Aber wem sag’ ich das?! Jedenfalls, und vielleicht kennst Du Dich da besser aus, die Weiber schreiben von der Hitze der Savanne. Was soll das heißen? Ich befinde mich im Schwarzwald, und die beiden Damen, meines Wissens, auch. Könnt Ihr von da Oben im Weltall was entscheidenes ausmachen, entdecken, Kontinentverschiebung, Erderwärmung, Polschmelze? Ich bin gerade unterwegs zu ihnen, um Conzuela ein wenig zu beruhigen und gegebenenfalls auch der Recklingshausen gut zuzusprechen. Sie wird eine von uns. Die arme Conzuela.

Interessant ist, daß Golddachs vorzügliches an Prontosaurus geleistet hat. Er vollführt bereits kleine Bocksprünge und wälzt sich vergnügt im Gras. Auch haben wir jetzt einen Namen für ihn gefunden. Nicht einer aus dem Blackwood Forest hat gefehlt bei der Abstimmung. Nachfolgend waren folgende Namen in die engere Auswahl gekommen:

  • Tiger Nuts
  • Frozen Runner
  • Sing a Song in the Wind

Sing a Song in the Wind, was meint Ihr, ein so sprechender Name für ein so wunderschönes Tier. Leider hat die Rennleitung der Galopprennbahn Riem den Start von Sing a Song in the Wind zum Sommerauftakt abgelehnt. Alles sehr fadenscheinig.  Ich werde das noch prüfen. Allerdings wiegt diese etwas bedauerliche Entscheidung nicht so schwer, daß sie meinen Erfolg bei DSDS-Deutschland sucht den Superstar überschattet. Ihr erinnert Euch, meine Heidenröslein-Interpretation des Erfolgsduos Johann Goethe und Heinrich Werner. Im werde Sing a Song in the Wind in Gesang und Sprechtechnik ausbilden und dann ab die Post. Achim, ich habe noch Großes vor mit Sing a Song in the Wind.

Deschön interessiert mich im Moment nicht. Swoboda auch nicht. Meine Arbeit nimmt mich voll in Anspruch, daß ich mich dialektischem Klein-Klein gerade jetzt nicht widmen kann.  

Ein gutes Versteck

Hier seht Ihr mich gut versteckt hinter einem Baum in Baden-Baden. Deschön saß in der weißen Rakete im Hintergrund mit Swoboda, der ein Zigarillo rauchte. So schnell und einfach kriegen die mich nicht. Entweder Sing a Song in the Wind läuft in Riem, oder ich rede kein Wort.

Achim, grüß mir Robert und unbekannterweise auch die Dame am Besen. All the best.

Giovanni

 

Die Recklinghausen

O, Signore Tasso Dorato, lieber Giovanni,

ich erwarte Dich sehnsüchtig: und zwar in dem Fall Recklinghausen. Giovanni, Du hast sie zu meinem Schutz ins Haus geholt, aber ich mißtraue ihr. Sie ist falsch wie eine Schlange. Sie reicht Olaf den Apfel und verführt ihn zum Sündenfall. Du weißt, er gehört zur Gemeinschaft der Silberspitze, ist glücklich verheiratet und nun macht sie ihm Avancen. Giovanni, sie schwächt Dein Vorhaben, sie hintergeht Dich und mich. Sie liest heimlich meine Tagebücher, wie sonst käme dieses unterkühlte Nordlicht dazu, Olaf von der Hitze der Savanne zu schreiben, eine Wendung, die ich in Aussicht auf Dein baldiges Ankommen am 17. dieses Monats zu meinen Eintragungen fügte. Niemand kann ernsthaft annehmen, daß sie zu einer solchen Formulierung imstande ist. Also liest sie meine Tagebücher.

Auch hat Agentin Maus eine heimliche Aufnahme mir zugeschoben, die ganz klar beweist, daß die Recklinghausen meine Telefongespräche abhört. Ich werde Olaf warnen. Er ist ein so feiner Kerl.

In höchster Aufregung

Deine Conzuela

Abhör-Callcenter

Die Silberspitz-Gemeinschaft

Vermutlich Golddachs

Vermutlich GolddachsDie Öffentlichkeit hat an Golddachs ein berechtigtes Interesse. Auch die Kantonspolizei Zürich und Basel in der angrenzenden Schweiz suchen nach ihm. Steckbrieflich wird er wegen Landstreicherei und noch zu beweisender Lausbubengeschichten gesucht. Die Behörden in Bad Säckingen versprechen sich mit der Ergreifung von Golddachs die Auflösung ungeklärter Fälle, unter anderem die großangelegte Schmuggelsache, die sich Ende November/Anfang Dezember 1989 auf der historischen Rheinbrücke abspielte. Die atomare Verstrahlung des Rheins beträgt an dieser Stelle 8,9 %.

Hinweise aus der Bevölkerung belegen eindeutig, daß Golddachs sein Aussehen verändert. Ein Schnappschuss während der sonnigen Periode zeigt ihn fröhlich ein Zitroneneis haltend, mit einem baumwollenen Pepitahütchen auf dem Kopf, die linke Hand leger die Hüfte stützend in einem Kurzarmhemd, vergnügt in der Welt. Andere sahen ihn mit einem Schirm in der Hand während der großen RegenperiodeMit Schirm, Charme und Melone auf ein Taxi warten, geduldig und lächelnd, in einem schurwollenen Mantel, einem Schlägerkäppi auf dem Kopf, der lederne schwere Koffer mit der frischen Wäsche. Wiederum andere wollen ihn in Begleitung einer mondänen Dame von der Cote d’Azur gesehen haben. Ein verführerisches leichtes Wesen, deren Lebensumstände nicht geklärt sind und somit Nachschub für allerlei gewünschte Spekulationen liefert. Ihren Namen veschweigt sie der Öffentlichkeit, wobei man sagen kann, wenn auch mit leichten Zweifeln, daß Golddachs sie: „Maus.“ gerufen haben soll. Aber die Polzei nimmt an, daß es sich hier nur um ein Täuschungsmanöver handelt.Agentin Maus Wie dem auch sei, die länderübergreifende Polizeifahnung läuft auf vollen Touren. Man geht von zwei Menschen aus, männlich, weiblich, deren Aussehen ungesichert ist, deren Spuren sich nicht verfolgen lassen, deren Abbildungen zweifelhaft sind. Niemand kann gesichert sagen, ob Golddachs und Agentin Maus die sind, für die sie angenommen werden. Die Verhältnisse sind völlig verrückt, schließlich weiß man nicht, wo man ansetzten soll. Nach dem letzten Foto, das ein gewisser Swoboda auch den französischen Behörden übermittelt hat, soll das Gaunerpärchen in Begleitung eines Hundes gesehen worden sein, der auf den Allerweltsnamen Schorschi hört, in der modernen Opernaufführung Belcando die Hauptrolle gespielt haben soll und seit einem Jahr von Erfolg zu Erfolg reist.

Schorschi in Begleitung

„Schau, Schorschi, Giovanni.“

 

Postfach: Dachsberg evtl. Todtmoos

Lieber Giovanni,
vielen Dank für Deinen begeisterten Bericht aus dem Blackwood Forest. Es freut uns, Dich derart vital in Bewegung zu wissen, schön. Das Heilklima wird Dir gut tun. Die körperlich anstrengende Tätigkeit Dich auf gute Gedanken bringen.
Wir sind Deinem Ratschlag gefolgt und haben die Verbrennungsrohre entlüftet. Anschließend sind wir sehr glatt und rund eine wunderbare Acht geflogen, ohne Stottern, Ruckeln oder Zuckeln. Fantastisch.Raketenrohre. entlüftet Überhaupt ist jetzt eine günstige Zeit das Raumschiff wieder auf Vordermann zu bringen: Frühjahrsputz. Wir danken Dir übrigens für den dichten Roßhaarbesen, wir sind sehr mit ihm zufrieden. Außerdem hatten wir sehr nette Hilfe an Bord. Das wir Damen auf die Tullus alpha 11 einladen, Du weißt, so einfach ist das nicht. Aber wie sie, und den Namen wollen wir tunlichst verschweigen, den Qualitätsbesen noch mit der bunten Schleife umwickelt im Bistro vorfand, fegte sie die letzten Krümel Deines Gönners und Freundes Golddachs zusammen.Golddachs\' Krümel
Über die Entwicklung Deines neuen eizeitlichen Kameraden erwarten wir natürlich bald weitere Ausführungen, einen solchen Schlag hat bisher noch keiner hingelegt. Selbst der Ötzi kann sich nicht auf eine solche Popularität berufen, und das Du den alten Jungen wieder zum Kacken gebracht hast: Respekt. Unser aller Respekt. Wir freuen uns schon auf Fotos von ihm. Wir dürfen mit diesen rechnen?

Schau bitte mal auf das Glas, in dem der von Dir verzehrte Apfelmus sein ruhiges Leben hatte. Ich vermute, Du bist Opfer einer Verwechslung geworden, die Konsistenz und Farbe Deines Nachtisches zulassen. Jedenfalls ist das von Dir abgebildete Produkt unzweifelhaft ein probates Mittel gegen verstopfte Nasen, förderlich sicherlich sowohl für gute Momente als auch melancholische Anwandlungen. Hier gabs heute Rotkohl, jaja, ganz richtig, Blaukraut. Aus dem Glas, bereits vorgewürzt, wirklich gut.

Hörmal, Deine sehr heftige Gemütsbewegung, ausgelöst durch die reizende Indianertochter, geh ihr nach. Wenn sie Dich im positiven Sinn Mann sein läßt, geh dem Wink mit der Zeitung nach. Mach ihr vom Herzen kommende Komplimente, nimm ihre Hand, ihren Fuß, sag ein paar nette Worte, leg etwas Musik auf – von Musik verstehst Du doch was -, akzeptiere, wenn sie sich Dir nähert, wenn sie unanständige Wünsche äußert. Rede nicht zu viel, antworte überlegt, Dein Herz laß sprechen. Dann nimm sie. Giovanni. Robin. Große Tage, Junge, große Stunden.

Ich grüße Dich von Robert sehr herzlich.

Dein

Achim

Postfach: Dachsberg

Giovanni, Liebster,

wovon träumst Du, wenn Du mit Herrn Golddachs durch die tiefen dunklen Wälder meiner Heimat ziehst? Unbestechlich und ruhelos. Ist es nur der Wald, den Du vor lauter Bäumen nicht mehr siehst?

Erkennst Du denn nicht die Sehnsucht, die in meinem Indianerherzen ruht, das doch so wild bald Deiner zärtlichen Umarmung bedarf? Weißt Du, wie sehr mich nach Dir verlangt, Du, Giovanni, mein geliebter Raketenmann? Es bedrückt mein Gemüt, Dich ewig und allezeit auf der Flucht zu wissen, vor Deschön und neuerdings Swoboda. Ich habe für Deine Sicherheit gesorgt. Und auch Frau Karin Recklinghausen, die mit großer Zuneigung an meiner Seite steht,  zu meinem Wohlergehen und Schutz, sie ist die treueste Seele in diesem Universum, auch sie weiß um die Gefahren. Oh, komm zu mir. Komm zu mir, diese Nacht! Meine Brust bebt, wenn ich Dich stramm die Hügel und Täler durcheilen sehe mit meinem Fernglas: mit Hut, im blütenweißen Hemd und langen Unterhosen, die Stiefel fellgefüttert.

Geliebter, verführen möchte ich Dich und liebkosen, noch bevor der Schwarzwälder Schinkenmann im milchigen Vollmond seine geplusterten Hamsterbackentaschen geleert hat. Sei du mein, heute Nacht. Ich bin eine Löwenfrau: Du bist ein Löwenmann. Wer will uns das verbieten, was doch so schön die Natur eingerichtet hat, Giovanni? Ich will Sex mit Dir! Und vorab, noch ehe wir ins Altenstift ziehen. Sei nicht dumm, Imp, sei nicht dumm. Ich reiße Dir die Kleider vom Leib – es sei denn, Du liebst Herrn Golddachs und hast Sexualität mit ihm. Neinneinnein, das darf nicht sein! Liebster, ich sitze an meinem Schreibtsich, umhüllt von ganz leichtem Tüll, schreibe Briefe, die ich wieder vernichte und denke an Dich, mit steigender Temperatur. Komm, noch bevor der Schinkenmann im Mond den letzten Bissen getan hat, gebe ich Dir vom offenen Fenster einen eindeutigen Wink mit der Zeitung. Giovanni! Robin! Löwen- und Raketenmann!

Deine

Conzuela, bald ganz Con Fuß

Komm, Giovanni, Raketenmann.

Über den Dächern von Todtmoos

Vermuteter Aufenthaltsort von Golddachs und GiovanniDeschön ist uns auf den Fersen. Ein hartnäckiger Kerl. Einerseits ja schmeichelhaft, andererseits, man hat zu tun und für eitel Trallalla bleibt keine Zeit. Deschön ist viel zu aufgeregt und an Antworten wenig interessiert. Was geht mich die bunte Welt an, wenn es gilt den alten Kerl Prontosaurus wieder hochzupäppeln, vielleicht ein paar Euro mit ihm in Riem zu machen, um T. Bier und Prof. Brim zu reaktivieren. Es gibt noch so viel zu tun, ich werde ganz still darüber.

Golddachs ist vor Deschön über die Dächer geflüchtet, im letzten Moment auf und davon. Natürlich hat Deschön seinen Schnappschuß von der Flucht Golddachs’ an alle wichtigen Tageszeitungen geschickt.

„Hier stand Golddachs noch vor einer Sekunde“

Kurz nach Golddachs Sprung

Und mit diesem Titel und dem Foto folgt ein zwei Seiten Bericht von der wilden Verfolgungsjagd über Stock und Stein, knöcheltief durch feuchtkalten Morast, über abgeknickte Stöckchen, über gefährlich glitschiges Moos, durch unbeleuchtete Tunnels und über verstopfte Autobahnen, hoch über hölzerne brüchige Leitern, weiter durch die dünne Luft schneebedeckter Auen, durch Museen und überfüllte Einkaufszentren, und immer weiter, immer weiter.

Conzuela Schöner-Fuß, der ich sehr ergeben und dankbar bin für alle Unterstützung, hat ein sicheres Frühwarnsystem installiert. Vor dem Haus paradieren zwei verkleidete Sicherheitskräfte, von denen einer die Augen offen hält, die andere sofort Alarm schlägt. Die Umgebung wird von Conzuela durch ein Fernglas observiert. Alles sehr geschickt geplant und ausgeführt. Deschön kann in jeder Verkleidung plötzlich mit wilden Bewegungen vor einem stehen, und dann lugt man relativ schattig drein und findet sich in allen wichtigen Lifestyle-Magazinen, wobei man dann ja die wirkliche Arbeit vergessen kann, weil alle Illustriertenmacher irgendwelche Antworten wollen, die ihnen auch andere geben könnten: Antworten zu Diäten, zur Körperpflege, Hinweise zur anstehenden Frühjahrsmode und zu bemerkenswerten Urlaubsorten. 

Zwei Sicherheitskräfte schlagen Alarm

Leute – große Tage

Lieber Robert, lieber Achim,

ich hoffe, daß meine wenigen Zeilen euch auf unserer Geheimfrequenz erreichen. Zuerst will ich natürlich wissen, wie es euch geht. Wie geht es euch? Kommt ihr zurecht? Schaut bitte in regelmäßigen Abständen nach den Verbrennungsrohren. Ab und zu müßt ihr kontrollieren, ob sich heiße Luft in den Röhren angesammelt hat. Wenn ja, müßt ihr Entlüften, ansonsten ist die Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Das muß nicht sein.

Ich bin im Blackwood Forest empfangen worden wie einer von ihnen. Selbstverständlich waren Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Mein Aufenthalt hat ja weithin Wellen geschlagen. Aber wo ich untergebracht bin, wissen nur meine engsten Vertrauten. Sie haben für alles gesorgt. Auch für Herrn Golddachs. Wie gefährlich es für uns werden kann, mußte Herr Golddachs am eigenen Leib erfahren. Über die Dächer von Todtmoos flüchtete er in unbetretenes Waldgebiet, noch bevor Deschön ihn stellen konnte. Dieser ausgebuffte Telefonmann war mit so einem Schrottteil, das er von einem Gebrauchtraketenhändler erstanden hat,  vor die Füsse von Golddachs abgestürzt. Mit irgend so einer rostigen Röhre aus dem letzten Jahrhundert hat er die abenteuerliche Reise gewagt. Ist dann vom Himmel gefallen wie Hagelschlag aus einer dicken Wolkenwand. Gott, ich frage mich, ob er gänzlich dem gesunden Menschenverstand Ade gesagt hat.

Deschöns Bruchlandung

Prontosaurus geht es von Tag zu Tag besser. Er hat bereits zweimal gekackt. Ein untrügliches Zeichen, daß er wieder an Vitalität gewinnt. Demnächst Bilder von ihm. Außerdem suchen wir noch nach einem Namen. Derzeit will er noch keine Fotos von sich machen lassen, erst wenn er etwas Fett angesetzt hat und das Fell in altem Glanz seine unbestrittene Schönheit unterstreicht.  Ich werde Prontosaurus für eines der Rennen auf der Galopprennbahn in München-Riem anmelden. Unter die ersten Drei schafft er es bei dieser Entwicklung allemal.

Frau Conzuela Schöner-Fuß. Ihr wißt, daß ich ihr vertraue. Sie hat alles wunderbar geplant. Und selbst Hand angelegt, daß ich mich an meinen geheimen Aufenthaltsorten wohlfühle, es mir an nichts fehlt. Zu ihrer persönlichen Sicherheit habe ich Frau Karin Recklinghausen engagiert, eine beiß-, kratz- und fluchfreudige Nahkämpferin. Sie war immer in unserer Nähe. Ihre Schwester hat Hape Kerkeling bewacht. Auch werde ich euch bei Gelegenheit von unserem Frühwarnsystem berichten, verläßlich bis ins Ausgeklügelste. Unterstützung finde ich auf allen Ebenen. Aus dem Verwaltungstrakt einer traditionsreichen Bürstenmanufaktur kann ich meine Mitteilungen an euch schicken. Ich denke, wir kriegen das alles schon hin. Der Weltraum ist unendlich groß, es läßt sich für jeden ein entsprechendes Plätzchen finden. 

v.l.n.r. Frau Conzuela und Frau Recklinghausen

v.l.n.r.: Frau Conzuela und Frau Karin Recklinghausen

Wo ist der Kerl

„Hier Deschön jetzt. Wo befindet sich der Kerl? Ihr könnt mir sagen, was ihr wollt, aber euer Robin oder Golddachs, der lungert doch bei euch in der Rakete. Sagen sie, wo er ist! Diese Geschichte mit dem Prontosaurus, die ist doch nimmer wahr. Oder gibt dieses magere Gerippe wieder einen Ton von sich? Ich würde gern mal mit diesem eiszeitlichen Genossen ein paar Worte wechseln. Das alles ist doch nicht wasserdicht. Euer Giovanni hat doch komplett den Verstand verloren. Hier Hü, dann Hott. Ich möchte Giovanni sofort sprechen. Holen sie ihn bitte ans Telefon, Robert….“

„Achim, gut, ja, dann sie. Holen sie mir Giovanni, diesen Golddachs oder das Gerippe ans Telefon. Einer muß diesen ganzen Unfug aufklären. Es ist alles so widersprüchlich.“

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