Alt genug bin ich ja, und unvorsichtig bin ich eigentlich nicht, aber der leichte Wind, der über mein lauschiges Plätzchen auf den Brandungsfelsen ging, ließ ihn mich erst nicht spüren, den Sonnenbrand. Stirn und Nase glühten feuerrot, natürlich war ich auch leicht bedatscht im Kopf. Das passiert eigentlich immer nur am ersten Tag. Also unterließ ich heute die geplante Wanderung zur Chiesa Santa Margherita di Antiochia, und machte mich stattdessen auf, am frühen Morgen meine Koffer und Kisten auszupacken, die Wäsche in den Schrank zu räumen, das Rasierzeug ins Bad zu stellen, meine Hanika-Gitarre zu stimmen, die drei Schuber mit den Columbo-Filmen ins Bücherregal zu legen, neben die Notenhefte. Im Zimmer befindet sich ein Gasherd, ein altertümlicher Schrank mit Geschirr und Besteck und Töpfen und Pfanne. Ich würde mir einen Tee kochen können. Ein kleiner Kühlschrank für leicht verderbliche Ware.
Bis Ende September werde ich hier mein Glück versuchen. Soviel Geld habe ich beiseite gelegt, daß es reichen müßte. Es ist das letzte Geld. Ich werde mit der Verwaltung des Ortes sprechen, die Einwilligung einholen, in den Abendstunden mit der Gitarre am Hafen für leichte Unterhaltung zu sorgen. Ich habe mir ein kleines Repertoire zusammengestellt, Carcassi, Carulli, Aguado, auch ein paar Melodien aus der Unterhaltungskiste, Stangers in the Night, Samba Pa Ti, Light my Fire, The Girl from Ipanema. Alle zwei oder drei Abende nur würde ich für ein zwei Stunden etwas zum Besten geben. Ich kann nur noch gewinnen.
Am Mittag werde ich los wegen eines DVD-Spielers. Ein Fernseher ist vorhanden. Dann kann ich auch ein wenig Musik hören. Frau Cosmea sagte zum Abschied: „Ich glaube, E.T.A. Hoffmann hat es gesagt: ‘Nur der Gedankenlose ist allein.’ Ich wünsche ihnen alles Gute, Giovanni.“
Seit gestern darf ich wieder: „Zwei, drei, maximal“, laut Frau Cosmea. Also maximal drei Zigarillos pro Tag. Gestern war mir nach dem ersten schön schwindlig, weil ich den Dampf natürlich inhaliere. Am 21. Mai, mit der Ankunft Conzuelas, fiel ich in einen bis gestern andauernden Schlaf. Ich selber habe mir in dieser freien Zeit keine übermäßigen Sorgen gemacht. Nicht über mich, auch nicht über andere. Als interessanter Gesellschafter kann ich mich nicht bezeichnen, obwohl natürlich die Recklinghausen immer wieder mich zum Weitermachen gemahnt hat. Es war für meine Lieben eine harte Zeit, wenn ich auch keine Schwierigkeiten in dem Sinn machte. Schließlich war Frau Cosmea auf die Idee gekommen, daß mir Luftveränderung vielleicht gut tun würde.
In einem Krankenwagen ging es dann erst rechts in die Lilienthalstraße, vorbei am Supermarkt, bergauf Richtung Sankt Blasien, scharf links an der Kreuzung beim Frische-Center und von da ab ein gutes Stück Landstraße bis zur Autobahn. Ich lag ohnmächtig auf einer wassergefüllten
Ich sage Dank an alle. Golddachs war da, Conzuela, die Recklinghausen, die von Frau Cosmea in der Krankenpflege unterrichtet worden war. Es ist wunderbar, hier zu sitzen. Und manchmal verwechseln mich die hübschen ligurischen Frauen mit Richard Gere, wohl wegen der grauen Haare an der linken Kopfhälfte. Mir macht das nichts. Ich sage das auch. „It’s no problem.“ Ich werde jetzt ein paar Schritte tun. Es ist zauberhaft hier.







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