Strenge Bettruhe

Liebster, oh Giovanni,

Golddachs ist gerade wieder aufgebrochen, zurück zu Dir. Ich bin ganz kopflos und mein Herz voller Angst und Sehnsucht. Was ist mit Dir? Giovanni, Golddachs sagt, Du bist erkrankt und liegst zu Bett. Auf meine Frage, was Dir fehlt, antwortete er, daß auch die Ärzte ratlos sind. Bitte schone Dich und esse gesunde Sachen. Nimm täglich ein paar der Kräuter aus dem Garten, den ich Dir angelegt habe. Greife beherzt zur Petersilie, sie enthält so wichtiges Eisen fürs Blut. Und nimm auch vom Schnittlauch, ein Brot mit Butter und etwas von den saftigen Stengeln, es wird Dich erfrischen und stärken. Der Salbei wird Deine Beschwerden im Hals lindern. Brühe Dir eine Tasse Tee. Und nimm vom Pfefferminz für den Magen. Und Kamille.

Giovanni, ich habe nach Frau Cosmea geschickt, sie ist eine erfahrene Heilpraktikerin, sie wird Dir helfen. Vertraue ihr. Ich habe Golddachs einen neuen Schlafsack mitgegeben, er wird Dich warm halten. Aber ich werde bald zu Dir kommen, um nach Dir zu sehen. Deine Hand halten, Deine Stirn küssen. Versprich mir, daß Du bist dahin alles unterläßt, was Dich Schwächen könnte.

Sing a Song in the Wind macht sich prima. Ein intelligenter Kerl. Er ist lebendig und läuft täglich sehr ausdauernd seine Wege. Du mußt Dir um ihn keine Sorgen machen. An den Chorproben nimmt er lebhaft teil. Ich werde Dir bald ein Foto von ihm schicken. Er gleicht Dir in so Vielem. Hat sich Deschön auf Deine Worte gemeldet? Also will auch Baden-Baden Sing a Song in the Wind nicht Laufen lassen. Es sind Angsthasen. Aber ich verstehe, Dir bricht eine weitere Einnahmequelle weg, und nun ist es für Dich bitter ernst. Achim hat mit anfänglicher Nervosität den Abend im Vereinsheim recht ordentlich bestritten. Du hast aus ihm einen überlegten und ernsthaften Mann gemacht. Er ist Dir sehr dankbar.

Verzweifle nicht, mein Liebster. Bleibe guten Mutes. Meine Liebe Dir.

Deine Conzuela

1 Antwort zu “Strenge Bettruhe”


  1. 1 Giovanni Mai 15, 2008 um 9:15 Uhr vormittags

    Du gute Indianerhaut,

    sorge Dich nicht, es ist vielleicht nur eine allgemeine Schwäche, etwas Husten und Augenjucken, ein gelegentlich sich einstellender Schmerz im Oberbauch und an den Backenzähnen. Die Haut ist an einigen Stellen schorfig, die Finger ungewöhnlich unbeweglich, die Halswirbelsäule in einer sichtbaren Schrägstellung. Der Appetitt kommt bestimmt bald wieder. Durst habe ich sehr. Das Fieber ist leicht zurückgegangen. Es wird der Tinktur zu danken sein, die Frau Cosmea mir heute morgen verabreicht hat. Übrigens eine resolute Frau, ganz im Leben stehend.
    Der Kräutergarten blüht prachtvoll. Auch die Tagetes und die Tomaten sind weit aus der Erde geschosssen. Am Abend klemme ich mich bei Golddachs ein, laufe ein paar Schritte mit ihm durch des üppige Grün und Bunt, während er allen Pflanzen ausgiebig Wasser gibt.
    Heute morgen hatte ich ein schönes Verlangen nach Pumpernickel mit kühler Butter und jungem Gouda. Frau Cosmea spricht sehr viel kluge Sachen und reicht mir roten Saft, Johannisbeer, denn roter Saft reinige das Blut. Abwechselnd kommt sie mit einer Wärmflasche, dann wieder mit einem Eisbeutel. Das Frühstücksei sei ungefährlich, denn das Fieber würde das Cholesterin sozusagen auffressen.

    Bitte, ja, schicke mir ein Foto von Sing a Song in the Wind. Ich werde es neben Deines stellen. Er ist ein so prima Kerl, aus dem richtigen Holze geschnitzt. Er liebt Dich sehr. Deschön ist wahrscheinlich eingeschnappt, aber im Moment ist mir nicht nach ihm. Daß er was in Riem ausrichten kann, ich bezweifele das. Wenn grünes Licht kommt, dann spreche ich mit ihm. Laß Sing a Song in the Wind weiter mit seinen Kumpanen toben, er hat über tausend Jahre festgefroren im Blackwood Forest an einer Stelle gestanden, bis aufs Gerippe abgemagert, das es nur zu verständlich ist, daß er laufen, springen, hopsen und zusätzlich noch singen will. Laß ihn. Ein so kluger Kerl.

    Ich freue mich, daß Du mich besuchen willst. Ich zähle die Stunden und Minuten. Und bitte, mache Dir keine Sorgen. Es wird, es wird. Dank auch an Frau Cosmea. Golddachs sowieso, ein Pfundskerl. Grüß mir die Recklinghausen. Und danke für den Schlafsack.

    Dein
    Giovanni

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