Archiv für Juni 2008

Es sind alle gekommen

Die alten GurkenNatürlich war ich sprachlos, als Conzuela Schöner-Fuß mit Blumen in der Hand vor meiner Herberge hoch zu mir zum Balkon winkte. Golddachs die Hand hob und auf den Verlobungsring an seinem Finger deutete und die Recklinghausen mir einen stillen Handkuß zuwarf. Sing a Song in the Wind galoppierte einmal die Straße rauf und zurück, um zu zeigen, in welch bestechender Form er sich befindet. Mit kamen die Tränen als T. Bier mit großem Schwung den Hut schwenkte. Guido hatte meine alten Schuhe repariert und wies auf Absätze und Sohlen hin. Professor Brima hielt eine Ansprache, die uns alle vergnügt und ausgelassen stimmte. 

Gott, wie wunderbar. So lange hatte ich sie alle nicht gesehen. Zudem muß ich sagen, was ich bisher versschwiegen habe. Es war ja Unruhe in Vernazza eingezogen, wegen der Wurmversorgung. Merlo und Merlomann fliegen hin und her und ziehen Würmer aus der Erde, daß sie nur so bebt. Den Fischern fehlte nun Frischköder, und von einem Köder aus Harzer Roller und Brot und Wasser wollten die Fischer nichts wissen. Die Frischfische aus den Speisekarten der Restaurants waren verbannt worden. Man hielt mich für verrückt, als ich vorschlug, mit Netzen rauszufahren und sein Glück zu suchen. Wie dem auch sei, diese Methode des Fischfangs hat sich weit bewährt und nach anfänglichem Mißtrauen, gab es zwei Tage später im Gambero Rosso Fischravioli auf Zitronenrisotto. Das Leben, das ist seit diesen Tagen meine Überzeugung, es besteht zum größten Teil aus Überzeugungsarbeit und Problemlösen, ganz platt ausgedrückt.  Und wenn dann alle da sind und gefeiert wird, daß die Schwarte kracht. Wenn gelacht wird, daß das Zwerchfell schmerzt, wenn getanzt wird und Körper sich biegen, wenn der Kuß süß wie eine süße Kirsche schmeckt, wenn gegessen und musiziert und gesungen wird, dann… Aber nun bitte Ruhe.

Merlo I und II

Merlo I und II

Was soll ich sagen? Am Mittag hatte ich mit Merlo gemeinsam musiziert. Die Savarez Corum Saiten sind ziemlich strong, und ich mußte im Vorfeld mit einigen Fingerübungen für den richtigen Anschlag sorgen. Immer wenn ich einen falschen Ton anschlage, plustert sich meine geliebte Amsel ein wenig auf. Gelingen mir aber ganz vorzüglich einige fetzige Riffs, die Akkorde mal wieder sauber und schön gebunden, die Melodie von Summertime gefühlvoll, dann streckt sie ihr Schnäbelchen weit geöffnet in die blaue Luft. Ich spielte mich selbst ein wenig in Trance. Denn plötzlich sah ich die Blaue Lagune im Abendschein der untergehenden Sonne. Ein herrlicher Abend. Ich dachte an Conzuela Schöner-Fuß, die so weit entfernt. An Signore Tasso Dorato, eben Herrn Golddachs und seine Recklinghausen. An mein Rennpferd Sing a Song in the Wind, um das Conzuela bemüht ist und fruchtbare Arbeit leistet, wenn auch mehr auf dem Gebiet des Chorgesangs, wo ich meinen Pronto gern vor Miss Anabel Lee die Zielgerade rauf auf der Rennbahn in Riem hätte galoppieren sehen. Aber  vermutlich ist das alles sehr sehr in Ordnung. Schorschi und Mademoiselle Ninett touren von einem ausverkauften Konzert zum nächsten. Bald also auch noch dieses Nachwuchsquartett. Ich griff beim B daneben, Merlo hob den Kopf. Ich versuchte es erneut, traf den richtigen Ton, sie streckte wieder ihren leicht geöffneten Schnabel gen Himmel: „Gott sei dank.“ Plötzlich erschien Großvater Zilli, er warf die Angel weit in die Blaue Lagune, er, der die Vögel so sehr gemocht hat.

Die blaue Lagune

Der Merlomann

Jetzt weiß ich es. Nun ist es klar. Der Merlomann ist Außendienstler. Es könnte auch sein, daß er sich auf Montage befindet. Vielleicht auf einer Bohrinsel. Jedenfalls erscheint er ganz unregelmäßig, sporadisch, wie eben heute. Ein schwarzdunkler, attraktiver Merlomann. Vogelabgeordneter. Theatervogel. Flugartist. In der Richtung. Der Merlomann, wenn er kommt, ist sie zuhause. Sie schaut ihn an: recht verliebt schaut sie ihn an, den Merlomann. Der Merlomann. Ein Flieger, Sänger, Pfeifer. Keiner, der mit Halunken um die Ecken zieht, der attraktive Merlomann.

Der ARD-Fernsehabend 14.6.2008

ARD-Programm

The HOLLIES – He Ain`t Heavy He`s My Brother

Song from The best One

Also doch

Also schlich ich um die Häuser, im Vollmondlicht durch verwinkelte Gassen. Am Nachmittag war der Amselmann aufgetaucht, aus heiterem Himmel, Merlo einen Besuch abstatten. Ich war gleich leicht, denn die Verantwortung für das zeitweise unbewachte Nest liegt nicht mehr allein auf meinen Schultern, sondern würde fortan auf Merlomanns Flügeln ebenfalls ruhen. Am Mittag war ich bereits um die Häuser geschlichen. Ich sah einen 2,5 kg schweren Kleinsack Kartoffeln und bekam zum ersten mal in diesem Jahr wieder Heißhunger auf eine festkochende Kartoffel, zusätzlich kaufte ich zwei Stangen Lauch und Zwiebel. Diese Mahlzeit drückte mich schwer in meinen Sessel. Die Auswirkung dieses einfachen Essens war überwältigend, ich wurde sofort müde. Als ich wieder aufwachte, schrieb ich einen Brief an Professor Brima, der in einer bestimmten, von mir vorgegebenen Richtung Überlegungen anstellt. Peinlich, äußerst peinlich und heimtückisch rumorte es aber in meinem Bauch, so daß ich während des Gehens große Menschenansammlungen vermied, denn das Knattern in der Buxe hörte sich an wie eine Mofa, die am Krümmer frisiert worden war. Peinlich. Was vier Kartoffeln und ein schöne Portion Lauchgemüse alles anrichten. Sakradi.

Am Abend

Merlo liegt sehr klein in ihrem Nest, ein paar Worte meinerseits, sehr schön, sie so ruhig zu sehen. Viel Rummel also die letzte Zeit. Viel Einsamkeit aber beschleicht mich und viel Trauer, so weit entfernt von allen, die mein Herz bewegen. Überall werde ich freundlich empfangen, man reicht mir die Hand und am Abend erhalte ich eine kleine Mahlzeit auf Kosten des Hauses.

Die Gitarrensaiten, die mir T. Bier aus der Heimat geschickt hat, sind angekommen. Also spiele ich tagsüber, und schon zweifle ich, daß ich auf der Hanika etwas zustande bringe, ja, je mehr ich an Fertigkeiten gewinne, um so stärker beschleicht mich eine Ziellosigkeit.  Alles ist stark verwirrend. Es ist besser nicht zu denken. Es ist gut zu Atmen und über das Wasser zu schauen. Wieder bei mir ankommen, einfach werden. Es wird, es wird schon. 

Übers Wasser schauen

Aus der Enge in die Weite

Oktober-Miete

Oktober-Miete„Sehr verehrte Donna Margaretha, liebe Einwohner von Vernazza,

sie leben in einer wunderbaren Umgebung unter der Sonne Italias, das muß einmal gesagt werden. Viel habe ich bisher nicht sehen können, es bleibt mir auch wenig Zeit, denn meine überaus erfolgreiche Tournee führt mich schon morgen an einen anderen Ort. Das Programm Belcando, ein modernes Stück mit einem alten Thema, nämlich der Liebe eines Mannes zu einer Amsel, dem gesangstechnisch begabtesten aller Singvögel, oft verspottet als Schnapsdrossel, was dem guten Ruf der Amsel aber weder geschadet noch gelohnt hat, -.

Was wollt ich sagen? Ich verheddere mich gern und ausgiebig in Umschweife, so daß unter Umständen niemand mehr weiß, wo er dran ist, so daß mir gelegentlich Vorwürfe gemacht worden sind, die zu behelligen ich nun aufgestanden bin vor ihrer aller Augen. Giovanni Impermeabile, dieser mutige und durchaus zerbrechlich erscheinende Mann, ein Förderer und Bewunderer menschlicher Äußerungen, hier wie andernorts, verzaubert durch seine Umwelt, hingerissen auch vom charmanten Treiben der ihn umgebenden Tierwelt, Merloihm ist nun die große Aufgabe zuteil geworden, die unser alter Federfreund Merlo ihm ins Balkonkästchen gesetzt hat, ein Nest mit vier blauen Eiern. Wäre er ein fauler Nutznießer dieses Geleges, stünde einem kräftigem Zwiebelomlette nichts mehr entgegen. Aber nun wacht er in zärtlicher Ansprache an Merlo auf das erfolgreiche Schlüpfen von vier hungrigen Mäulern. Er aber besitzt nur eins. Deshalb darf ich mich für den Scheck für die Monatsmiete Oktober sehr sehr herzlich bedanken. „

Ansprache des Präsidenten der Dogs-catch-Birds Foundation, Schorschi, am Vormittag des 12. Juni 2008.

 

Präsidentenbesuch

Miete September

Der Präsident der ruhmvollen Dogs-catch-Birds-Foundation, Schorschi, in Begleitung der distinguiert auftretenden Mademoiselle Ninett, überreicht dem Ornithologen Giovanni Impermeabile einen Scheck für die September-Miete. Der Der PräsidentVerkleidungskünstler und Sänger, der mit seinem Programm Belcando die Menschen zu frenetischem Beifall nie erlebten Ausmaßes hinrieß, wies auf den sportlichen Ehrgeiz hin, der Hunden seines Kalibers auf der Jagd nach einem Schwarzkittel eigen ist. „Mögen sie uns allzeit spritzig und hakenschlagend über die weiten Wiesen auf sich zuhecheln sehen. Sollte eine der zu erwartenden Federfüchse über herausragende, geniale musikalische Eigenschaften verfügen, gesangstechnisch, dann ist eine Welttournee von Nord nach Süd, von West nach Ost, nur noch eine Angelegenheit der Organisation.“

Little Bird Foundation

Weiter im Text

Der Vorsitzende der Little Bird Foundation, Professor Brima, war mit großem Tross zu Fuß über den Brenner und dann immer weiter geradeaus Richtung Genua, um schleunigst den unterschriebenen Scheck für die August-Miete an den Ornithologen Giovanni Impermeabile zu überreichen, der in den nächsten Wochen alle Gefahren von Merlo abwehren wird, ihr Leben und das Überleben ihrer derzeitigen Eierkleinen zu sichern.  (dpi vom 09.06.08 oder dpa) 8)

Nächste Seite »