Conzuela, das dürfte klar sein nach meinen letzten Reisebeschreibungen, ist aus Italien wieder zurück. Sing a Song in the Wind studiert jetzt Gesang und ist Sparring-Partner auf der Galopp-Rennbahn in Mailand. Ich bin darüber natürlich sehr glücklich. Die Italiener hätten ihn auch wettkampfmäßig die 2000m galoppieren lassen, sie sind da nicht so, aber mein guter Pronto wird sich professionell der Musik widmen.

Frühstücksbuffet
Conzuela hat noch die Früchte eingefahren, die die Merlos auf meinem Balkonplatz in Vernazza hinterlassen haben. Die kleinen, süß schmeckenden und bißfesten Tomätchen unterscheiden sich sehr von der beliebten holländischen Lufttomate, eben durch ein Mehr an Geschmack. Die Merlos haben an den Pflanzen echte Wunder gewirkt. Ein Geschenk an mich, der mit großem Engagement und Einfühlsvermögen das Heranwachsen der Merlokleinen überwachte. Naja, ein wenig gehe ich stolz umher, und wenn ich an der Kasse vom Tengelmann stehe, dann in der für alle sofort erkennbaren Position und Klarheit, daß sie gleich wissen und tuscheln: “Der Mann hat heute abend noch Sex.” Ich stehe an der Kasse wie jemand, dem man ansieht, daß er am Abend noch SEX hat. Gott, die Kassiererinnen himmeln mich an. Naja, ist doch gut!
Ich habe das mit dem Sex jetzt gut geregelt. Viel habe ich bisher da nichts durchdringen lassen, aus Scham, ja grundsätzlich bin ich ein verlegener Mensch. Aber jetzt, wo alles so wunderbar geklappt hat, kann ich mein Heu einfahren, daß heißt auch, sobald sich die Gelegenheit ergibt, lasse ich sie nicht ungenutzt und habe SEX. Ist doch cool. Ich habe mit den Leuten gesprochen, überall, an den Straßenecken, auf der Piazza del Torro, im Hinterland, in den Büro- und Verwaltungsgebäuden, an Flußufern, in stillen Winkeln, in den Bars und Peepshows, beim Pferderennen, während des Beischlafs. Überall hat man mir gesagt, daß sie von nichts anderem Träumen, als von einem Sechser im Lotto, dem Gewinn einer hochdotierten Dreierwette mit anschließendem Sexualverkehr. Ja bitte, so will ich es halten. Auch wenn ich kein Lotto spiele. Einzig Swoboda, den ich in Todtmoos im Gefängnis besucht habe – sie wissen, wegen des unter Alkoholeinfluß krummgefahrenen Ortseingangsschildes -, um ein Gnadengesuch für ihn zu erwirken, er kann mit all dem, was ich bisher zu sagen hatte, nicht das geringste anfangen. Er sitzt auf seinem Büßerbänkchen, wie jemand, der am Abend keinen Sex haben wird. Schade.


0 Antworten zu “Die Merlo-Tomate”