Archiv für September 2008

Fette Tage

Wenn neben dem Meerrettich auf dem Teller noch Kartoffeln liegen und Rotkohl, der Klecks Meerrettich zur Abrundung der hellen Gaumenfreude den Tafelspitz ankündigt, dann kann ich sehr berechtigt von Fetten Tagen sprechen. Ich habe von meinen letzten paar Kröten Robert Ragun, Peace Spiderman, Loreine Nice und Golddachs in die hiesige Metzgerei zum Mittagstisch geladen. Krisensitzung, wenn man so will. Die Sache ist jetzt die, aufgrund der gezüchteten Penis-Früchte ist zumindest bei uns die Stimmung riesig. Mit der Sexualität läuft es ergo tiptop.

Von einer Krisenstimmung kann keinesfalls die Rede sein. Wir sind noch einmal Plus Minus Null aus der ganzen Sache herausgekommen. Peace Spiderman hat sich so erklärt, daß er mir den Rücken freihalten wird, während Robert Ragun sich weiterhin um die Weltraumaufzeichnungen kümmert. Loreine Nice hält die Kontakte zu Deschön und zur internationalen Presse. Ich habe mich bereits erklärt, ich klopp die Weltliteratur zu mit meinen sehr weitläufigen Überlegungen und Texten. T. Bier schaut da mal drüber, von Sizilien aus. Professor Brim liebäugelt wieder mit der Insel Tokelau, ist aber bereit, für Loreine Nice das wechselhafte Wetter in Deutschland auf sich zu nehmen.

Golddachs und die Recklinghausen, gänzlich ohne Not, sie machen weiter wie gehabt und wie auch bekannt. Conzuela Schöner-Fuß malt mit Öl- und Aquarellfarben lichte Gestalten in den mal grauen, mal blauen Septemberhimmel. So auch im Oktober. Uns alle streift eine vornehme Ahnung. Jaja, vieles ist rund und ansehnlich geworden. Für Sie legen wir noch einmal eine wunderbare Melodie auf, eine kleine wunderbare Melodie. Für Sie.

Eine kleine wunderbare Melodie from Mariposa Island

Preiselastizität gleich Null

Stand-Up AG und Co. KG
Fruchtgroßhandel en Gros & en Detail
Aufsichtsrat: Guido Zeman, Robert Ragun
Geschäftsführer: Giovanni Impermeabile

Sehr verehrtes Hohes Gericht,

wir verschleppen nix, die Sache ist erledigt. Die mit großem Ehrgeiz und Wohlwollen aus dem Boden gestampfte Stand-Up AG stellt mit dem heutigen Tag den Antrag auf Insolvenz. Auf der weltgrößten Verkaufsmesse in München-Theresienwiese stehen wir mit unseren Bauchläden vorm Hacker-, Käfer-, Augustiner-Zelt, ohne Chance auf Einlaß. Preislich sind wir Allen entgegengekommen. Die Kreuzpreiselastizität tendiert gegen Scheiß. Die Substitutionsgüter Bier und Zigaretten, keine wirklichen Aphrodisiaka, sind auch bei einem 50 %igen Preisnachlaß unserer Früchte, die Drogen, die am besten kommen. Die Ausgabe für eine Penis-Frucht würde der Verzicht auf ein viertel Maß bedeuten. Die Nachfrage nach hellem Bier aber ist überproportional und konstant zunehmend. Da dieses Jahr das letzte Jahr ist, das in Zelten geraucht werden darf, wird zusätzlich kräftig geschmaucht und gequalmt und gehustet.

Der Internet-Verkauf kommt nicht recht in Schwung. Das Bestellformular wurde dreimal aufgerufen, eine Bestellung aber nicht ausgelöst. Die Versuche, unsere Früchte in Berlin an den Mann zu bringen, scheiterten. Haustürgeschäfte sind in der Bundeshauptstadt der neueste Renner.

Seit heute mischen wir unsere Penis-Früchte dem Tierfutter bei. Nun hocken die Hühner auf den Ziegen, die Kuh Floris stolziert in Straps und Pumps, Hund Schorschi und Mademoiselle Ninett dürfen bis auf weiteres nicht gestört werden. Hamster Luitpold dreht die ganze Nacht am Rad, die Eichhörnchen kommen von den Bäumen nicht mehr runter. Spätestens im Frühjahr wird sich der Tierbestand verdreifacht haben, dann zäumen wir das Pferd von Hinten auf und dann geht’s von Vorne wieder los.

Unsere Frauen erwarten uns jeden Abend mit einer neuen Überraschung. 

Haben Sie Mut

Haben Sie Mut

Klarheit unterm Penis-Baum

Die Fürstin und der Kardinal

Giovanni dreht seine Runden. Die Fürstin hat geschrieben, damit hatte er nicht gerechnet. So gesehen eine schöne Bescherung. Ihre Worte beschäftigen ihn. Giovanni sind sie im heißen Sommer aufgefallen, die pummeligen Babys mit den falschen Fingernägeln, die vielen dicken Hintern in den viel zu engen Hosen, die jungen Dinger mit dem entstellenden MakeUp im Gesicht, ihr billiges Eau de Toilette, am Handy am Handy am Handy. Er hatte sich beim Anblick dieser modischen Girls geschworen, auch in äußersten Notfällen, auf Sexualität mit ihnen zu verzichten. Jetzt ahnt er, daß die Fürstin etwas von Sexualität versteht. So wie er auch.  Geschnackselt wird auf der ganzen Welt gern, und auf Youporn stellen die Hochleistungsschnacksler ihr Können einem großen Publikum unter Beweis.

Fallen die Menschen heute alle wild und wahllos über sich her? Ist das von der Fürstin in die Runde geworfene Wort Treue eine romantische Vorstellung, Verklärung?

„Ich werde mir ihr Buch zulegen: ‘Die Fürstin und der Kardinal’. Es klingt so herrlich altmodisch.“

Golddachs kam ihm in diesem Moment entgegen, der Eigentümer der Penis-Baum-Plantage. Er hatte seine Recklighausen geheiratet, nicht um der Fürstin zu Gefallen, das nicht, die katholische Sexuallehre zwar im Hinterkopf, aber die hatte sich nicht bestimmend auf seine Entscheidung, sie zu heiraten, ausgewirkt.

„Die Recklinghausen, sie hat ein Herz, sie hat Gefühl, sie ist klug, sie packt was an, sie ist schön und für mich die erotischste Frau der Welt.“

Gut, noch zwei drei Worte

„Lucertole, mich bringt das völlig aus der Bahn. Die Fürstin hat sich da eingemischt, daß ich jetzt keinen Unsinn schreibe. Diese ganze Sexualität -, Lucci, was meinst denn du?“

Der große Techniker schaute rechts und links. Flugs setzte er sich auf einen seiner heißen Steine, aus einem Wasserfilter ließ er einige Tropfen Nasses in sein Orgon-Glashaus tröpfeln, die relative Luftfeuchtigkeit, das zeigte sein Hygrometer an, schoß auf 80 %. Er spreizte seine Glieder und sah mit gesteigerter Aufmerksamkeit durchs Fenster am Himmel rote Herzballons aufsteigen.

„Lucci, weißt du keine Antwort?“

Der große Techniker blies ein wenig die Wangen auf. Er winkte mich etwas näher zu sich.

„Giovanni, wenn dir die Sexualität Spaß macht, Giovanni – warum nicht? Wenn sie dich heiter stimmt, wenn sie deine Liebe und Zuneigung vertieft, wenn sie dir Vertrauen schenkt, ja, dann ist sie doch ein Geschenk.“

„Signore…“

Ich schlief dann auf dem Sofa ein. Wenn ich morgen wieder wach bin, dann will ich Signores Worte noch ein wenig im Herzen schaukeln lassen. Die Musik, die Conzuela mir im Traum ist, sie wird mich ein Leben lang begleiten.

Luftballons

Luftballons

Mir fehlen die Worte

Ich weiß nicht, was ich der Fürstin antworten soll. Ich weiß ja nicht, was sie weiß. Nachher rede ich dummes Zeug. Oder ich…, ich versuche mich zu erklären, wieso weshalb warum, und ich komme daher, sozusagen als Landwirt, und ich bin da wohlmöglich ganz anders gestrickt. Gut, sie sagt, auf Kondome solle man verzichten. Ich würde sagen, das kommt darauf an, was für eine Figur man darin macht. Ich bin mir auch nicht so sicher, ob wirklich alle Probleme auf der Welt ihre Ursache in der Sexualität haben: Umweltverschmutzung, Politikverdrossenheit, Armut, Reichtum, Unfälle, Erkrankungen, Kriege usw. Diese ganze Latte an Sorgen eben. Insofern bedenke ja ich, daß ich auch als verletzbare Person dem anderen gegenübertrete, in meiner Nacktheit, und da erübrigt es sich von Eroberungskriegen zu visionieren, wenn zum Beispiel auch Aufregung mit im Spiel ist.  Die Frage muß denn im stillen Kämmerlein beantwortet werden, hat der potentielle Geschlechtspartner auch das Format, daß ich ihm morgens ein kräftiges Frühstück zubereite. Hat sich vielleicht schon vorher ein Gefühl von Vertrautheit eingeschlichen, Zuneigung im wahrsten Sinne des Wortes. Hingabe und Rücksichtnahme. Wenn unsereiner nicht sofort und zu jeder Gelegenheit, weil es auch noch anderes zu bewältigen gibt, seinen potentiellen Geschlechtspartner ins knarrende Bett verhilft, wäre, bei Gefallen, zuerst das Jawort vor dem Standesamt zu geben, bzw. noch der kirchliche Segen obendrauf einzuholen? Ich bin mir unsicher.  Die Fürstin hat da viel mehr Zeit zum Nachdenken. Sie ist in ganz anderer Gesellschaft, spricht mit Würdenträgern und Eminenzen. Unsereiner wohnt alternierend auf dem Dachsberg und in Gräfelfing, gelegentlich suche ich einen Arzt auf, Check up. Normale Verschleißerscheinungen, mal Husten, mal Schmerzen. Die Fürstin ist sehr katholisch. Ich bin keiner Konfession angehörig, zahle aber mit meinen Steuern das fürstliche Gehalt eines Bischofs mit. Denn die Bischöfe werden ja nicht von der Kirche bezahlt, sondern vom Staat, aufgrund des Reichskonkordats. Und die Fürstin weiß mit Sicherheit mehr über die Sexualität als unsereiner, weil sie eben kompetente Ansprechpartner hat. Wenn meine Früchte, ich sage das ohne Brass und Wehmut, wenn sie nichts als Unruhe stiften sollten, dann laß ich das mit der Produktion. Ich bin sowieso schon vollkommen durcheinander. Hat man mal eine Idee, kommt schon an der nächsten Ecke jemand daher und erhebt Einwand und verkündet lauthals seine Meinung. Ich habe wirklich das Gefühl, daß die Welt bereits untergegangen ist, aber niemand will das richtig wahrhaben.

- So zarte schöne Pflänzchen gibts -

Frieden Frau Fürstin
Frieden Frau Fürstin

Septembermelancholie

Gut, ja, ich ticke im Moment einfach anders. Das Sortieren der Penis-Früchte, das Abwiegen, das Befüllen der Stoffbeutelchen, die Rechnungsstellung, das Ausfertigen der Frachtpapiere für die Spedition,  das Kochen des Mittagessens für die Feldarbeiter, die Auszahlung der Löhne, alles, alles muß ja bewältigt werden. Und Conzuela stand plötzlich in der Tür und fragte:

„Du liebst jemand anderen, einen Mann!“

„Wie kommst du darauf? Red keinen Quatsch, komm, fahr das Abendbrot auf.“

Sie sagte kein Wort. Für 20 Euro hatte sie dicke Bohnen, Oliven, Ziegenkäse, Shrimps und eingelegte Schampingjongs eingekauft. Stumm wandte sie sich ab. Ich stand noch am Bügeltisch mit dem heißen Plätteisen. Gott, ja, ich war in dem Moment wieder Bauarbeiter, alles mußte schnell gehen, bevor der Zement hart würde.

„Was ist?“

„Wie sprichst du denn mit mir?“

„Ja, wie denn? Was denn?“

„Ich will von dir wissen, ob du einen Mann liebst? Du hörst den ganzen Tag diesen Aznavour-Song. Weißt du, daß das ein Schwulen-Song ist?“

„Ja sicher weiß ich das. Was ist daran so schlimm.“

„Hörmal, du kommst spät in der Nacht nach Hause. Hörst dich am Morgen vollkommen versoffen an. Was soll ich da denken? Dann schnauzt du mich an, als seien wir ein altes Ehepaar.“

„Hörmal“, schrie ich, „was soll das. Mir ist das doch egal, wer was mit wem am Hut hat. Ich habe den ganzen Tag, genau wie du, noch nichts richtiges gegessen. Ich will mit dir jetzt was futtern.“

„Und was ist mit deiner Liebschaft. Wie heißt er?“

„Ja, spinnst du jetzt. Der Aznavour singt das einfach gut. Der ist unglaublich präsent. Heute tanzen sie alle wie bekloppt auf der Bühne rum, so was Blödes. Schau mal was er da macht. Das ist doch gut. Warum soll er kein Lied für die Schwulen singen, hm?  Das hat doch nix mit mir zu tun. Ich finde die Schwulen etwas merkwürdig, wenn sie Pink Christmas auf der Straße feiern. Das ist albern. Der Aznavour singt doch einfach ein gutes Lied, ich finde ihn ehrlich.“

„Aber was fährst du mich an?“

„Ich fahr dich nicht an“, geriet ich aus der Fassung, „ich liebe dich.“

Glückwünsche aus aller Welt

Die Glückwünsche vieler Penisbaumzüchter aus aller Welt erreichen uns mit großer Freude. Unser Auftragsbuch ist nach wenigen Stunden voll. Es ist so, daß unser Weltraumflug nicht als Event geplant, noch als Flucht vor den hiesigen verschwommenen Verhältnissen gedacht war. Die Experimente im Weltall und die Ergebnisse unserer Forschungen soll die Menschheit ein Stück nach vorne bringen, glücklicher und zufriedener machen. Das Thema Sexualität spielte von Anfang an eine exponierte Rolle, die Unwissenheit in der Bevölkerung und die restriktive Einstellung der katholischen Kirche zu diesem Thema, das alles hatte uns nachdenklich gemacht.

Mit Professor Brima haben wir einen Wissenschaftler an der Seite, der über alles genau Bescheid weiß, er ist ja deshalb auch Professor geworden. Und wir wußten von einem Mann, Peace Spiderman, der aufgrund seiner Naturbeobachtungen Aufzeichnungen gemacht hat, die ihn für uns zu einem wichtigen Mann werden ließen. Deshalb sind wir ab in den Weltraum, Peace Spiderman aufzusuchen. Brima und Spiderman erkannten sofort, woran viele Züchter von Penisbäumen gescheitert sind, daß die Bäume nämlich keine Früchte tragen. Früchte, die zur Gesundheit beitragen, stabilisierend sich auf die körperliche, geistige und seelische Verfassung des Einzelnen auswirken, ergo Aufklärungsarbeit, die, ohne der katholischen Kirche zu sehr ins Wort zu fallen, denn von dieser Seite vermuteten wir Einwände moralisch-ethischer Natur, doch ideologisch wollten wir einwandfrei bleiben, ja, und pekuniär soll sich unsere Arbeit und Müh natürlich auch lohnen.

Die „Stand-up AG“ mit Sitz in Gräfelfing arbeitet an der Zukunft.

Der Penis-Baum zum Oktoberfest München 2008

Gerade noch rechtzeitig zum Beginn des Oktoberfestes in diesem Jahr, bringen Professor Brima und Peace Spiderman ein Aphrodisiakum auf den Markt, das alle Glocken läuten läßt. Nachdem Viagra so gut wie vom Markt verschwunden scheint, wir stellen dies fest an den ausbleibenden emails, dürfte der Vorrat potenzsteigernder Mittel für das bevorstehende Highlight kaum ausreichend sein. Wir geben heute bekannt, ein großer Streich ist uns gelungen, die Züchtung des Penis-Baums inclusive seiner ersten Früchte.

Frucht des Penis-Baums

Frucht des Penis-Baums

Ab sofort können Früchte in erstklassiger 1-A-Qualität geordert werden. Der Preis richtet sich nach dem Gewicht der Penis-Frucht. Das Bestellformular ist als PDF-Datei hinterlegt. Wer’s nicht glauben will, muß es fühlen. Oktoberfestwiesen, die im September ausgetragen werden, sind voller wilder Gedanken, heimlicher Wünsche, riskanter Abenteuer, pikanter Geständnisse. Raupen- oder Geisterbahn, Bierzelt oder Fischbüdchen, Losstand oder U-Bahnhaltestelle. Wer nicht will, der hat schon. Wer nicht hat, der will mal. Ein letzter Beweis. Und nur solange der Vorrat reicht.
Qualitätsfrucht "Stand-up"

Qualitätsfrucht "Stand-up"

Unbekannte Welt

Hi peoples

Hi peoples

Peace Spiderman, der weiterhin Gast auf diesem Planeten ist und ebenfalls zur Einweihungsparty geladen war, er staunte nicht schlecht über Lucertole, den Eidechsen-Mann. Über die Lebensbedingungen der Menschen hat Peace bereits einiges erfahren und niedergeschrieben. Wahrscheinlich werden seine Aufzeichnungen veröffentlicht, ob nun hier oder andernorts, das steht noch nicht fest. Aber seine journalistische und schriftstellerische Arbeit wird der Öffentlichkeit ein Bild vom Leben auf der Erde liefern, das  alle Staunen läßt, in bunten Farben, leicht und schmerzlos, in pastellenen Tönen, beruhigt und gelassenen Schrittes, dunkel und in tiefem Sinnen, gebeugt und schwer daneben. Die Begegnung Spidermans mit dem Eidechsen-Mann Lucertole war auf den ersten Blick von besonderer Zuneigung geprägt, das spürte jeder auf dieser Einweihungsparty. Lucertole ist von seiner Konstitution zart, ohne diese nähere Beschreibung wird man kaum verstehen, warum er in seinen Terrarien immer wieder auf heißen Steinen Platz nimmt, zur Meditation, zur Kraft- und Energieentwicklung.

„Wie lebt es sich in einem begrenzten Terrarium, Lucertole? Wie sind die Bedingungen?“

Auch Commodore zeigte sich plötzlich auffallend friedlich gegenüber Signore Lucertole, und ein wenig tat ihm sein Auftritt vom Nachmittag leid, so daß er sich jetzt doch für die Lebensverhältnisse dieses hageren Technikers zu interessieren begann.

„Natürlich sind die Bedingungen andere, im engeren Sinn auch extremer. Zum Beispiel benötige ich in meinen Terrarien, ich möchte fast sagen Orgon-Glashäusern, natürliche Materialien. Die Temperaturen schwanken von 26 bis 35 Grad, die relative Luftfeuchtigkeit beträgt aufgrund eines Luftbefeuchters 60 – 80 %. Mäuse würde unter diesen hohen Werten mit Sicherheit leiden. Eine solche feuchte Luft würde aber auch Möbel, Kleidung und Mauerwerk schaden, die Vermehrung der Hausstaubmilbe explosionsartig erfolgen. Neben eines Luftbefeuchters in meinen Orgon-Glashäusern, wird für den übrigen Wohnraum ein Luftentfeuchter eingesetzt, der die ideale relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 55 % regelt. Die Einwände Commodores gegen mich, wenn auch beim ersten Hinhören zweifelhaft, meine Herkunft, sind insofern schon berechtigt, denn mein Leben verläuft ja etwas anders.“

Orgon-Glashaus

Orgon-Glashaus

Die Einweihungsparty

Es waren alle gekommen zur großen Einweihungsparty.  Mäuse und Signore Lucertole sind wunderbare Gastgeber. In der Küche unterhielten sich die Recklinghausen und Mäuse. Im Flur stand T. Bier noch ein wenig unschlüssig, etwas verhalten, ganz nach seiner Art. Und auch Professor Brim, der einen Schritt auf T. Bier zu machte um ihn herzlich zu umarmen, hatte ein Geschenk mitgebracht. Seine neuste Erfindung, ein schnurloses strahlungsarmes Telefon.

„Ein Telefon“, sagte er, „ist heutzutage schon praktisch. Man kann Termine verabreden, sich nach dem Befinden von Mutter und Vater erkundigen, eine Bestellung aufgeben, oder beim Finanzamt anrufen und Bescheid sagen, daß dieses Jahr das Einkommen gerade so  eben gereicht habe. Ein Telefon ist eine sinnvolle Einrichtung, wenn auch der Anruf einer Warteschleife, die den Gewinn eines Benzingutscheines in Aussicht stellt, eher ein Übermaß an Verdruß verursacht…“

Brim, in Begleitung von Loreine Nice, und hier wird das geheimste Geheimnis der Welt nun doch gelüftet, ihn hat Loreins zupackende und witzige Art und ihr schmetterlingshafter Augenaufschlag aus dem elfenbeinigen Turm der Wissenschaft herausgelockt. Deshalb gelingen Brim jetzt schwungwolle Worte, warmherzige und praktische Sätze zur Lebensbewältigung. Conzuela, die Mäuse sehr in ihr Herz geschlossen hat und von Luigis Behendigkeit schwärmt, sie überreichte den beiden aus Italien zugereisten Sonnenkindern eine wertvolle Nachttischleuchte des italienischen Leuchtenherstellers Artemide. Mäuse dankte und flüsterte Luigi zu: „Sie verwöhnen uns. Sie wissen, daß uns Südländern Licht so wichtig ist.“

„Du mußt den Topf wässern, bevor Du ihn in den Backofen schiebst, das ist wichtig. Der Ton muß feucht sein. Aber ich kann dir sagen, es gelingt dir jedes Essen.“ Lucertole, ein begnadeter Koch, er isst gern, doch leicht und gesund zubereitet soll das Essen sein. „Zumal ich wenig Zeit am Herd verbringen möchte, um auf die Töpfe und Pfannen acht zu geben.“

Der herzhafte Geruch eines Backhähnchens strömte uns entgegen. „Es ist Zeit. Das Huhn ist jetzt ca. 90 Minuten im Backofen, der Deckel muß nun runter, dann noch zehn Minuten, dass die Haut schön kroß wird. In einem Römertopf Speisen zuzubereiten, ist sehr unproblematisch. Du brauchst dich nicht viel um den Tontopf zu kümmern. Das Gut schmort im eigenen Saft, ganz einfach.“

An der Wohnungstür klingelte jemand Sturm und von der Straße hörten wir die verzweifelten Rufe Commodores: „Mäuse, ich bitte dich, komm herunter. Er ist eine Eidechse aus Ispani und nicht der richtige für dich. Er kommt aus der Lombardei. Mäuse, laß uns nach Ispani zurück.“ Seine Stimme klang tränenerstickt und voller Verzweifelung. Überhaupt war plötzlich nicht mehr klar, wer aus welcher Gegend woher kommt. Ich zumindest habe im Nachhinein, das merke ich jetzt, einfach den Überblick verloren. Traue mich nun nicht, die Sache zur Sprache zu bringen, um nicht weiteres Unheil herauf zu beschwören. Vielleicht sogar das erste mal, daß ich zeitweise einfach alles durcheinander werfe. Ich komme aber auf diesen Tag nochmals zu sprechen. Wenn ich die Angelegenheit wieder besser im Griff habe.

„Ich rufe die Polizei“, schrie ihm Lucertole aus dem Fenster des ersten Stocks zu. „Sie sollen dich zu Swoboda in die Zelle stecken, wenn du keine Ruhe gibst.“

Mäuse legte ihre Hand beruhigend auf Luccis Unterarm: „Ich gehe zu ihm runter, er soll heraufkommen und sehen, wie gut es uns geht. Er liebt mich, Lucci, er ist ein Tolpatsch.“

Aufgelöst hielt er sich im Türrahmen, während Mäuse ihn untergehakt vorsichtshalber stützte. Seine Gesicht war überströmt von einem Meer von Tränen, und die salzigen Tropfen hatten seine Haut entzündet. Er schluchzte tief aus einem Bergwerk aus Angst und Liebe. T. Bier führte den Verzweifelten duch den Korridor ins Wohnzimmer, wo das knusprige Hähnchen auf dem Tisch stand und Commodore auf seiner Zunge die restliche Körperflüssigkeit sich versammeln spürte: „Ein Glas Wasser bitte, ein frisches Glas Wasser bitte und ein kleines Hühnerflügelchen, Mäuse.“

Vier Damen der Chorformation Dicke Decke für eiskalte Damenfüsse sangen Over the rainbow und Take a walk on the Wildside.

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