Archiv für Oktober 2008

Gräfelfing Lohenstraße Bus 268

Wo ist eigentlich Volker
Wo ist eigentlich Volker

Gräfelfinger Flaschenautomat

Gut, ich habe, um der melancholischen Grundstimmung Herr zu werden, ein süßes Sahnehäubchen aufgelegt, John Martyn, „Live at Leeds“: Solid Air, Big Muff, Bless the Weather. Die Musik ist, glaube ich, psychotrop, diese Richtung. Nebel vor der Tür. Das ist etwas ungünstig, weil ich auf den mit Atemwegsbeschwerden reagiere. Dennoch tauchte ich gestern bei Tengelmann am Flaschenautomaten auf.  Einen Euro elf hatte ich auf dem Heimweg zusammengebracht. Für das Pfandgeld kaufte ich eine gelbe Flasche Scheuermilch. Solid Air jetzt. Ich mag diesen Song sehr.

Jedenfalls ist meine Hütte blitzblank. Bad; Küche; Holzfußboden und Staub aus den Ecken gewischt. Neue Gitarrensaiten aufgezogen. Die blauen Hannabach diesmal, Silver Edition. Sie klingen wärmer als die Savarez Aj 500. Lassen sich auch leichter greifen, weil sie geringfügig dicker sind. Ich hab die ganze Bude auf den Kopf gestellt. Die Hemden, aus denen die Appretur raus ist, vielleicht sagt man so, weg damit. Ich habe mal gezählt. Viele Hemden sind von 2001. Haushemden. Aber nun verlieren die wiederum auch Knöpfe, und da geht meine Überlegung, daß die, bitte, auch weitestgehend ausgedient haben. Ich bin natürlich glücklich, daß manches wieder in schöner Ordnung ist.

Bless The Wheater jetzt. Die Hemden sind schon Ökotex Standard 100. Wir haben früher immer gesagt, wenn die Kleidung ein wenig aus der Fassung ist, die Appretur ist raus. Auch die CD’s habe ich abgestaubt. Die, die ich nicht mehr höre, die verkaufe ich an einen Second Hand Laden in der Stadt. Jetzt gibt’s noch eine Scheibe Dinkel-Brot mit Butter und etwas Corned Beef. Gürkchen, Zähneputzen, Columbo-Filmchen rein, Augen zu. Und morgen ist wieder ein Tag, wo die Banken zusätzlich gefühlte drei Prozentpunkte an Vertrauen verloren haben dürften. Überhaupt geht es gerade sehr spannend zu.  Löw – Frings – Ballack. Dax – Nikkei – New York – Frankfurt – Japan. Heidenreich – Gottschalk – Fernsehen. Bildung – 32 Kabelprogramme – Pizza-Studie. Ich kriege das so am Rande mit, während ich mit kräftigen Zügen die Seifenrückstände aus der Badewanne mit Essigessenz und Scheuermilch entferne. Mehr nicht.

Gräfelfinger Stehcafe

„Haben sie noch ein Brot vom Vortag?“

„Wir haben noch eins von gestern.“

„Dann nehm ich das.“

Bitte ein Brot von gestern

Bitte ein Brot vom Vortag

Dann gestatte ich mir noch einen kurzen Abstecher in die Schusterstube Zeman. Zwei Becher Kaffee. Ich schau ihm bei der Arbeit zu.
„Willst du nicht einmal ein Buch schreiben, Giovanni?“
„Guido, ich kann so was nicht.“
„Dann lernst du es eben.“
„Tja.“
Aber meist geht es um Frauen und ihre Schuhe. Er hat eine Kundin, die aus Florenz kommt. Sie bringt ihm ihre Schuhe aus Florenz zur Reparatur, weil es in Florenz keinen ordentlichen Schuster gibt. „Ich muß jetzt weiter. Wahrscheinlich bis später. „
schuhe-aus-florenz

schuhe-aus-florenz

Lonesome Evening Star

Sie sind alle weg. Der Professor mit seiner entflammten Loreine Nice Richtung Tokelau. T. Bier schon seit einiger Zeit in Sizilien. Diese Mitteilung bringt mir sicherlich wieder einen 3-Worte-Kommentar eines Italienreisenanbieters ein. Gelöscht.

Der Opernsänger

Der Opernsänger

Conzuela Schöner-Fuß ist nahe am Himmel. Golddachs und die Recklinghausen, sie machen auf dem Dachsberg weiter. Lucertole richtet das Studio ein. Mäuse-Marie fest an seiner Seite. Sing a Song in the Wind hat in einer Oper den Part eines Bösewichts übernommen. Er leistet im Gesang bereits erstaunliches.
Ich schreibe so lakonisch, weil ich den lieben langen Tag durch die heruntergefallenen grün rot gelben Blätter dahinmarschierte. Lautlos, leicht, ja längst das Laub das Land bedeckt.

Laubgeschichten

Laubgeschichten

Ihre Worte klingen noch in meinen Ohren: „Es wird sich der Staatsanwalt für sie interessieren, sie Teufel.“ Sie war verrückt geworden, sie mußte verrückt geworden sein. Sie beschimpft mich wieder. Sobald ich ihr auf der Straße begegne, hebt sie ihren Stockschirm und droht. Ich gehe jetzt Umwege, in der Hoffnung, ihr nicht zu begegnen. Das Leben hat sie verrückt gemacht, denke ich mir. Das bleibt nicht aus.

Simon Borowiak – Alk

„Was ist, schenkst du noch einen ein? Auf einem Bein kann man nicht stehen.“

„Jetzt noch nen Absacker.“

„Ich war gestern voll wie eine Haubitze.“

Gott, Himmel, ja, wer kennt sie nicht, die starken Sprüche. Vermehrt ist jetzt Flat-Rate-Saufen im Gespräch. Ob heute junge Menschen mehr Alkohol in sich reinschütten, weiß ich nicht, aber es gibt modernere Getränke und andere Bezeichnungen. Ich steh da seit einiger Zeit abseits. Zumal jeder wohlmöglich jemanden kennt, der da ein Problem hat mit dem Verzehr von geistigen Getränken (Flann O’Brien). Allerdings, um meinen Beraterstab bezahlen zu können, bin ich auf ein Nebeneinkommen angewiesen. Auf meinem 12 minutenlangen Fußmarsch von der S-Bahn nach Hause sammelte ich letztlich 10 leere Bierflaschen und zwei Limonade-Flaschen auf. Die tauschte ich am nächsten Tag gegen 250 gr. Butter, und so ein Pack reicht eine Woche.

Und weil im Rausch auch vieles durcheinandergeht, daß man unter Umständen plötzlich auf die Hilfe von Ärzten und Psychotherapeuten im Einzugsgebiet Herne – Bochum angewiesen ist, habe ich zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse ebenfalls ein Werk zu empfehlen. Meine Taschenbuchausgabe ist 10/2007 erschienen, also nicht mehr ganz brandneu: Simon Borowiak „ALK – Fast ein medizinisches Sachbuch“, erschienen im Heyne-Verlag, von mir für 7,95 gesammeltes Pfandgeld gekauft.

Was soll ich zu diesem Buch sagen? Mir fehlt das verkäuferische Talent eines Marcel Reich-Ranicki, die Beredsamkeit einer Elke Heidenreich. Daß der Autor ziemlich tief mit beiden Beinen im Morast gesteckt hat, da möchte ich ihm von ganzem Herzen wünschen, daß er das erste Glas stehen lassen kann. Wie unglaublich witzig und locker er die tödlich Krankheit Akoholismus für sich verarbeitet – Himmel, hab’ ich häufig lachen müssen. 

„Beim Alkoholismus gibt es einige Gesetzmäßigkeiten; diese sind aber von Trinker zu Trinker verschieden.“

Ein weiteres heiteres Zitat, das Simon Borowiak auf Seite 77 dem Kapitel Infos über körperliche und geistige Folgeschäden vorstellt, ist von Heinz Schenk:

„Manche Leute trinken so lange auf die Gesundheit anderer, bis sie ihre eigene ruiniert haben.“ 

Tun Sie was für Ihre Bildung. Mademoiselle Ninett, sie sitzt im Sessel, spitzt die Ohren und dankt mir mit treuem Blick für diesen Tipp. „Lies weiter.“

Mademoiselle Ninett
Mademoiselle Ninett

Demnächst zu sehen in „Die Fledermaus“

24 Stunden in der Schusterstube Zeman

Schusterstube Zeman, Gräfelfing

Mein Oktoberfest-Hendl 2008

Die Sonne hoch sehr schön am Firmament, so leuchtendwarm, ach, würde jetzt die Zeit doch stillestehn. Sie tut es nicht. Aber wenn ich so festlich sitze, den Blick hinaus von dem Balkon, ein Hendl gar im Römertopf so knusprig zubereitet, daß einem ganz schwindlig wird vor lauter Glück, ja, vor Emphase. Schön drumherum drapiert Tomaten, Merlo-Tomaten,  Sprossen aus dem hiesigen Bio-Markt, ein Gläschen Apfelschorle und vom Sellerie-Salat gleich zwei drei Gäbelchen. Dann ist die Zeit für den Moment, kaum wahrnehmbar, so erfüllt von Lebenslust und Stille, daß wiederum der Schwindel, einem Walzer gleich, man um die ganze Welt zu taumeln meint.

Oktoberfest-hendl 2008

Great Standard – Bob Irwin3

Sonnenmontag, ich trietschel so mit meinen Gedanken auf dem Gandia Blasco herum. Die Balkontür steht sperrangelweit auf. Ist mir eigentlich völlig unbekannt, so eine leichte Nachdenklichkeit. Noch überraschender, sie tut sogar recht gut. Meine Augen, noch etwas müde, leichte Schluckbeschwerden. Aber eine kleine Melodie, so bezaubernd hingelegt von einem Mann namens Bob Irwin3, ein swingendes Stückchen, Antwort und Therapeutikum auf meine Herzrhythmusstörungen, Triste 2006, bitteschön:

So beautiful. To Mariposa Island.

Noch ein paar Worte zum Neuanfang

Ich bin vom Dachsberg wieder nach Gräfelfing. Es muß etwas geschehen. Und zum anderen war es wieder Zeit für den halbjährlichen Zahnarzttermin. Der freiliegende Zahnhals links oben reagiert auf kalt, heiß,  süß und sauer, und auch auf Luft und Liebe. Außerdem hat sich eine Krone vom Weisheitszahn gelöst. Der wiederum stöhnt, wenn ich härteres Brot oder schmelzigen Pudding zu mir nehme. Die Zahnärztin klopfte mein gesamtes Eßzimmer ab. Kein Karies, eine ordentliche Zahnreinigung und etwas Fluoridlack auf den freiliegenden Zahnhals. Wir haben uns auf zwei weitere Termine geeinigt. In Zahnangelegenheiten bin ich ein anerkannter Feigling. Seit Jahren gehe ich immer in dieselbe Praxis. Mal wurde eine Wurzel-, mal eine Paradontosebehandlung durchgeführt, da und dort eine Krone. Ich bin mit schlotternden Knien rauf auf den Behandlungsstuhl und als Held wieder vor der Tür gestanden. Wahrscheinlich ist der Weisheitszahn nicht mehr zu retten. Gott, ja, dann ist man eben etwas dümmer, aber diesen Trouble dann los.

Ich war ja lange nicht zuhause, Sie erinnern sich, meine Reisen und meine geschäftlichen Aktivitäten führten mich schließlich bis nach Südeuropa. Ein wenig spüre ich nun doch, daß ich etwas älter geworden bin. Ein wenig älter, nicht viel, ein paar Jahre. In der Wohnung stand die Luft zum Schneiden dick, der Staub hatte sich pelzig matt auf die Bücherregale gelegt. Als ich mit dem Hausputz fertig war, klingelte es an der Tür. Weil ich aber ziemlich fertig aussah, schaute ich zunächst durch den Spion der Wohnungstür. Ein Mann in Anzug und Krawatte stellte sich bereits beim Nachbarn vor, er sei von der Firma Soundso, spreche wegen eines neuen Staubsaugermodells vor usw. Ich dachte mir, wenn er eine Stunde früher gekommen wäre, hätte ich ihn reingelassen, wären wir mit seinem Modell mal durch meine Hütte. Aber mein Miele medicair  leistet vorzügliche Arbeit und zum Fachsimpeln fehlte mir die Zeit. Meine Waschmaschine ist auch von Miele. Sie steht im Waschkeller. Alle Nachbarn haben sich mit der Zeit eine Miele gekauft. Ich wüßte nichts Nachteiliges zu sagen. Das klingt vielleicht alles sehr banal jetzt, was ich mitteile. Aber wenn man nach langer Abwesenheit wieder nach Hause kommt, dann schaut man sich mal um. Die vertrauten Dinge sprechen zu einem. Sie begrüßen dich: „Hallo.“ usw. Plötzlich klingelt das Telefon, das Piezo-Telefon. Kaum das ich aufgelegt habe, klingelt es bereits wieder. Zuerst Professor Brima, dann Conzuela. Endlich dahoam.

Daheim

Daheim

Neues Mitglied in der Silberspitz-Gemeinschaft

Interview mit Conzuela Schöner-Fuß und Giovanni