Ja, daß ich jetzt mit vollem Mund erzähle – der rote Preßsack, den ich am 17. Nov. gekauft habe, Verfallsdatum 19.11., von dem habe ich noch eine fette Scheibe und die muß, happ, jetzt weg. Wenn ich also mit Tränen in den Augen berichte, dann nicht weil mein heutiger Ausflug auf München mein Herz empfindlich gestimmt hat, noch daß mir eine Begebenheit besonders lustig vorgekommen ist, allein dem Löwensenf ist es geschuldet, der dick auf dem Preßsack mir im Giebel kitzelt.
Die Wettervorhersage für morgen sagt Schnee voraus. Diesen Bericht hat das ZDF mir durch Frau Katja Horneffer offeriert. Sie, die vor Zeiten im Morgenmagazin so manche richtige Vorhersage unters Volk gebracht hat, sie hat man rekrutiert, um mir den kalten Sturmwind und den dräuenden Schnee als ein für diese Jahreszeit normales Wetter begreiflich zu machen. Nur von ihr lasse ich mir sinkende Temperaturen und stürmische Böen gefallen. Nicht von Gunther Thiersch oder Ben Wettervogel.
Herr Doktor hatte mir subkutan mein Medikament verabreicht. Also lief ich wieder sorglos die Theatinerstraße Richtung Marienplatz und dann rechts hoch zum Stachus. Zwei Straßenmusiker, Gitarre und Kontrabaß, Gott, die armen Finger, die da steif die Saiten greifen. Die S 6, das ist klar, Verspätung. Ich stand bis Laim in der S 1, dann Umstieg in die S 5 bis Pasing. Am Pasinger Bahnhof wird gearbeitet, was das Zeugs hält (Konjunkturprogramm?). Die alte Post haben sie abgerissen. Die Bahnsteige werden erneuert. Weil ich den 160er in Lochham nicht mehr erwischen würde, bin ich also aus dem Pasinger Bahnhof raus. Um 17.55 fährt der Bus von der Haltestelle Gleichmanstraße, nahe dem Kaffeegeschäft Eilles, los. Gottseidank trug ich die dicke Cordhose, daß mir die Kälte nicht so die Beine hochkroch, wie sie den Jeansträgern blaue Lippen zeichnete. Ich besah mir bei Boneberger den gut durchgebratenen Schweinsbraten, bei Vinzenz Murr ein halbes Hähnchen, aber ich erinnerte mich des roten Preßsack und verzichtete.
Der Bus kam pünktlich. Eine Station weiter, Kaflerstraße, drängten die frierenden Menschen in den Bus. Eine recht dicke junge Frau setzte sich neben mich und telefonierte. An der Kreuzung links ab in die Lortzingstraße wird gearbeitet und die Grünphase der Ampel ist nur kurz. Ja, sagte sie, er ist sehr süß…Nein wir sind noch nicht lange zusammen…Man weiß nicht, was aus den beiden wird. Sie ist wahrscheinlich die Synchronstimme einer Darstellerin aus Sturm der Liebe, oder Samt und Seide, Schloßhotel Orth, Anna und die Liebe, Reich und Schön, Rote Rosen, Baywatch, Bezaubernde Jeannie, Wege zum Glück, Tessa – Leben für die Liebe. Diese Richtung, wo junge Menschen immer bedrückt gucken und verloren in ihren großen Wohnungen stehen. Kennt man ja.
Erfreulich, und diese Mitteilung mache ich gerne, mir gegenüber saß eine Frau und blätterte in einer Illustrierten, „Yellow Press“, so ähnlich. Und also plötzlich fiel mir ein Foto auf: Es zeigte Schorschi. Und gleichzeitig ein zwei Seiten langer Bericht über den so erfolgreichen Newcomer der Band „Chief & Administrator“, die Chris Kurbjuhn und ich gegründet haben. Himmel, das war eine wilde Zeit. Schorschi seinerzeit festgebissen in teure Sofas, aus dem Fenster des zehnten Stocks eines sündhaft teuren Hotels brennend in die Tiefe. Das kann man bei den jetzigen Wetterverhältnisse nicht machen, der Kerl holt sich den Tod.

Schorschi am roten WLAN-Kabel
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