Ein Interview von Hermann J. Deschön. Erschienen in „Der bunte Hund“. Interviewpartner Mister Schorschi.
D: „Mister Schorschi werden Sie neuerdings genannt. Das ist ja eine Riesensache. Mister Schorschi, Sie sind gerade wieder zurück aus Washington. Sie waren jetzt eine Woche im Weißen Haus, auf Einladung von Dog Bo, dem neben Ihnen berühmtesten Hund derzeit, auf Wunsch der gesamten Familie. Das ist schon ein dickes Ding. Wie war es dort im Weißen Haus? Wie ist Bo?“
Sch: „Bo ist noch ein junger Kerl. Springlebendig und voller Ideen. Außerdem ist er ein portugiesischer Wasserhund, und das macht ihn sofort symphatisch.“
D: „Er ist ein drolliger Kerl. Aber, Sie haben ja lange mit ihm gesprochen und gearbeitet. Da will ich später noch mehr von Ihnen erfahren, aber wie ist er denn so, wenn die Kameraleute mal weg sind? Er lebte nach seiner Geburt in Texas ja bereits in der US-Hauptstadt. In Unkenntnis seiner wahren Herkunft rief man ihn Charlie. Worauf er nicht gehört haben soll. Es gab dann Probleme, von denen er sich im Haus Kennedys ein wenig erholen konnte. Und plötzlich war es vorbei mit dem mal schnell an die Häuserwand pinkeln, dem Schnüffeln an liegengebliebenen Lebensmittelabfällen in der Bronx. Die feine Schule im Hause Kennedy.“
Sch: „Er ist ein feiner Kerl. Und wie wir alle in der Jugend, trinken wir mal einen Napf zu viel, vergessen, wer wir sind und lassen vor lauter Not mal was liegen, wo ein anderer unachtsam hineinschlittert. Das kann nicht sein.“
D: „Das kann nicht sein. Jetzt sind Sie also auf Einladung, wer hat Sie da genau angefragt, ins Weiße Haus, weil einerseits die beiden Kinder Sie sehr schätzen, als ehemaliges Bandmitglied von Chief & Adminstrator, die härteste und musikalisch ambitionierteste Blog’n & Roll Band aller Zeiten. Die Welpen haben Ihnen damals ihre Körbchen nachgeworfen, Ihnen Duftmarken hinterlassen, das waren sicherlich abenteuerliche Zeiten. Aber sicherlich auch nicht einfach. Sie kommen aus kleinen Verhältnisse. Erzählen sie mal unseren Lesern, wie es dazu gekommen ist. Ihre Auftritte während und nach dem Konzert von Chief & Administrator sind legendär. Waghalsig ihre Abstürze aus dem zehnten Stockwerk eines Hotels in Bochum, festgebissen in ein brennendes Sofa. Das war ja auch gefährlich.“
Sch: „Zugegeben, diese Sachen waren riskant. Aber wir wußten was wir konnten.“
D: „Jetzt, erzählen Sie mal. Sie haben sich durchgebissen. Was hat sie motiviert. Sie sind damals am unteren Ende eines Laternenpfahls in Altena zusammengesunken. Mademoiselle Ninett hat sie dann am Halsband gepackt. Wie ging das damals. Dog Bo, er war ja auch unglücklich, das man ihn so verkannte, als man ihn Charlie rief. Was war jetzt ihre Aufgabe im Weißen Haus? Das wollen unsere Leser ja wissen. Wie kam es jetzt dazu?“
Sch: „Mademoiselle Ninett hat mich auf dieser Reise natürlich begleitet. Die großen Konzerte waren ihr dann irgendwann zu laut. Die eindeutigen Avancen der Hündinnen, wenn sie mir ihre Körbchen schickten, das gefiel ihr nicht. Es gab dann auch Schwierigkeiten mit unserem Manager, Olaf. Er behauptete, es sei kein Euro in der Tourkasse. Kurbjuhn war der Ansicht, die Kasse müsse zum bersten voll sein. Imp hatte sich so weit arrangiert, daß er endlich richtig Gitarre lernen wollte, so wie es Olaf von ihm erwartete. Dann fehlten Briefmarken, mit Scheidung wurde gedroht. Ich weiß, daß Olaf die Gelder nicht verjuxt hat. Er denkt sich, das sind alte Blog’n Roller, die meinen, die könnten noch wie früher Bierkästen stemmen, mit der Harley frech durch die Orte, Hotelzimmer verwüsten. Olaf ist der kluge und einsichtige Kopf dieser ganzen Formation.“
D: „Ha, Wahnsinn. Das ist nicht durchgedrungen. In der Autobiographie Imp’s kein Wort. Bei Kurbjuhn Contenance.“
Sch: „Wir waren schlichtweg die beste Blog’n Roll Band aller Zeiten. Da können sie über Olaf schimpfen. Er hat seine Sache von Anfang an gut gemacht.“
D: „Noch mal zurück. Dog Bo, er war bei den Kennedys. Jetzt ist er der Präsident aller Hunde von Wyoming bis Albuquerque. Was haben sie ihm beibringen sollen? Was Sie so sagen dürfen. Bissl was Geheimes vielleicht auch, was nicht ganz so geheim ist, aber wo so getan wird, daß davon niemand etwas wissen sollte. Mister Schorschi. Das ist doch der größte Tag ihres Lebens, nehme ich an.“

Sch: „Der größte Tag meines Lebens war, als Kurbjuhn dieses Solo von Hold me on brachte, damals im Straight on in Budapest. Wichtig für Dog Bo, daß er einen Stinkstiefel von einem gepflegten Fuß unterscheiden lernt, ob da ein Fuß bereits in einer zwei drei Tage alten Socke vor sich hinmüffelt, oder ob ein Fußpuder, ein Balsam einen Hauch von Frische verströmt . Mit Würde z.B. bei Frau Merkel mal bis hinauf zum Knöchel schnuppert. Ein deutliches Zeichen seiner Wertschätzung und Zustimmung. Einen Stinkstiefel aber nicht gleich eine halbe Stunde verbellt, sondern einfach das dargereichte Leckerli ablehnt. Auch wenns an der Tür zum Weißen Haus klingelt, das er das spannt und Alarm schlägt. Schwierig ist für jeden Hund, wenn er aus dem Flugzeug steigt, daß er nicht gleich die Stufen herunterstürmt, oder dort seine Amtsgeschäfte erledigen will.“
D: „Sie haben es weit gebracht. International ist Ihr Programmm Belcando gefeiert. Sie haben gezeigt, was aus einem armen Hund werden kann. Das Ansehen der Hunde in Deutschland ist besser als das der Politiker. Allerdings zeigen sich die hiesigen Staatsvertreter selten in Begleitung eines Sympathieträgers. Wäre es da nicht sinnvoll, würden die Menschen in Deutschland bei den Wahlen nicht gleich einen Hund wählen?“
Sch: „In der Politik bin ich nicht zuhause. Eine interessante Überlegung.“
D: „Aber prinzipiell: Hunde in der Politik und in der Wirtschaft, das wäre doch was. Pudel in der Wirtschaft, Bernhardiner in der Sozialpolitik. Da gäbe es noch die Kampfhunde.“
Sch: „Wie gesagt, das ist eine gesellschaftliche Frage. Ob’s der SPD hilft, das wären jetzt Mutmaßungen.“

Gnädige Frau, ich lege mich zu ihren Füssen
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