Archiv für April 2009

Samstagabend in Gräfelfing

Samstagabend. Schöner-Fuß ist entweder in Nordafrika oder in Salzburg. Sie macht überall in der Welt Dinge klar, jaja. Golddachs lebt weiterhin in der Schwebe, die Recklinghausen ist zwar nicht mehr bitter und spricht auch wieder mit meinem Silberspitzmann. Aber so wie die Aussichten sind, sind noch ein paar beziehungstechnische Kleinkleinprobleme aufzuarbeiten. Natürlich sind verschiedene Privatfernsehsender auf die Idee gekommen, ihre Liebe und die damit unweigerlich verbundene, im Moment ruhende, Sexualität öffentlich einem interessierten Publikum zur Diskussion und zur Auflösung der Gesamtproblematik anheimzustellen, aber der ehemalige Penisbaumzüchter hat erst einmal angewunken.

Gestern abend, als ich von Frau Münster heimgekehrt war, habe ich den Fernseher einfach aus Reflex eingeschaltet und war ganz überrascht, daß der Wechsel von O. Pocher zu SAT1 scheints nicht geklappt hat. Vor einer großen Anzahl von Gesellschaftskritikern sprach er im Hörsaal einer philosophischen Fakultät (RTL) über etwas, was mich nicht überzeugte. Als ich dann am heutigen Mittag um 15.34 Uhr zufällig wieder über den Sender stolperte, hatte er seinen Vortrag noch immer nicht beendet, sondern zur Unterstützung seiner Weltkritik einen Herrn Bushido oder so ähnlich hinzugebeten. Wie es dann weiterging, kann ich nicht sagen. Weil, ich hatte gelesen, daß irgendwo ein alter Film mit Ruth Leuwerick kommen sollte. Aber dann bin ich doch bei dem Modemann Harald Glöckler hängen geblieben: „Gaanz toll, gaanz weich, gaanz elegant. Das müssen sie haben, und wenn der Kühlschrank raus muß!!“ Schöner-Fuß findet meine blauweiß karierte Hüttenbettwäsche recht kuschelig, aber vielleicht werde ich sie einfach mal überraschen. Meist gibts Sonderpreise bei Harald Glööckler, und wenn ich sie mir nicht leisten kann, dann kommt der PC raus und Schluß ist und los gehts.

Es wird jetzt Zeit für Rio Bravo. Meine Hanika geht heut nicht mehr, wegen der Nachbarn, aber so viel sei Olaf noch mitgeteilt. Die Akkorde für Take Five, bis auf kleine Unebenheiten, die sind jetzt drin, und das Solo, also die Melodie, fast perfekt bis in den 13. Bund. Schwierig , aber bald kein Problem mehr.

Ein Problem hat jetzt sicherlich der Klinsmann. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken, auch nicht in der von Uli Hoeneß. Die Schalker, die freuen sich. Ich habe das Spiel live ohne Ton im Fernsehen gesehen. Später noch eine Zusammenfassung, aber da guck ich auch nicht mehr hin: dieser bald nicht endenwollende, ohrenbetäubende und reißerisch-peinliche Vorspann zur ARD-Sportschau. Das tut den Horchlöffeln so weh, überall diese Lautstärke, dabei ist das nur Luft, was aus den Mündern kommt, von Vokalen und Konsonanten begleitet, das gebe ich zu, aber dennoch, das meiste ist Luft. Heiße Luft, würde ich sagen, da hab ich grad überlegt, heiße Luft ist es nicht.

Der Frühling und feeling

Wie sehr ich den Frühling herbeigesehnt hatte: jetzt, wo er da ist, ist gut, daß er da ist. Zwar wache ich morgens mit einem linken Säuferauge auf, das sich nur schwer öffnen läßt, und ich sehe den ganzen Tag so aus, als würde ich Alkohol rund um die Uhr nachkippen, aber es sind lediglich die Pollen der Birke, Eiche, Weide und Hainbuche, die mich schwächen. Ich lasse die Fenster und die Balkontüre geschlossen, auch Nachts. Wenn ich vor die Tür gehe, setzte ich eine sogenannte Hasskappe auf, so jedenfalls nennt mein Bruder Tancredi diese Schirmcaps, das sich die Pollen nicht so in den Haaren verfangen und ich meine Matte vor dem Zubettgehen immer erst waschen muß.

Seit 14 Tagen meine Therapie am Abend Die Kaktusblüte mit Walter Matthau und Ingrid Bergmann an. Ich liebe die Musik der Anfangsszene. Ein grandioser Film, die Schauspieler alle große Klasse. Harvey Greenfield (Jack Weston) , wie er im Zahnarztstuhl hockt und Dr. Julian Winston (Walter Matthau)  ihn unter voller Hochspannung hält, wegen dieser Stewardeß und er kriegt die Story häppchenweise, homöopathisch; wieder zurück zur Szene, wo der junge Dichter Igor Sullivan (Rick Lenz) die enttäuschte Toni Simmons (Goldie Hawn) vor dem Selbstmord rettet, wie er das Gas abdreht und an der mit vielen Schlössern versehenen Tür ruckelt und zieht und noch ein Schloß und endlich. Ingrid Bergman, Seargent Stephanie Dickinson, was für eine Schauspielerin.

A Dog named Bo

Ein Interview von Hermann J. Deschön. Erschienen in „Der bunte Hund“. Interviewpartner Mister Schorschi.

D: „Mister Schorschi werden Sie neuerdings genannt. Das ist ja eine Riesensache. Mister Schorschi, Sie sind gerade wieder zurück aus Washington. Sie waren jetzt eine Woche im Weißen Haus, auf Einladung von Dog Bo, dem neben Ihnen berühmtesten Hund derzeit, auf Wunsch der gesamten Familie. Das ist schon ein dickes Ding. Wie war es dort im Weißen Haus? Wie ist Bo?“

Sch: „Bo ist noch ein junger Kerl. Springlebendig und voller Ideen. Außerdem ist er ein portugiesischer Wasserhund, und das macht ihn sofort symphatisch.“

D: „Er ist ein drolliger Kerl. Aber, Sie haben ja lange mit ihm gesprochen und gearbeitet. Da will ich später noch mehr von Ihnen erfahren, aber wie ist er denn so, wenn die Kameraleute mal weg sind? Er lebte nach seiner Geburt in Texas ja bereits in der US-Hauptstadt. In Unkenntnis seiner wahren Herkunft rief man ihn Charlie. Worauf er nicht gehört haben soll. Es gab dann Probleme, von denen er sich im Haus Kennedys ein wenig erholen konnte. Und plötzlich war es vorbei mit dem mal schnell an die Häuserwand pinkeln, dem Schnüffeln an liegengebliebenen Lebensmittelabfällen in der Bronx. Die feine Schule im Hause Kennedy.“

Sch: „Er ist ein feiner Kerl. Und wie wir alle in der Jugend, trinken wir mal einen Napf zu viel, vergessen, wer wir sind und lassen vor lauter Not mal was liegen, wo ein anderer unachtsam hineinschlittert. Das kann nicht sein.“

D: „Das kann nicht sein. Jetzt sind Sie also auf Einladung, wer hat Sie da genau angefragt, ins Weiße Haus, weil einerseits die beiden Kinder Sie sehr schätzen, als ehemaliges Bandmitglied von Chief & Adminstrator, die härteste und musikalisch ambitionierteste  Blog’n & Roll Band aller Zeiten. Die Welpen haben Ihnen damals ihre Körbchen nachgeworfen, Ihnen Duftmarken hinterlassen, das waren sicherlich abenteuerliche Zeiten. Aber sicherlich auch nicht einfach. Sie kommen aus kleinen Verhältnisse. Erzählen sie mal unseren Lesern, wie es dazu gekommen ist. Ihre Auftritte während und  nach dem Konzert von Chief & Administrator sind legendär. Waghalsig ihre Abstürze aus dem zehnten Stockwerk eines Hotels in Bochum, festgebissen in ein brennendes Sofa. Das war ja auch gefährlich.“

Sch: „Zugegeben,  diese Sachen waren riskant. Aber wir wußten was wir konnten.“

D: „Jetzt, erzählen Sie mal. Sie haben sich durchgebissen. Was hat sie motiviert. Sie sind damals am unteren Ende eines Laternenpfahls in Altena zusammengesunken. Mademoiselle Ninett hat sie dann am Halsband gepackt. Wie ging das damals. Dog Bo, er war ja auch unglücklich, das man ihn so verkannte, als man ihn Charlie rief. Was war jetzt ihre Aufgabe im Weißen Haus? Das wollen unsere Leser ja wissen. Wie kam es jetzt dazu?“

Sch: „Mademoiselle Ninett hat mich auf dieser Reise natürlich begleitet. Die großen Konzerte waren ihr dann irgendwann zu laut. Die eindeutigen Avancen der Hündinnen, wenn sie mir ihre Körbchen schickten, das gefiel ihr nicht. Es gab dann auch Schwierigkeiten mit unserem Manager, Olaf. Er behauptete, es sei kein Euro in der Tourkasse. Kurbjuhn war der Ansicht, die Kasse müsse zum bersten voll sein. Imp hatte sich so weit arrangiert, daß er endlich richtig Gitarre lernen wollte, so wie es Olaf von ihm erwartete. Dann fehlten Briefmarken, mit Scheidung wurde gedroht. Ich weiß, daß Olaf die Gelder nicht verjuxt hat. Er denkt sich, das sind alte Blog’n Roller, die meinen, die könnten noch wie früher Bierkästen stemmen, mit der Harley frech durch die Orte, Hotelzimmer verwüsten.  Olaf ist der kluge und einsichtige Kopf dieser ganzen Formation.“

D: „Ha, Wahnsinn. Das ist nicht durchgedrungen. In der Autobiographie Imp’s kein Wort. Bei Kurbjuhn Contenance.“

Sch: „Wir waren schlichtweg die beste Blog’n Roll Band aller Zeiten. Da können sie über Olaf schimpfen. Er hat seine Sache von Anfang an gut gemacht.“

D: „Noch mal zurück. Dog Bo, er war bei den Kennedys. Jetzt ist er der Präsident aller Hunde von Wyoming bis Albuquerque. Was haben sie ihm beibringen sollen? Was Sie so sagen dürfen. Bissl was Geheimes vielleicht auch, was nicht ganz so geheim ist, aber wo so getan wird, daß davon niemand etwas wissen sollte. Mister Schorschi. Das ist doch der größte Tag ihres Lebens, nehme ich an.“

Stinkstiefel, oder nicht?

Sch: „Der größte Tag meines Lebens war, als Kurbjuhn dieses Solo von Hold me on brachte, damals im Straight on in Budapest. Wichtig für Dog Bo, daß er einen Stinkstiefel von einem gepflegten Fuß unterscheiden lernt, ob da ein Fuß bereits in einer zwei drei Tage alten Socke vor sich hinmüffelt, oder ob ein Fußpuder, ein Balsam einen Hauch von Frische verströmt . Mit Würde z.B. bei Frau Merkel mal bis hinauf  zum Knöchel schnuppert.  Ein deutliches Zeichen seiner Wertschätzung und Zustimmung. Einen Stinkstiefel aber nicht gleich eine halbe Stunde verbellt, sondern einfach das dargereichte Leckerli ablehnt. Auch wenns an der Tür zum Weißen Haus klingelt, das er das spannt und Alarm schlägt. Schwierig ist für jeden Hund, wenn er aus dem Flugzeug steigt, daß er nicht gleich die Stufen herunterstürmt, oder dort seine Amtsgeschäfte erledigen will.“

D: „Sie haben es weit gebracht. International ist Ihr Programmm Belcando gefeiert. Sie haben gezeigt, was aus einem armen Hund werden kann. Das Ansehen der Hunde in Deutschland ist besser als das der Politiker. Allerdings zeigen sich die hiesigen Staatsvertreter selten in Begleitung eines Sympathieträgers. Wäre es da nicht sinnvoll, würden die Menschen in Deutschland bei den Wahlen nicht gleich einen Hund wählen?“

Sch: „In der Politik bin ich nicht zuhause. Eine interessante Überlegung.“

D: „Aber prinzipiell:  Hunde in der Politik und in der Wirtschaft, das wäre doch was. Pudel in der Wirtschaft, Bernhardiner in der Sozialpolitik. Da gäbe es noch die Kampfhunde.“

Sch: „Wie gesagt, das ist eine gesellschaftliche Frage. Ob’s der SPD hilft, das wären jetzt Mutmaßungen.“

Gnädige Frau, ich lege mich zu ihren Füssen

Gnädige Frau, ich lege mich zu ihren Füssen

Ein schwieriges Rennen in Riem

Nun, Golddachs wieder lächeln zu sehen, das tut gut. Die Sache ist seit längerer Zeit ja die, daß ich unseren alten Freund und Kupferstecher Singasong in the Wind gern auf der Rennbahn in Riem unterbringen wollte, das weiß praktisch jeder. Unter der fürsorglichen Hand von Schöner-Fuß entwickelte er ein Stimmvolumen, wie es sonst nur Seeleute entfalten. Die Liebe zu den Vokalen, das Feeling für Rhythmus und Melodie, die Hingabe zu Literatur und Malerei, sein körperlicher Bewegungsdrang, seine geistige Mobilität, seine psychisch stabile Konstitution, sein feines Gespür für die Gesetze der Natur – das alles ließ ihn zu einem gefeierten Weltstar in den großen Opernhäuser werden: Paris, Mailand, überhaupt Italien, Metropolitan, Mexiko und viele mehr.

Jetzt aber zum Punkt. Der aufgetaute Singasong in the Wind aus dem Blackwood Forest, festgefroren und halbverhungert, entwickelte natürlich eine gewisse Unruhe, Springen und Laufen war ihm lieb. Und ich dachte, diesen Umstand für alle Beteiligten in Bare Münze umwandeln zu können. Es ging damals ans Eingemachte, und obwohl die Geldmenge sich auf der Welt insgesamt weiterhin vermehrt, wir wissen das aus den Nachrichten, ist bei uns davon noch nichts angekommen.  Also nach Riem auf die Rennbahn.

Golddachs, ein enger Vertrauter des Tiefgekühlten, Golddachs hatte sich bereit erklärt, den erwachten Schützling auf die 1600 m in Riem zu begleiten. Kurzum, beim Start aus der Box galoppierten die Zwei in einem Tempo, das man als raketenmäßig bezeichnen müßte. Aber statt den Sänger auf die Konkurrenz aufmerksam zu machen, erzählte Golddachs dem Windfang von dem Schicksal, das ihn so hart ereilt hat, von dem Auszug der Recklinghausen, dem niedergebrannten Anwesen, der wochenlangen Verwirrung. Der gute Singasong in the Wind erstarrte bei der Aufzählung all dieser unglückseligen Ereignisse. Tränen kullerten aus seinen dunklen wachsamen Augen, ein tiefes Mitleid mit seinem alten Freund schwächte ihn und bald waren seine Mitstreiter weit schon in der Zielgraden.

Aber es war ein erhebender Anblick, wie die Zwei doch noch das Ziel erreichten. Auf der Bahn kam es zu keinen Verwicklungen oder Schiebung-Rufe. Schöner-Fuß hatte auf den Sieger Fantasia gesetzt und gewonnen. Ich 10 Euro auf das Duo. Am Abend saßen wir  im Garten beisammen. Selbst die Recklinghausen war gekommen. Ganz nah saß sie bei ihrem Golddachs und hin und wieder streichelte sie seine Hand.

„Dabei sein, ist für heute alles.“ Und allmählich erwachte aus diesem von der Depression gezeichneten Mann ein glitzernder Funke Lebensfreude. Wir hatten die Gartenfackeln aufgestellt, ein stimmungsvolles Bild, der Mond in seinem hellen Glanz. Vom Tischgrill schmurgelte der würzige Duft der groben Bratwürste uns entgegen. Die Holzkohle glimmte und T. Bier hielt eine geplatzte Wurst in die Höhe und rief: „Wer will noch mal? Wer hat noch nicht?“

Höfliche Tischnachbarn

Über meine Liebe zu Conzuela Schöner-Fuß behielt ich bisher schön diskret Stillschweigen. Andeutungen vielleicht, um nicht als Historiker oder anderweitig als Wissenschaftler oder Buchhalter gewürdigt zu werden, dem der Job über alles geht, Herzensangelegenheiten jedoch unübersehbar Verwirrung stiften. 

Es war der 6. Februar 2008. Conzuela hatte mir vorab Schriftliches zukommen lassen, ein Telefonat hatte sich darauf ergeben, eine Verabredung folgte. Es war der 6. Februar 2008, Treffpunkt Feldherrnhalle am Odeonsplatz, von dort ging es weiter in Richtung einer Bar nahe dem Bayrischen Hof. Der Name der Bar bleibt unser Geheimnis. Es regnete an diesem Abend und der Wind zog um Straßenecken und durch die Kleidung. Die Indianertochter strahlte und machte einen ganz aufgeräumten Eindruck. Ihre dunkelbraune Wolljacke war vielleicht nicht dick genug für dieses Wetter, aber sie trug ja noch eine passende und schicke Mütze auf dem Kopf. Ich selbst hatte mich in meinen grauen Anzug geworfen, auf die Krawatte allerdings verzichtet.

Dann der 6. Februar 2008 in einer Bar zwischen dem Bayrischen Hof und dem Polizeipräsidium. Dieser Abend gehört zu den Abenden, die ich nicht vergessen werde. Conzuela hatte einen Tisch reserviert, Rotwein, Kaffee, Brot, Oliven. Ich sprach von einem Herrn Golddachs, von einem bemannten Raumflug, von der Bewegung der Silberspitze, von der Blog & Roll Band Chief & Administrator, von den Ovationen, die mir als Bühenndarsteller zuteil wurden und vom Verblassen der öffentlichen Aufmerksamkeit.  Zu vorgerückter Stunde aßen wir dann an der Theke, weil der Tisch ab 21 Uhr wiederum vergeben war, von einem Teller gemeinsam Bratkartoffeln mit Quark.

Während dieser ganzen Zeit war ein Mann anwesend, den ich in diesem und anderen Zusammenhängen bereits erwähnte, der Münchner Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl. Um die Welt gegangen ist die Bitte meiner Schwester: „Giovanni, halt mich fest. Ich täusche Ohnmacht vor“, als uns Herr Wachtveitl im Sommer 2005 auf dem Viktualienmarkt entgegenkam. Am gestrigen Ostersamstag, ich hatte zwei Pfund Kartoffel- und Zwiebelschalen zur Biotonne gebracht, und auf dem Rückweg war, hinauf in mein Stubendasein, wer ist aus Indien zurück und steht auf der Straße und winkt mir zu? Die Indianertochter.

„Komm, wir nutzen das Wetter, du mußt raus aus deinen vier Wänden. Ich habe dir so viel zu erzählen.“

„Aber so nicht“, und wies auf meine unterschiedlichen Schuhe hin, die ich an den Füßen trug. Also flog ich schnell hoch und suchte ein passendes Paar. Tullus alpha Beta bezeichne ich insgeheim ihre Straßenrakete. Los Richtung Starnberg, entlang kurvenreicher Straßen, oh wundervoller Sonnentag. Südlich weiter bis Ambach zum Ausflugslokal Fischmeister, das dem Schauspieler Josef Bierbichler gehört. Wer sitzt in direkter Nachbarschaft zum einzig freien Tisch? Richtig, Udo Wachtveitl. Auf dem Bänkchen, wo wir letzten Sommer auch gesessen sind. Er war nicht allein, aber mit wem, wird nicht verraten. Wir sind höflich.

„Ein Zeichen vom Himmel. Kein Zufall,“ flüstere ich, „ein Zeichen vom Himmel.“

„Und was glaubst du, was das Zeichen bedeutet.“

„Das ich einen wunderbaren Tag erlebe.“

Kommen S’ herein

In einem Anflug leichter Melancholie am gestrigen Tag, war ich dann am Abend hängagäbliahm am Fernsehabendprogramm, wos zeigt ham a Mannsbild, der wo a wengerl Pipi in a Plastikbecherchen hätt’ strullen sollen. Hatter dann ein bissl verschämt lachen müssen, wie auf’m Klosett sein Pipi ned recht naus hat wollen für den Onkel Doktor. Hatter ned verstanden, weil mei, so lustig wars gradaus. Gottseidank ist der Kameramann hinter ihm gestanden, daß man ned schaugn mußte, wie er drollig lachen hat müssen, wegen Pipistrull. Hatter abgekuckt von dä Robby Williams, weil der juchzt seine sensiblen Lieder auch häufig vom Lokus, also vonne Videos aus de Nasszelle, wo er die Leute direkt zum Kauf animiert für die Welthits, die er da aussen Lokus bringt beim Schiffen. Wenn er jetzt noch egal singt vom Scheißhaus fürn Chef und fürn Kameramann und für de Fans, der Oliver Pocher, dann isser ganz Oben. Auf’n Siegertreppchen, wo se sich nimmermehr schämen brauchen, wenn’s vor lauter Freud die Bux nass machen.

Die Meistermannschaft 2009

Die Meistermannschaft 2009

Die Meistermannschaft 2009

Ablösesummen für Top-Spieler

Ablösesummen für Top-Spieler

Die Sonne scheint den ganzen Tag

Am Morgen habe ich nach dem Termin bei der Zahnärztin in Planegg noch einen Kaffee vor der Bäckerei Meier genommen. Es stehen ein paar Tische und Stühle auf der Straße, das Haferl 1,60. Darfs noch was sein, fragte die Verkäuferin. Danke. Am S-Bahnhofs-Kiosk hatte ich für eine kleine Packung Zigarillos gesorgt. Nen Haferl Kaffee und ein Zigarillo, das paßt, das reicht, das stimmt. Ich beobachtete ein paar Leute. Kaum noch ein Abwrackauto unterwegs. Ein Berber hatte sein Fahrrad an einer Ruhebank abgestellt, er nippte an einem Dosengetränk. Ich packte fünf Pfund Kartoffeln in die Satteltasche, gelbe Rüben und Zwiebeln vom Bauernmarkt. Die Sonne schien den ganzen Tag. Ich strampelte noch ein wenig beschwerlich auf dem Rad, das ich den Winter über nicht gefahren habe. Ein Streifen Glück durchfuhr mich, ich hatte ein paar Artikel geschrieben, sie hatten pekuniär was eingebracht. Es ging mir also gut. Ich kaufte ein halbes gegrilltes Hendl und aß zuhause einen Flügel und den Schenkel. Später kochte ich vier große Kartoffeln. Agriu, ich meine, Agriu heißt die Kartoffel. Aß zwei der warmen Bratzen am Mittag und eine kalt am Abend. Ich kochte Grünen Tee und dachte, daß ich etwas schreiben könnte. Etwas über Sex. Aber ich habe gehört, daß da in letzter Zeit viel drüber geschrieben wurde, also würde ich vermutlich nichts Neues beisteuern können zu diesem Thema. Auch die anderen Aufreger sind wohl durch, der FC Bayern und das voraussichtliche Ende der Klinsmann-Ära. Die Abwrackprämie und der Klimawandel. Der Benzinpreis ist grad zu Ostern wieder gestiegen. Das konnte nicht ausbleiben. Dennoch, die 50 m bis zum Bäcker mit dem SUV, das macht Sinn, das ist gut, das Schmuckkästchen. Die Autogesellschaft. Ich selbst werde wohl mit meinen Steuern die Abwrackprämie finanzieren müssen, obwohl ich nix davon habe. Weder eine alte Schrottkarre nenne ich mein Eigen, noch besitze ich die Erlaubnis, einen tiefergelegten Schlitten mit quietschenden Reifen in die Radlbäckstraße einzulenken. Meinen DVD-Player könnte ich vielleicht abwracken. So geht’s ab hier. Die dicken Kartoffeln.

Unterwegs zum Bauernmarkt

Unterwegs zum Bauernmarkt

Ein durchaus gelungener Abend

Die Einladungen hatte ich vor ein paar Tagen losgeschickt. Einen Hilfsfond für Signore Tasso Dorato ins Leben zu rufen. Denn es geht ihm insgesamt nicht einmal Solala. Meine Idee, ein Promi-Dinner. Schön schnucklig was futtern. Ich hatte fünf prominente Persönlichkeiten eingeladen. Menschen, die ein gutes Herz haben und einen weltweit berühmten Gaumen. Putzi Holladri, der gern nach dem Nachtisch noch einmal von vorn beginnt mit Süppchen an Kräuterkresse,  Rindsroulade auf Rotkohl und Speckböhnen vom Feinsten, Erdbeerquark mit frischer Zitronenmelisse. Das schmeckt ihm gerne. Ich weiß, daß er auch selbstgemachte grobe Leberwurst mag. Ich hatte welche gekauft, Metzgrei Frank, dazu Spreewälder Gewürzgürkchen. Er kennt zudem ein paar Leute mit echt fetter Knete, daß wir Golddachs aus der Misere holen.

Ernie von den Maiglöckchen, sie hatte ich eingeladen, weil sie recht geschickt ist, was Aufräumarbeiten angeht. Sie hätte anschließend meine Küche renovieren können, sie und ihr Team nach dem Event. Für sie hatte ich als Hauptgericht Nudeln an Parmesan vorgesehen und frische Basilikumblätter. Ein Eis einer berühmten Marke, Stracciatella und heiße Kirschen. Ernie von den Maiglöckchen hätte ich gern begrüßt zu meinem Promi-Dinner.

Dann wollte ich diesen Koch aus der Küchenschlacht dabei haben. Ein Experte muß ja sein, daß dieses Projekt halbwegs seriös und ernsthaft über die Bühne geht. Und nicht einfach nur als eine Spendenaktion „Ein Herz für Golddachs“. Zwar hat mir der Koch nicht wirklich zugesagt, sympathiemäßig, weil er in einer seiner Shows einen Mangel an Senf an einem panierten Kottlett zu schmecken glaubte zu erkennen. Ich würde ihn einfach nur ein wenig ärgern, und damit natürlich für eine gewisse Spannung sorgen, weil ich ausschließlich Salz und Pfeffer hernehmen würde für mein Kottlett natür. Salz vom Italiener, Pfeffer vom Viktualienmarkt, dazu Spreewälder Senfgürkchen in einer Dill-Marinade.

Auch der Arbeiterdichter T. Bier war eingeladen, für ihn hatte ich einen kalten Essig-Öl-Kartoffelsalat  mit warmen hausgeschlachteten Wienerwürstl aus von mir kontrollierter Tierhaltung vorgesehen. Dazu ein Tube Löwensenf. Warmer Apfelkompott handgemacht mit Vanilleeis.

Zuletzt noch Franz Beckenbauer. Einen kräftigen Eintopf hätt’s gegeben. Bohnen, Kartoffeln und Rindfleisch. Als Nachtisch einen astreinen Kaffee aus der Stabkanne, mit aufgeschäumter Milch und Rohrzucker.  Franz Beckenbauer, ja, irgendwie wär’s schön gewesen. Er konnte leider nicht und T. Bier ist immer noch in Italien.

Maestro-EspressomaschineGekommen ist gestern abend Walter Freund. Irgendwoher hat er was spitzgekriegt. Er ließ für Golddachs einen Hunni da und hinterließ mir seine alte Espresso-Maschine, eine Maestro. Ziemlich nett von ihm. Es gab natürlich nach den Spiegeleiern und den Leberwurstbroten mit Spreewälder Dillgürkchen einen Mount Hagen Espresso. Wir haben noch lange auf dem Balkon gesessen und  über die Rückkehr von Chief & Administrator gesprochen. Ja, auch unsere Streitigkeiten haben wir beigelegt. Angesichts der Not, in der sich ja viele heutzutage befinden: vor abgeräumten Konten, verschlossenen Türen, dem falschen Geschlechtspartner, Übergewicht und einem Berg schmutziger Wäsche.

Fernandel – Les gens riaient

Nächste Seite »