Archiv für Mai 2009

Aus alter Zeit

Münchenblogger fragt nach und ich antworte. Ich war mir sicher, das eine an der Rottenbucher-/Ecke Lochhamer Str. steht, allerdings ohne Endgerät. 

Antike Telefonzelle ohne Endgerät

Antike Telefonzelle ohne Endgerät

Auf dem Heimweg betrete ich die Telefonzelle, zücke mein Siemens Mobilteil, das zeitlose und doch auch längst unzeitgemäße S 35 und gebe bekannt: “Ich bin in fünf Minuten zuhause.“

Bauer Golddachs

Bauer Golddachs war aufgrund bekannter mißlicher Umstände kurzfristig out of control.  Mit der Zucht gesunder und vitaminreicher Früchte läutet er ein neues, goldenes Zeitalter ein. Mit einem Kleinfahrzeug klappert er Haus um Haus ab. Auf der Ladefläche seines Vehikels eine Musterpflanze, daß der Kunden sich ein Bild seines Angebots machen kann: Penisfrüchte ala Bio-Carte und in sehr vorzüglicher Qualität.

Bauer Golddachs unterwegs

Vitaminreich und frisch vom Bauern

Lang nicht gesehen

Ich habe Herrn Maus noch nie erwähnt. Ich bin deshalb auf Herrn Maus nicht zu sprechen gekommen, weil ich ihn seit Urzeiten nicht mehr gesehen hatte. Gestern traf ich ihn am Pasinger Bahnhof. Vor Jahren hatte wir gemeinsam für eine Firma gearbeitet. Ein zarter und stiller Geselle, mit flinken und lustigen Augen. Er sei vor zwei Jahren entlassen worden. Habe dann dies und das gemacht. Dann kam es zur Trennung von der Lebensgefährtin. Das war schwer zu verkraften, sagte er. Hier und dort, erklärte er, arbeite er, mal Zeitung austragen, mal einen Hausflur putzen, mal den Müll wegschaffen, Leergut aufsammeln. Ich sagte ihm, ich könne einen Mann wie ihn gebrauchen. Denn er ist und war immer schon ein Raketenmann.

Raketenmann Maus

Herr Maus bei der Arbeit

Der neue Nachbar

NachbarWegen des neuen Nachbarn hat die Familie Merlo dieses Jahr ihren Besuch abgesagt. Da spielt es keine Rolle, daß ich drei Tomatenpflanzen vom Bauernhof Rötzer in den Balkonkasten gesetzt habe.  Auch Pfefferminze, Peterle und Oregano für die Tomatensoße. Ein Spaghetttibäumchen und einen Balkonbusch Hackfleischbällchen. Der Nachbar heißt übrigens Herr Mikesch.

Er raucht ganz gern ein Zigarillo und spricht viel über seine Zeit als Jäger. Er hockt den ganzen Tag auf dem Balkon und raucht mit Unterbrechungen Zigarillos. Wenn er unterbricht, dann gähnt er.

In der Klemme

So ein kleinwenig in der Klemme zu stecken, ist manchmal garnicht so schlecht. Wenn man denn gerade rudert wie Weltmeister, dann steckt man einfach drin, verflucht das ganze Erdendasein und sieht zu, daß man mit ein paar Schürfwunden herauskommt und nicht knockout, alle Viere von sich, im Ring liegen bleibt. Mich hätt’s fast erwischt, total.k.o., in ich weiß nicht welcher Runde.

Es begann harmlos. Ich war zu einer Promi-Party eingeladen. Wie ich auf die Liste gekommen bin, keine Ahnung. Buffett vom Feinsten, Preisverleihung für die Besten der Besten, Himmel, klar, einmal über den roten Teppich, ich, im grauen Anzug mit Schlips und Krawatte. Es waren, überraschend war das nicht, alle da, die man so kennen sollte, Schauspielerinnen und Schauspieler, Comedians, ein paar Leute vom Fernsehen und den Tageszeitungen, Sportler und natürlich ne Menge Party-Girls und Models. Ich hatte gerade ein Lachsbrötchen mit Meerrettich und ein paar Erdnüsse verputzt und war damit beschäftigt, mir die Reste aus den Zahnlücken zu zutzeln, als wer auftaucht?

Kein geringerer als Walter Freund. Freudestrahlend und in bester Geberlaune, eine mir bis dahin völlig unbekannte Blondine im Arm. Ich war im ersten Moment ein wenig erschrocken, weil man bei Walter nie so genau weiß.

„Giovanni“, und das in einer Lautstärke, als sei er allein auf der Welt, „Giovanni, altes Haus. Raketenmann. Darf ich Dir meine Begleiterin vorstellen? Dany.“

Er küßte ihr die Hand.

„Dany. Giovanni. Ja, Mensch, dich hab ich ja nun mal garnicht auf dem Programm gehabt. Gut schaust aus. Was macht die Liebe? Alles im grünen Bereich? Heu eingefahren?“

Gott, er war bester Stimmung. Seine blonde Schönheit mit etwas viel MakeUp, zu stark betonten Volllippen, aber dennoch auch spürbar zurückhaltend.

„Ja, Dany will Model werden“, und küßte ihr wieder die Hand und faßte sie dann um die Taille und drückte sie an sich. „Nich’, Dany, das habe ich schon arrangiert für dich? Nächste Woche geht’s nach Los Angeles, zum Fottoshooting. Sie ist schon ganz aufgeregt. Aber ich habe ihr gesagt, das müsse sie nicht sein. Dany, Giovanni ist Fotograf, einer der Besten. Er schreibt Raketengeschichten, macht ganz tolle Bilder. Sach mal, Giovanni, du könntest doch bei dir zuhause schon mal vorab so eine Fottosession mit der Dany machen. Das sie was Erfahrung sammelt und ihre Scheu verliert. Was meinst du, Dany?“

Bevor Dany antworten konnte, ging ich dazwischen und winkte ab mit dem Hinweis, das ich lediglich mit Tieren arbeite und Stillleben vielleicht.

„Hör auf, Giovanni, ich hab die Fottos mit den Frauenbeinen gesehen. Die sind aufregend. Du kannst uns den Gefallen ruhig tun. Wir sehen uns nächste Tage, nich, Dany?“

Ich würde diesen Vorfall nicht erwähnen, wenn nicht zwei Tage später Walter mit seiner Dany vor meiner Türe gestanden wäre. Ich lief mittags noch im Morgenmantel herum und den Filzpantoffeln an den nackten Füssen.

„Giovanni, hier sind wir. Dany, komm herein.“

„Walter, was ist jetzt los hier? Ich versteh nicht.“

„Hörzu, die Dany will Model werden. Nächste Woche, das hab ich hingebogen, geht’s nach San Franzisko, zum Fottotermin. Du kannst da was für sie und mich tun, indem du sie einstimmst.“

„Walter!“

„Giovanni, hauptsächlich geht’s um ihre Brüste, verstehst du? Schau,“ und machte eine Andeutung mit seinen Händen, „es geht um ihren Busen. Giovanni, ich hab sie da entdeckt, sie war Bedienung im Cafe Pretter. Sie ist mir da sofort aufgefallen. Giovanni, weißt du, einen solchen Busen hat die Welt noch nicht gesehen. Hier in Deutschland bist du verratzt, sie will in die Hochglanzmagazine, ihren Körper zeigen und ein wenig über ihr Leben reden und welche Philosophie hinter allem steckt. Das ist doch ganz einfach, in Amerika läuft das doch nicht anders. Daß Dany, ja, weiß, was auf sie zukommt. Komm, Dany, mach dich mal frei, daß Giovanni mal einen Eindruck bekommt, das werden gute Fottos.“

„Dany“, rief ich entsetzt, „das ist jetzt nicht der richtige Moment. Sie sehen selbst, in welcher Aufmachung ich hier unterwegs bin. Das geht nicht. Walter, mach das Mädchen nicht verrückt.“

„Dany, komm, mach dein Haar zurecht, dann kannst du auf Giovannis Bett ein bißchen posieren. Lass mal, Giovanni, du machst das schon, so Bilder hat die Welt noch nicht gesehen.“

Ich bin dann ziemlich laut geworden, weil der Walter auch anfing den wilden Mann zu markieren. Das hat mir dann Ärger mit der Nachbarschaft eingebracht. Ich vermute, sie glauben, ich würde hier leichten Mädchen Tür und Tor öffnen, den Hausfrieden gefährden. So Sachen kann man ja nicht einfach aufklären. Das glaubt einem ja keiner. Ich war dann ein paar Tage bei meinem Freund Golddachs. Im Fernsehen hab ich die Dany dann gesehen, wie sie ganz entrückt durch San Franzisko gelaufen ist. So ein paar Medienleuten von der Promi-Party hatte sie im Schlepptau. Da hat sie geflucht im Fernsehen, weil die ihr die Frisur versaut hatten, und da ging ihrer Ansicht nach dann auch nix. Von Walter hat sie sich hoffentlich getrennt. Der Kerl ist nicht zu retten.

Snoopy Come Home

An Charles M. Schulz sei erinnert

Auf in den 1. Mai

Selbstverständlich haben wir unseren Hausdichter T. Bier zum 1. Mai darum gebeten, ein paar Worte zu verfassen. Denn dieser Tag ist ja nicht nur ein kämpferischer, auch ein stimmungsvoller und mitunter freudiger. Dichtete noch Achim von Arnim O süßer Mai, der Strom ist frei, ich steh verschlossen, mein Aug verdrossen…; da konterte Heinrich Heine:

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.

Robert Schumann hat’s dann vertont. Ich komme also zu spät. Doch hoffe ich, daß meine Indianertochter mir das nachsieht. T. Bier soll dann heute auch noch ein Mai-Gedicht schreiben. Das paßt dann. Überraschend erhielt ich heute eine Einladung in den Hanika-Kreis. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich bin jetzt der Youngster und gegen die versierten Hanikaristen noch ein unbeschriebenes Blatt, aber um mit Goethes Torquato Tasso zu antworten: „Es bildet sich ein Talent in der Stille, sich ein Charakter in dem Strom der Welt.“

Und deswegen bin heute auch zuhause geblieben. In Riem liefen zwar die Galopper, am Münchner Rathaus war natürlich auch der Bär los, Politik usw., Wirtschaftskrise usw., und mit höchsten Zweifeln vielleicht, kann man das, was gerade in dieser Richtung abgeht, als Chance begreifen. Doch auch dies wieder als Floskel  hin- und runtergebetet; denn solange im Fernsehen noch zur besten Mittagsstunde bronchialkranke und  hustende Wahrsagerrinnen liebeskummergebeutelten Damen deren Schicksal aus den Karten lesen, ein ziegenbärtiger Jungmann die Glaskugel befragt, barbusige Lillys dem Anrufer 150 Euro versprechen, wenn sie denn eine Automarke wüßten, wo drin ein A vorkommen tut, das, Mann und Frau in Studiobetten verträumt die neue Kollektion der von beiden Seiten benutzbaren Microfaserbettwäsche anpreisen; solange das alles so weitergeht, bzw. die hochwertige Schmuckkollektion von LOLA MISOURI gleich schon ausverkauft ist; solange die besten Hollywood-Filme dann ausgestrahlt werden, wenn ich müde und matt darniederliege, so ahnungslos will ich nicht tun und so naiv mein ganzer Lebensentwurf auch anmutet, aber solange geh ich nirgendwo hin. Außer innen Wald.