So ein kleinwenig in der Klemme zu stecken, ist manchmal garnicht so schlecht. Wenn man denn gerade rudert wie Weltmeister, dann steckt man einfach drin, verflucht das ganze Erdendasein und sieht zu, daß man mit ein paar Schürfwunden herauskommt und nicht knockout, alle Viere von sich, im Ring liegen bleibt. Mich hätt’s fast erwischt, total.k.o., in ich weiß nicht welcher Runde.
Es begann harmlos. Ich war zu einer Promi-Party eingeladen. Wie ich auf die Liste gekommen bin, keine Ahnung. Buffett vom Feinsten, Preisverleihung für die Besten der Besten, Himmel, klar, einmal über den roten Teppich, ich, im grauen Anzug mit Schlips und Krawatte. Es waren, überraschend war das nicht, alle da, die man so kennen sollte, Schauspielerinnen und Schauspieler, Comedians, ein paar Leute vom Fernsehen und den Tageszeitungen, Sportler und natürlich ne Menge Party-Girls und Models. Ich hatte gerade ein Lachsbrötchen mit Meerrettich und ein paar Erdnüsse verputzt und war damit beschäftigt, mir die Reste aus den Zahnlücken zu zutzeln, als wer auftaucht?
Kein geringerer als Walter Freund. Freudestrahlend und in bester Geberlaune, eine mir bis dahin völlig unbekannte Blondine im Arm. Ich war im ersten Moment ein wenig erschrocken, weil man bei Walter nie so genau weiß.
„Giovanni“, und das in einer Lautstärke, als sei er allein auf der Welt, „Giovanni, altes Haus. Raketenmann. Darf ich Dir meine Begleiterin vorstellen? Dany.“
Er küßte ihr die Hand.
„Dany. Giovanni. Ja, Mensch, dich hab ich ja nun mal garnicht auf dem Programm gehabt. Gut schaust aus. Was macht die Liebe? Alles im grünen Bereich? Heu eingefahren?“
Gott, er war bester Stimmung. Seine blonde Schönheit mit etwas viel MakeUp, zu stark betonten Volllippen, aber dennoch auch spürbar zurückhaltend.
„Ja, Dany will Model werden“, und küßte ihr wieder die Hand und faßte sie dann um die Taille und drückte sie an sich. „Nich’, Dany, das habe ich schon arrangiert für dich? Nächste Woche geht’s nach Los Angeles, zum Fottoshooting. Sie ist schon ganz aufgeregt. Aber ich habe ihr gesagt, das müsse sie nicht sein. Dany, Giovanni ist Fotograf, einer der Besten. Er schreibt Raketengeschichten, macht ganz tolle Bilder. Sach mal, Giovanni, du könntest doch bei dir zuhause schon mal vorab so eine Fottosession mit der Dany machen. Das sie was Erfahrung sammelt und ihre Scheu verliert. Was meinst du, Dany?“
Bevor Dany antworten konnte, ging ich dazwischen und winkte ab mit dem Hinweis, das ich lediglich mit Tieren arbeite und Stillleben vielleicht.
„Hör auf, Giovanni, ich hab die Fottos mit den Frauenbeinen gesehen. Die sind aufregend. Du kannst uns den Gefallen ruhig tun. Wir sehen uns nächste Tage, nich, Dany?“
Ich würde diesen Vorfall nicht erwähnen, wenn nicht zwei Tage später Walter mit seiner Dany vor meiner Türe gestanden wäre. Ich lief mittags noch im Morgenmantel herum und den Filzpantoffeln an den nackten Füssen.
„Giovanni, hier sind wir. Dany, komm herein.“
„Walter, was ist jetzt los hier? Ich versteh nicht.“
„Hörzu, die Dany will Model werden. Nächste Woche, das hab ich hingebogen, geht’s nach San Franzisko, zum Fottotermin. Du kannst da was für sie und mich tun, indem du sie einstimmst.“
„Walter!“
„Giovanni, hauptsächlich geht’s um ihre Brüste, verstehst du? Schau,“ und machte eine Andeutung mit seinen Händen, „es geht um ihren Busen. Giovanni, ich hab sie da entdeckt, sie war Bedienung im Cafe Pretter. Sie ist mir da sofort aufgefallen. Giovanni, weißt du, einen solchen Busen hat die Welt noch nicht gesehen. Hier in Deutschland bist du verratzt, sie will in die Hochglanzmagazine, ihren Körper zeigen und ein wenig über ihr Leben reden und welche Philosophie hinter allem steckt. Das ist doch ganz einfach, in Amerika läuft das doch nicht anders. Daß Dany, ja, weiß, was auf sie zukommt. Komm, Dany, mach dich mal frei, daß Giovanni mal einen Eindruck bekommt, das werden gute Fottos.“
„Dany“, rief ich entsetzt, „das ist jetzt nicht der richtige Moment. Sie sehen selbst, in welcher Aufmachung ich hier unterwegs bin. Das geht nicht. Walter, mach das Mädchen nicht verrückt.“
„Dany, komm, mach dein Haar zurecht, dann kannst du auf Giovannis Bett ein bißchen posieren. Lass mal, Giovanni, du machst das schon, so Bilder hat die Welt noch nicht gesehen.“
Ich bin dann ziemlich laut geworden, weil der Walter auch anfing den wilden Mann zu markieren. Das hat mir dann Ärger mit der Nachbarschaft eingebracht. Ich vermute, sie glauben, ich würde hier leichten Mädchen Tür und Tor öffnen, den Hausfrieden gefährden. So Sachen kann man ja nicht einfach aufklären. Das glaubt einem ja keiner. Ich war dann ein paar Tage bei meinem Freund Golddachs. Im Fernsehen hab ich die Dany dann gesehen, wie sie ganz entrückt durch San Franzisko gelaufen ist. So ein paar Medienleuten von der Promi-Party hatte sie im Schlepptau. Da hat sie geflucht im Fernsehen, weil die ihr die Frisur versaut hatten, und da ging ihrer Ansicht nach dann auch nix. Von Walter hat sie sich hoffentlich getrennt. Der Kerl ist nicht zu retten.
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