Zitat aus Baby your Blues:
„Der atmosphärisch dichteste Ort auf dem Viktualienmarkt in München ist das Kaffeebüdchen der Familie Karnoll. Wo bekommt man heutzutage noch ein Tasse Kaffee für 50 Cent? Bitte! Ein Haferl – ein Euro. Bitte! Ringsherum die Markthändler. Der Gärtner Flexeder steckt immer nen Möhrchen noch zusätzlich in die Baumwolltasche. Oder eine Apfelsine.
…
Dann wieder kürzlich, Apfelkuchen auf dem Teller und ein Haferl vor mir, wer nimmt Platz am Nebentisch? Der großartige Schauspieler Jörg Hube, derzeit zu sehen im TamS-Theater in Schwabing. Keine zehn Pferde hätten mich aufgehalten, also hin: “Untertagblues” von Peter Handke. Er ist ein ganz Großer.
‘Sie sind’s doch, Jörg Hube, aus der Serie ‘Löwengrube’.’
‘Im weistesten Sinne schon’, antwortet er.
Das war bei Karnoll. Im Theater kam ich auf unsere Begegnung auf dem Viktualienmarkt zu sprechen. Er hat sich sofort erinnert. Unglaublich, 1 Stunde und 50 Minuten gibt er Gas auf der Bühne. Wahnsinn. Sechs Wochen hat er Tag und Nacht am Text gearbeitet. Er habe kaum geschlafen. Frau Spola, die langjährige Leiterin des TamS-Theaters, was macht sie? Sie kommt mit einer Schüssel Wurstsalat, einem ordentlichen Rettich und Brezn. Die Wenigen, die nach der Aufführung im Foyer beieinander standen, durften zuschlagen. Hube hatte natürlich richtig Kohldampf.
In der Auffführung saß auch Ralf Wolter, der berühmte Sam Hawkins aus den Winnetou-Filmen.“
Jörg Hube ist tot. Und das er nicht mehr ist, ist ein großer Verlust. Damals war das im Tams-Theater, ich war nach seiner Vorstellung ganz hingerissen. Und nachher, im Foyer des Tamstheaters, im kleinen Kreis, da habe ich ein paar Worte mit ihm gewechselt. Is ja immer so eine Sache, aber ich wagte Herrn Hube anzusprechen, um ihm zu sagen, wie sehr mir der Abend gefallen hat. Denn wie er auf der Bühne agiert und gesprochen hat, das war so beeindruckend, das man ganz still und demütig wird vor so einem großen Mann. Gestern abend, als ich vom Sprechunterricht zur Tür hereinkam und den Fernseher einschaltete, im ARD ich ihn dann im Tatort sah, hintenan im Teletext lesen mußte, daß Jörg Hube verstorben ist, da will man das gar nicht glauben. Das kann doch gar nicht sein -.
Adieu, Jörg Hube, Adieu. Ich danke Ihnen.





Neueste Kommentare