Archiv für April 2010

Ein Mann aus Schrot und Korn

Ein Mann aus Schrot und Korn. Ein gelassener und ernsthafter Mann, so habe ich Johnny Nederland in Erinnerung, den sie im Ruhrgebiet aufgrund von Artikulationsschwierigkeiten alle nur Jonny rufen. Mit Jonny Nederland über Musik zu sprechen, welche umfassenden Kennisse er besitzt, auch was die Gitarre angeht, das ist einfach famos.

Aber von Anfang an. Wir sind vor Tagen also im Tiefflug Richtung Styrum, das ganze Land unter der isländischen Vulkanasche begraben. Mit ungeheurer Neugier untersuchte er mit Schöner-Fuß den Schadensfall in unserer Bordkombüse. Die Meinung des Aluminiumgießereifacharbeiters stimmt überein mit der in allen Haushaltsangelegenheiten versierten Conzuela Schöner-Fuß. Da ich unterschiedliche Komponenten verschiedener Espressokannenfabrikate zusammengeschraubt hatte, dies, in Kombination mit gefährlichen Faulgasen, war, augenzwinkernd, Ursache des Unglücks.

Ich muß zu meiner Verblüffung gestehen, Jonny Nederland, ein Mann aus Schrot und Korn, geriet ins Wanken und schlug mit der Stirn gegen den Türpfosten und blieb stumm und benommen liegen, als ihm Schöner-Fuß zur Begrüßung gegenübertrat, die ein extraspeziell betörendes Eau de Toilette aufgetragen hatte, das umwerfend erotisch, aufgrund  eleganter Beimischung von Weihrauch und Myrrhe, jedem Mann wenig zu Denken gibt, sondern ihn zum Handeln zwingt, ja , durchaus nötigt, und sei es, daß er mit dem Türstock Bekanntschaft schließt. In den folgenden Tagen war unser Styrumer Gast reichlich sinnverloren, kündigte die turtelnd-turbulente Schwarzwälderin auch für mich überraschend ab sofort tägliche Besuche an.

Mit der Tullus alpha 11 unternahmen wir kleinere Betriebsausflüge zum Beispiel auch in die von Jonny Nederland beschriebene Eppenhauser Straße, die hoch Richtung Santorini Grill zu einer Portion Pommes frites. Wir sprachen viel über Musik, dann zeigte er mir was und pfiff und ich summte fast schüchtern ein paar Noten mit.

Auf nach Styrum

Johnny Nederland, ehemaliger Gießereiarbeiter für Aluminiumdruckguß, kündigt sein Kommen an.

Die Detonation und ein großes Wunder

Heute morgen passierte es. In aller Herrgottsfrühe. Schöner-Fuß rief an, sie komme später und ob ich mir nicht selbst einen Kaffee aufbrühen könne?

“Sicher”, antwortete ich, “das wird kein Problem.”

Auf nackten Füßen stehend mahlte ich die frischen Kaffeebohnen, bereitete die Espressokaffeekanne entsprechend vor, wie ich es schon öfter gesehen hatte. Mein Zustand am Morgen vor Acht  ist zumeist riskant. Wegen einer zutreffenden Nebenwirkung durch die Einnahme eines Medikamentes am Abend, habe ich neuerdings Ärger mit den Klimaschützern. Ich würde das Luftreinhalteabkommen nicht einhalten und weitflächig zur Verpestung der Umwelt beitragen mit meinem trockenen Husten. Ich brummel, geschissen drauf: Kopenhagen, Lissabon, Tokio – wenn alle Luft ablassen, dann will ich das auch.

Ich entzündete eine Gasflamme auf dem Herd, stellte das Kännchen auf das Gitter und pupste vom Balkon. Ich begab mich noch einmal ins Bett, legte mein Neugeborenes auf die Brust und ließ unvermittelt einen Fahren. Ich hörte den Kaffee noch oben ins Kännchen blubbern, als es plötzlich eine Explosion tat. Das Neugeborene begann zu schreien vor lauter Schreck, ich stürmte in die Küche und sah das Malheur: die Espressokanne war in ihre fünf Einzelteile explodiert. Die Küche bis unter die Decke mit Kaffeesud eingefärbt. Ich und kein Problem, sicher.

Die Küchendecke um 7.45 Uhr

Der Herd um 7.45 Uhr

Ein kleines Wunder

Ich setze bedächtig einen Fuß vor den anderen. Die Weltuhr ist für mich also doch nicht abgelaufen. Manchmal stützt mich Schöner-Fuß bei Spaziergängen zwischen acht und zehn Minuten. Und wenn ich allein unterwegs bin, setze ich mich zum Luftschnappen auf eine Sitzgelegenheit z.B. an einer Bushaltestelle. Tasso Dorato, mein alter lieber treuer Freund Golddachs und seine Frau Karin Recklinghausen wohnen in direkter Nachbarschaft. Sie kommen täglich, öffnen mir eine Tube Tomatenmark oder ziehen die Jalousien hoch, begleiten mich auf dem Weg zum Arzt und überwachen Aktiva und Passiva. Meine vielen Reisen hinterließen ein einzigartiges Manko. Nun erwartet die Regierung von mir, daß ich einen kleinen Beitrag leiste für den Rettungsschirm, unter dem ich mich befinde, daß mir so ein Ding nicht noch einmal passiert. Daß mir bald wieder die Sonne scheint. Davon gehe ich aus.

Denn bereits in der letzten Nacht träumte ich, daß ich etwas Kleines geboren habe, ein winziges Etwas, das ich mit einer Hand umschließen konnte. Ich säuberte diesen Winzling behutsam und als ich ihn mit schützender Kleidung versehen wollte, hatte sich das zarte Geschöpf schon wieder eingesaut. Ich werde das alles noch überdenken müssen. Das Leben ist rätselhaft, darauf bin ich schon gekommen.

Miss Hanika und Mister Notebag



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