Archiv der Kategorie 'Gräfelfing'

Im Salon Louis Fox

„Wie wäre es mit einem neuen Haarschnitt und einmal Fellpflege für sie, Herr Maus?“

Das waren die Worte, Olaf, die Giovanni am frühen Morgen des 4.9. an mich richtete. Leicht herbstlicher Wind, mild die Schleierwolken. Ohne Anmeldung erschienen wir im Frisiersalon von Louis Fox, dem Meister aller Klassen. Hier also hat Giovanni einmal neben dem verstorbenen Opernsänger Hermann Prey gesessen.

„Ich hoffe, daß eines Tages Paolo Conte in den Salon von Louis Fox kommen wird.“

„Bitte nehmen Sie Platz.“

Mein Fell war bereits ein wenig verfilzt, absichtlich, die Rasta-Maus mit Dreadlocks. Giovanni hatte es sich bequem gemacht, Corinna ihm die Halskrause verpaßt, die Schürze übergeworfen. Jetzt lag er halb, halb saß er ruhigen Gewissens. Ich hatte meinen Klappstuhl speditiert. Es war früh am Morgen.

Auf der ersten Seite des Gräfelfinger Morgenboten stand zu lesen, daß Walter Freund und seine Cheyenne es gepackt haben.

„Giovanni, hören sie, seit zwei Monaten ist das Paar zusammen und sie bereits im dritten schwanger, wie geht denn das?“

„Herr Maus, was wissen wir. Lesen sie weiter.“

Aus dem Artikel war zu erfahren, daß der Sexualverkehr mit der Cheyenne bereits während des losen und, ja,  haltlosen Bratkartoffelverhältnisses mit der Dany stattgefunden habe. Ausführlich hat Walter zu allem Stellung genommen, wie er immer wieder während des Beischlafs einen Moment habe überlegen müssen, um nicht ihre Namen zu verwechseln. Letztlich wurde die Cheyenne eben schwanger,  vermutlich ein Racheakt an den Commodore, der die Verlobung mit der Cheyenne aus ungewissen Gründen gelöst hatte. Doch ist der Commodore aktuell mit der Dany zusammen, und auch da hat’s im Karton gerappelt.

„Heutzutage, Herr Maus, es muß alles Hopplahopp gehen. Zeit zum Überlegen braucht’s nicht mehr. Ich sage ihnen was, Herr Maus, als Schorschi seinerzeit im Weißen Haus war, Dog Bo auf seine Aufgabe vorzubereiten, da hat er darauf hingewiesen, daß mit der Fürsorge zu einem Tier die Wählbarkeit eines Politikers entscheidend beeinflußt wird. Und was staunen wir nicht schlecht, daß Bodo Ramelow von den Linken einen solchen Erfolg feiert. Und nicht nur die unbefriedigenden politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, denn sicher auch sein Begleiter Atilla haben diesen Stimmungswechsel herbeigeführt.“

„Möglich, Giovanni.“

Von der Kassenkraft am Eingang der Frisersalons war ein: „Guten Morgen, Herr Dr. Freund,“ zu hören, „bitte.“

Als Giovanni die Augen aufschlug, um seinen neuen Nachbarn kurz zu begrüßen, war die Überraschung in seinem Gesicht nicht zu übersehen.

„Imp, mal wieder zum Entlausen. Corinna, verpassen sie dem Herrn hier zu meiner rechten eine Dauerwelle.“

„Walter“, und die Begrüßung an seinen Kritiker fiel überaus freundlich und wohlwollend aus. „Was macht die Kunst?“

„Alles in Butter, mein Lieber. Mein Heu ist eingefahren. Und du?“

„Herr Dr. Freund, wie darf’s denn heute sein? Wie Immer?“

„Rosi, Schnitt wie immer, aber heute mal mit ein paar blonden Strähnchen.“

„Walter, seit wann denn Doktor. Wie kommst du an den Doktortitel. Dr. phil. ?

„Imp, Dr. oec.“

Und er schnipste mit den Fingern Pinke-Pinke.

„Und sonst, Herr Doktor?“

„Wie soll’s anders sein, alles in trockenen Tüchern.“

Gräfelfinger Sonne

Reiche Ernte

Allen ein herzliches Dankeschön

Die Türsteherin von der Promiparty

Die ganze Geschichte hat mir Schorschi gesteckt. Der wieder hat die Details von der Türsteherin. Vielleicht ein Unding, vielleicht. Jedensfalls, Walter Freund hat wieder Aufsehen erregt.  Auf dieser Veranstaltung, es gab Rindsleber in feine Streifen geschnitten, Pasta Pista, Proccoli, Prosecco und Pomodore. Und die Türsteherin hat es Schorschi gesagt, der mit Mademoiselle Ninett ebenfalls zu dieser Promiparty eingeladen war: geröstete Pistazien, Perlmutaustern, Parmaschinken und Parapsychologie.

„Hörmal, ich hab seit 2 Stunden nix mehr richtiges gegessen. Und jetzt warte ich eine geschlagene Stunden hier auf meine Frau. Ja, Sack, wo bleibt sie denn? Watt kann jetzt da schon wieder groß los sein? Nix. Für’n männlichen Verstand, nix wahrscheinlich.“

Walter stand alle fünf Minuten wieder am Eingang.

„Chayenne. Verdammt noch mal. Hier sitzen sie alle zusammen. Datt Beste is schon weg. Und wo ist mein’ Chayenne? – Genau!“

Fünf Minuten später, der Papayalikör war schon weg, der Commodore in bester Stimmung, rief Walter der Türsteherin Frau Bruno ins empfindliche Ohr:

„Ich krieg die Tollwut. Wo schleicht das Weib wieder umeinander. Ich will später noch zum Kartenspiel.“

Da war bereits seit einer  Dreiviertelstunde die Party in vollem Gange, das Buffet schon geräubert, die ersten Bäuerchen gemacht, das Perlhuhn längst nur noch Gerippe.

„Panhas am Schwenkmast! Und noch einmal, wahrscheinlich mit ihren Schwestern beim Shopping.“

Die Dany, die hat ja auf die zukünftige Begleitung von Freund Walter, nach dem Fauxpaus in Giovannis Hütte, vorsichtshalber mal Nein gesagt. Seine neue Flamme ist in der Szenen als Cheyenne kein unbeschriebens Blatt. Vormals in Begleitung des bereits erwähnten Commodore, davor mit Heribert Frantizcek, dem österreichischen Bühnenschauspieler und eine zeitlang in Liason mit dem Schriftsteller Peter Pummel, was Schlagzeilen brachte. Walter ist ja dennoch ein ganz anderes Kaliber. So Schreckgestalten, die tagsüber und nächtens Wort für Wort, Satz für Satz, Kapitel um Kapitel in ihren Personalcomputer tippen:

„Oh Gott, das blutarme Volk.“

Oder die in dramatischen Theaterstücken den Verlogenen spielen. “Geh weg!“

Walter Freund verhökert eloquent im Shoppingfernseh Staubsauger, Espresso-Maschinen, Dampfstrahlerbürsten und Digitalkameras, verteilt Handküsse, Reinigungsmittel und Handwaschpaste, ganz galant. Der Rubel rollt, er kann die Korken knallen lassen. Und immer steht er jeden Tag auf den Beinen.

„Seit einer Stunde warte ich auf dich. Is’ Madame wieder auf’n Trip, oder was? Seit drei Stunden habe ich nichts im Magen, und seit einer nur noch Wut.“

Frau Bruno, die den Einlaß überwachte, die war dann doch ganz traurig über das menschliche Durcheinander. Der Schorschi hat mir das alles erzählt, weil er der Schwager ist von der Bruno. Übrigens ein ganz reizende Dame.“

Ihr Herr Maus

Türsteher Herr Bruno

"Guten Abend, meine Herrschaften."

Untertagblues – Jörg Hube

Zitat aus Baby your Blues:

„Der atmosphärisch dichteste Ort auf dem Viktualienmarkt in München ist das Kaffeebüdchen der Familie Karnoll. Wo bekommt man heutzutage noch ein Tasse Kaffee für 50 Cent? Bitte! Ein Haferl – ein Euro. Bitte! Ringsherum die Markthändler. Der Gärtner Flexeder steckt immer nen Möhrchen noch zusätzlich in die Baumwolltasche. Oder eine Apfelsine.

Dann wieder kürzlich, Apfelkuchen auf dem Teller und ein Haferl vor mir, wer nimmt Platz am Nebentisch? Der großartige  Schauspieler Jörg Hube, derzeit zu sehen im TamS-Theater in Schwabing. Keine zehn Pferde hätten mich aufgehalten, also hin: “Untertagblues” von Peter Handke. Er ist ein ganz Großer.

‘Sie sind’s doch, Jörg Hube, aus der Serie ‘Löwengrube’.’

‘Im weistesten Sinne schon’, antwortet er.

Das war bei Karnoll. Im Theater kam ich auf unsere Begegnung auf dem Viktualienmarkt zu sprechen. Er hat sich sofort erinnert. Unglaublich,  1 Stunde und 50 Minuten gibt er Gas auf der Bühne. Wahnsinn. Sechs Wochen hat er Tag und Nacht am Text gearbeitet. Er habe kaum geschlafen. Frau Spola, die langjährige Leiterin des TamS-Theaters, was macht sie? Sie kommt mit einer Schüssel Wurstsalat, einem ordentlichen Rettich und Brezn. Die Wenigen, die nach der Aufführung im Foyer beieinander standen, durften zuschlagen. Hube hatte natürlich richtig Kohldampf.

In der Auffführung saß auch Ralf Wolter, der berühmte Sam Hawkins aus den Winnetou-Filmen.“

Jörg Hube ist tot. Und das er nicht mehr ist, ist ein großer Verlust. Damals war das im Tams-Theater, ich war nach seiner Vorstellung ganz hingerissen. Und nachher, im Foyer des Tamstheaters, im kleinen Kreis, da habe ich ein paar Worte mit ihm gewechselt. Is ja immer so eine Sache, aber ich wagte Herrn Hube anzusprechen, um ihm zu sagen, wie sehr mir der Abend gefallen hat. Denn wie er auf  der Bühne agiert und gesprochen hat, das war so beeindruckend, das man ganz still und demütig wird vor so einem großen Mann. Gestern abend, als ich vom Sprechunterricht zur Tür hereinkam und den Fernseher einschaltete, im ARD ich ihn dann im Tatort sah, hintenan im Teletext lesen mußte, daß Jörg Hube verstorben ist, da will man das gar nicht glauben. Das kann doch gar nicht sein -.

Adieu, Jörg Hube, Adieu. Ich danke Ihnen.

Aus alter Zeit

Münchenblogger fragt nach und ich antworte. Ich war mir sicher, das eine an der Rottenbucher-/Ecke Lochhamer Str. steht, allerdings ohne Endgerät. 

Antike Telefonzelle ohne Endgerät

Antike Telefonzelle ohne Endgerät

Auf dem Heimweg betrete ich die Telefonzelle, zücke mein Siemens Mobilteil, das zeitlose und doch auch längst unzeitgemäße S 35 und gebe bekannt: “Ich bin in fünf Minuten zuhause.“

Bauer Golddachs

Bauer Golddachs war aufgrund bekannter mißlicher Umstände kurzfristig out of control.  Mit der Zucht gesunder und vitaminreicher Früchte läutet er ein neues, goldenes Zeitalter ein. Mit einem Kleinfahrzeug klappert er Haus um Haus ab. Auf der Ladefläche seines Vehikels eine Musterpflanze, daß der Kunden sich ein Bild seines Angebots machen kann: Penisfrüchte ala Bio-Carte und in sehr vorzüglicher Qualität.

Bauer Golddachs unterwegs

Vitaminreich und frisch vom Bauern

Der neue Nachbar

NachbarWegen des neuen Nachbarn hat die Familie Merlo dieses Jahr ihren Besuch abgesagt. Da spielt es keine Rolle, daß ich drei Tomatenpflanzen vom Bauernhof Rötzer in den Balkonkasten gesetzt habe.  Auch Pfefferminze, Peterle und Oregano für die Tomatensoße. Ein Spaghetttibäumchen und einen Balkonbusch Hackfleischbällchen. Der Nachbar heißt übrigens Herr Mikesch.

Er raucht ganz gern ein Zigarillo und spricht viel über seine Zeit als Jäger. Er hockt den ganzen Tag auf dem Balkon und raucht mit Unterbrechungen Zigarillos. Wenn er unterbricht, dann gähnt er.

A Dog named Bo

Ein Interview von Hermann J. Deschön. Erschienen in „Der bunte Hund“. Interviewpartner Mister Schorschi.

D: „Mister Schorschi werden Sie neuerdings genannt. Das ist ja eine Riesensache. Mister Schorschi, Sie sind gerade wieder zurück aus Washington. Sie waren jetzt eine Woche im Weißen Haus, auf Einladung von Dog Bo, dem neben Ihnen berühmtesten Hund derzeit, auf Wunsch der gesamten Familie. Das ist schon ein dickes Ding. Wie war es dort im Weißen Haus? Wie ist Bo?“

Sch: „Bo ist noch ein junger Kerl. Springlebendig und voller Ideen. Außerdem ist er ein portugiesischer Wasserhund, und das macht ihn sofort symphatisch.“

D: „Er ist ein drolliger Kerl. Aber, Sie haben ja lange mit ihm gesprochen und gearbeitet. Da will ich später noch mehr von Ihnen erfahren, aber wie ist er denn so, wenn die Kameraleute mal weg sind? Er lebte nach seiner Geburt in Texas ja bereits in der US-Hauptstadt. In Unkenntnis seiner wahren Herkunft rief man ihn Charlie. Worauf er nicht gehört haben soll. Es gab dann Probleme, von denen er sich im Haus Kennedys ein wenig erholen konnte. Und plötzlich war es vorbei mit dem mal schnell an die Häuserwand pinkeln, dem Schnüffeln an liegengebliebenen Lebensmittelabfällen in der Bronx. Die feine Schule im Hause Kennedy.“

Sch: „Er ist ein feiner Kerl. Und wie wir alle in der Jugend, trinken wir mal einen Napf zu viel, vergessen, wer wir sind und lassen vor lauter Not mal was liegen, wo ein anderer unachtsam hineinschlittert. Das kann nicht sein.“

D: „Das kann nicht sein. Jetzt sind Sie also auf Einladung, wer hat Sie da genau angefragt, ins Weiße Haus, weil einerseits die beiden Kinder Sie sehr schätzen, als ehemaliges Bandmitglied von Chief & Adminstrator, die härteste und musikalisch ambitionierteste  Blog’n & Roll Band aller Zeiten. Die Welpen haben Ihnen damals ihre Körbchen nachgeworfen, Ihnen Duftmarken hinterlassen, das waren sicherlich abenteuerliche Zeiten. Aber sicherlich auch nicht einfach. Sie kommen aus kleinen Verhältnisse. Erzählen sie mal unseren Lesern, wie es dazu gekommen ist. Ihre Auftritte während und  nach dem Konzert von Chief & Administrator sind legendär. Waghalsig ihre Abstürze aus dem zehnten Stockwerk eines Hotels in Bochum, festgebissen in ein brennendes Sofa. Das war ja auch gefährlich.“

Sch: „Zugegeben,  diese Sachen waren riskant. Aber wir wußten was wir konnten.“

D: „Jetzt, erzählen Sie mal. Sie haben sich durchgebissen. Was hat sie motiviert. Sie sind damals am unteren Ende eines Laternenpfahls in Altena zusammengesunken. Mademoiselle Ninett hat sie dann am Halsband gepackt. Wie ging das damals. Dog Bo, er war ja auch unglücklich, das man ihn so verkannte, als man ihn Charlie rief. Was war jetzt ihre Aufgabe im Weißen Haus? Das wollen unsere Leser ja wissen. Wie kam es jetzt dazu?“

Sch: „Mademoiselle Ninett hat mich auf dieser Reise natürlich begleitet. Die großen Konzerte waren ihr dann irgendwann zu laut. Die eindeutigen Avancen der Hündinnen, wenn sie mir ihre Körbchen schickten, das gefiel ihr nicht. Es gab dann auch Schwierigkeiten mit unserem Manager, Olaf. Er behauptete, es sei kein Euro in der Tourkasse. Kurbjuhn war der Ansicht, die Kasse müsse zum bersten voll sein. Imp hatte sich so weit arrangiert, daß er endlich richtig Gitarre lernen wollte, so wie es Olaf von ihm erwartete. Dann fehlten Briefmarken, mit Scheidung wurde gedroht. Ich weiß, daß Olaf die Gelder nicht verjuxt hat. Er denkt sich, das sind alte Blog’n Roller, die meinen, die könnten noch wie früher Bierkästen stemmen, mit der Harley frech durch die Orte, Hotelzimmer verwüsten.  Olaf ist der kluge und einsichtige Kopf dieser ganzen Formation.“

D: „Ha, Wahnsinn. Das ist nicht durchgedrungen. In der Autobiographie Imp’s kein Wort. Bei Kurbjuhn Contenance.“

Sch: „Wir waren schlichtweg die beste Blog’n Roll Band aller Zeiten. Da können sie über Olaf schimpfen. Er hat seine Sache von Anfang an gut gemacht.“

D: „Noch mal zurück. Dog Bo, er war bei den Kennedys. Jetzt ist er der Präsident aller Hunde von Wyoming bis Albuquerque. Was haben sie ihm beibringen sollen? Was Sie so sagen dürfen. Bissl was Geheimes vielleicht auch, was nicht ganz so geheim ist, aber wo so getan wird, daß davon niemand etwas wissen sollte. Mister Schorschi. Das ist doch der größte Tag ihres Lebens, nehme ich an.“

Stinkstiefel, oder nicht?

Sch: „Der größte Tag meines Lebens war, als Kurbjuhn dieses Solo von Hold me on brachte, damals im Straight on in Budapest. Wichtig für Dog Bo, daß er einen Stinkstiefel von einem gepflegten Fuß unterscheiden lernt, ob da ein Fuß bereits in einer zwei drei Tage alten Socke vor sich hinmüffelt, oder ob ein Fußpuder, ein Balsam einen Hauch von Frische verströmt . Mit Würde z.B. bei Frau Merkel mal bis hinauf  zum Knöchel schnuppert.  Ein deutliches Zeichen seiner Wertschätzung und Zustimmung. Einen Stinkstiefel aber nicht gleich eine halbe Stunde verbellt, sondern einfach das dargereichte Leckerli ablehnt. Auch wenns an der Tür zum Weißen Haus klingelt, das er das spannt und Alarm schlägt. Schwierig ist für jeden Hund, wenn er aus dem Flugzeug steigt, daß er nicht gleich die Stufen herunterstürmt, oder dort seine Amtsgeschäfte erledigen will.“

D: „Sie haben es weit gebracht. International ist Ihr Programmm Belcando gefeiert. Sie haben gezeigt, was aus einem armen Hund werden kann. Das Ansehen der Hunde in Deutschland ist besser als das der Politiker. Allerdings zeigen sich die hiesigen Staatsvertreter selten in Begleitung eines Sympathieträgers. Wäre es da nicht sinnvoll, würden die Menschen in Deutschland bei den Wahlen nicht gleich einen Hund wählen?“

Sch: „In der Politik bin ich nicht zuhause. Eine interessante Überlegung.“

D: „Aber prinzipiell:  Hunde in der Politik und in der Wirtschaft, das wäre doch was. Pudel in der Wirtschaft, Bernhardiner in der Sozialpolitik. Da gäbe es noch die Kampfhunde.“

Sch: „Wie gesagt, das ist eine gesellschaftliche Frage. Ob’s der SPD hilft, das wären jetzt Mutmaßungen.“

Gnädige Frau, ich lege mich zu ihren Füssen

Gnädige Frau, ich lege mich zu ihren Füssen

Ein schwieriges Rennen in Riem

Nun, Golddachs wieder lächeln zu sehen, das tut gut. Die Sache ist seit längerer Zeit ja die, daß ich unseren alten Freund und Kupferstecher Singasong in the Wind gern auf der Rennbahn in Riem unterbringen wollte, das weiß praktisch jeder. Unter der fürsorglichen Hand von Schöner-Fuß entwickelte er ein Stimmvolumen, wie es sonst nur Seeleute entfalten. Die Liebe zu den Vokalen, das Feeling für Rhythmus und Melodie, die Hingabe zu Literatur und Malerei, sein körperlicher Bewegungsdrang, seine geistige Mobilität, seine psychisch stabile Konstitution, sein feines Gespür für die Gesetze der Natur – das alles ließ ihn zu einem gefeierten Weltstar in den großen Opernhäuser werden: Paris, Mailand, überhaupt Italien, Metropolitan, Mexiko und viele mehr.

Jetzt aber zum Punkt. Der aufgetaute Singasong in the Wind aus dem Blackwood Forest, festgefroren und halbverhungert, entwickelte natürlich eine gewisse Unruhe, Springen und Laufen war ihm lieb. Und ich dachte, diesen Umstand für alle Beteiligten in Bare Münze umwandeln zu können. Es ging damals ans Eingemachte, und obwohl die Geldmenge sich auf der Welt insgesamt weiterhin vermehrt, wir wissen das aus den Nachrichten, ist bei uns davon noch nichts angekommen.  Also nach Riem auf die Rennbahn.

Golddachs, ein enger Vertrauter des Tiefgekühlten, Golddachs hatte sich bereit erklärt, den erwachten Schützling auf die 1600 m in Riem zu begleiten. Kurzum, beim Start aus der Box galoppierten die Zwei in einem Tempo, das man als raketenmäßig bezeichnen müßte. Aber statt den Sänger auf die Konkurrenz aufmerksam zu machen, erzählte Golddachs dem Windfang von dem Schicksal, das ihn so hart ereilt hat, von dem Auszug der Recklinghausen, dem niedergebrannten Anwesen, der wochenlangen Verwirrung. Der gute Singasong in the Wind erstarrte bei der Aufzählung all dieser unglückseligen Ereignisse. Tränen kullerten aus seinen dunklen wachsamen Augen, ein tiefes Mitleid mit seinem alten Freund schwächte ihn und bald waren seine Mitstreiter weit schon in der Zielgraden.

Aber es war ein erhebender Anblick, wie die Zwei doch noch das Ziel erreichten. Auf der Bahn kam es zu keinen Verwicklungen oder Schiebung-Rufe. Schöner-Fuß hatte auf den Sieger Fantasia gesetzt und gewonnen. Ich 10 Euro auf das Duo. Am Abend saßen wir  im Garten beisammen. Selbst die Recklinghausen war gekommen. Ganz nah saß sie bei ihrem Golddachs und hin und wieder streichelte sie seine Hand.

„Dabei sein, ist für heute alles.“ Und allmählich erwachte aus diesem von der Depression gezeichneten Mann ein glitzernder Funke Lebensfreude. Wir hatten die Gartenfackeln aufgestellt, ein stimmungsvolles Bild, der Mond in seinem hellen Glanz. Vom Tischgrill schmurgelte der würzige Duft der groben Bratwürste uns entgegen. Die Holzkohle glimmte und T. Bier hielt eine geplatzte Wurst in die Höhe und rief: „Wer will noch mal? Wer hat noch nicht?“

Höfliche Tischnachbarn

Über meine Liebe zu Conzuela Schöner-Fuß behielt ich bisher schön diskret Stillschweigen. Andeutungen vielleicht, um nicht als Historiker oder anderweitig als Wissenschaftler oder Buchhalter gewürdigt zu werden, dem der Job über alles geht, Herzensangelegenheiten jedoch unübersehbar Verwirrung stiften. 

Es war der 6. Februar 2008. Conzuela hatte mir vorab Schriftliches zukommen lassen, ein Telefonat hatte sich darauf ergeben, eine Verabredung folgte. Es war der 6. Februar 2008, Treffpunkt Feldherrnhalle am Odeonsplatz, von dort ging es weiter in Richtung einer Bar nahe dem Bayrischen Hof. Der Name der Bar bleibt unser Geheimnis. Es regnete an diesem Abend und der Wind zog um Straßenecken und durch die Kleidung. Die Indianertochter strahlte und machte einen ganz aufgeräumten Eindruck. Ihre dunkelbraune Wolljacke war vielleicht nicht dick genug für dieses Wetter, aber sie trug ja noch eine passende und schicke Mütze auf dem Kopf. Ich selbst hatte mich in meinen grauen Anzug geworfen, auf die Krawatte allerdings verzichtet.

Dann der 6. Februar 2008 in einer Bar zwischen dem Bayrischen Hof und dem Polizeipräsidium. Dieser Abend gehört zu den Abenden, die ich nicht vergessen werde. Conzuela hatte einen Tisch reserviert, Rotwein, Kaffee, Brot, Oliven. Ich sprach von einem Herrn Golddachs, von einem bemannten Raumflug, von der Bewegung der Silberspitze, von der Blog & Roll Band Chief & Administrator, von den Ovationen, die mir als Bühenndarsteller zuteil wurden und vom Verblassen der öffentlichen Aufmerksamkeit.  Zu vorgerückter Stunde aßen wir dann an der Theke, weil der Tisch ab 21 Uhr wiederum vergeben war, von einem Teller gemeinsam Bratkartoffeln mit Quark.

Während dieser ganzen Zeit war ein Mann anwesend, den ich in diesem und anderen Zusammenhängen bereits erwähnte, der Münchner Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl. Um die Welt gegangen ist die Bitte meiner Schwester: „Giovanni, halt mich fest. Ich täusche Ohnmacht vor“, als uns Herr Wachtveitl im Sommer 2005 auf dem Viktualienmarkt entgegenkam. Am gestrigen Ostersamstag, ich hatte zwei Pfund Kartoffel- und Zwiebelschalen zur Biotonne gebracht, und auf dem Rückweg war, hinauf in mein Stubendasein, wer ist aus Indien zurück und steht auf der Straße und winkt mir zu? Die Indianertochter.

„Komm, wir nutzen das Wetter, du mußt raus aus deinen vier Wänden. Ich habe dir so viel zu erzählen.“

„Aber so nicht“, und wies auf meine unterschiedlichen Schuhe hin, die ich an den Füßen trug. Also flog ich schnell hoch und suchte ein passendes Paar. Tullus alpha Beta bezeichne ich insgeheim ihre Straßenrakete. Los Richtung Starnberg, entlang kurvenreicher Straßen, oh wundervoller Sonnentag. Südlich weiter bis Ambach zum Ausflugslokal Fischmeister, das dem Schauspieler Josef Bierbichler gehört. Wer sitzt in direkter Nachbarschaft zum einzig freien Tisch? Richtig, Udo Wachtveitl. Auf dem Bänkchen, wo wir letzten Sommer auch gesessen sind. Er war nicht allein, aber mit wem, wird nicht verraten. Wir sind höflich.

„Ein Zeichen vom Himmel. Kein Zufall,“ flüstere ich, „ein Zeichen vom Himmel.“

„Und was glaubst du, was das Zeichen bedeutet.“

„Das ich einen wunderbaren Tag erlebe.“

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