„Wie wäre es mit einem neuen Haarschnitt und einmal Fellpflege für sie, Herr Maus?“
Das waren die Worte, Olaf, die Giovanni am frühen Morgen des 4.9. an mich richtete. Leicht herbstlicher Wind, mild die Schleierwolken. Ohne Anmeldung erschienen wir im Frisiersalon von Louis Fox, dem Meister aller Klassen. Hier also hat Giovanni einmal neben dem verstorbenen Opernsänger Hermann Prey gesessen.
„Ich hoffe, daß eines Tages Paolo Conte in den Salon von Louis Fox kommen wird.“
„Bitte nehmen Sie Platz.“
Mein Fell war bereits ein wenig verfilzt, absichtlich, die Rasta-Maus mit Dreadlocks. Giovanni hatte es sich bequem gemacht, Corinna ihm die Halskrause verpaßt, die Schürze übergeworfen. Jetzt lag er halb, halb saß er ruhigen Gewissens. Ich hatte meinen Klappstuhl speditiert. Es war früh am Morgen.
Auf der ersten Seite des Gräfelfinger Morgenboten stand zu lesen, daß Walter Freund und seine Cheyenne es gepackt haben.
„Giovanni, hören sie, seit zwei Monaten ist das Paar zusammen und sie bereits im dritten schwanger, wie geht denn das?“
„Herr Maus, was wissen wir. Lesen sie weiter.“
Aus dem Artikel war zu erfahren, daß der Sexualverkehr mit der Cheyenne bereits während des losen und, ja, haltlosen Bratkartoffelverhältnisses mit der Dany stattgefunden habe. Ausführlich hat Walter zu allem Stellung genommen, wie er immer wieder während des Beischlafs einen Moment habe überlegen müssen, um nicht ihre Namen zu verwechseln. Letztlich wurde die Cheyenne eben schwanger, vermutlich ein Racheakt an den Commodore, der die Verlobung mit der Cheyenne aus ungewissen Gründen gelöst hatte. Doch ist der Commodore aktuell mit der Dany zusammen, und auch da hat’s im Karton gerappelt.
„Heutzutage, Herr Maus, es muß alles Hopplahopp gehen. Zeit zum Überlegen braucht’s nicht mehr. Ich sage ihnen was, Herr Maus, als Schorschi seinerzeit im Weißen Haus war, Dog Bo auf seine Aufgabe vorzubereiten, da hat er darauf hingewiesen, daß mit der Fürsorge zu einem Tier die Wählbarkeit eines Politikers entscheidend beeinflußt wird. Und was staunen wir nicht schlecht, daß Bodo Ramelow von den Linken einen solchen Erfolg feiert. Und nicht nur die unbefriedigenden politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, denn sicher auch sein Begleiter Atilla haben diesen Stimmungswechsel herbeigeführt.“
„Möglich, Giovanni.“
Von der Kassenkraft am Eingang der Frisersalons war ein: „Guten Morgen, Herr Dr. Freund,“ zu hören, „bitte.“
Als Giovanni die Augen aufschlug, um seinen neuen Nachbarn kurz zu begrüßen, war die Überraschung in seinem Gesicht nicht zu übersehen.
„Imp, mal wieder zum Entlausen. Corinna, verpassen sie dem Herrn hier zu meiner rechten eine Dauerwelle.“
„Walter“, und die Begrüßung an seinen Kritiker fiel überaus freundlich und wohlwollend aus. „Was macht die Kunst?“
„Alles in Butter, mein Lieber. Mein Heu ist eingefahren. Und du?“
„Herr Dr. Freund, wie darf’s denn heute sein? Wie Immer?“
„Rosi, Schnitt wie immer, aber heute mal mit ein paar blonden Strähnchen.“
„Walter, seit wann denn Doktor. Wie kommst du an den Doktortitel. Dr. phil. ?
„Imp, Dr. oec.“
Und er schnipste mit den Fingern Pinke-Pinke.
„Und sonst, Herr Doktor?“
„Wie soll’s anders sein, alles in trockenen Tüchern.“




Wegen des neuen Nachbarn hat die Familie Merlo dieses Jahr ihren Besuch abgesagt. Da spielt es keine Rolle, daß ich drei Tomatenpflanzen vom Bauernhof Rötzer in den Balkonkasten gesetzt habe. Auch Pfefferminze, Peterle und Oregano für die Tomatensoße. Ein Spaghetttibäumchen und einen Balkonbusch Hackfleischbällchen. Der Nachbar heißt übrigens Herr Mikesch.


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