Archiv der Kategorie 'Logbuch'

Die Therapie

Selbstverständlich kostet es Giovanni einige Überwindung, sich der Welt so zu präsentieren. Halbnackt und in kurzen Hosen.

„Es ist bedrückend“, so formulierte er, „ein Mann in der Blüte seiner Jahre, und allmählich schwinden die Kräfte.“

Dr. Walter Freund hatte ein Rezept ausgestellt, einen Therapieplan entwickelt. Täglich an die fünf Stunden nun, und das seit einigen Wochen schon, stakst Giovanni im Gesundheitsbrunnen von Todtmoos.

„Das Wasser“, und Giovanni deutet es mit einer Bewegung von Daumen und Zeigefinger, „ist so kalt.“

Wir lachen uns kaputt, wenn er mit steifen Beinen aus dem Brunnen wackelt.

„Lacht ihr nur! Lachen ist die beste Medizin. Ich weiß. Ich weiß.“

Er hat speziell ein Wanderliedchen eingeübt auf seiner Hanika. Auch die Musik ist ein Therapeutikum, mit Nebenwirkungen für unser Ohr. Begleiten Sie diesen tapferen Mann auf seinem fünfstündigen Marsch durch den Gesundheitsbrunnen von Todtmoos.

Entschuldigen wollen wir uns bei unseren treuen wohlwollenden Lesern für die temporäre Abwesenheit. Ein durchschmortes Kabel in der CPU. Wer kennt das nicht.

Die Wahrheit über mein Intimleben

Die reine Wahrheit, bevor jetzt irgendwer jetzt wieder Scheiß redet. (Walter, etc…) Aus Rache. Er weiß es, weil wir mal Kumpels waren. Die Wahrheit in Bezug auf Schöner-Fuß ist die. Sie ist meine Indianerin, wir haben schon lange gemeinsam drei Kinder, ich bringe noch eins aus meiner wilden Zeit mit, die Zwillinge von Schöner-Fuß sind gerade mit dem Abi durch und leisten Zivildienst und die Mimi geht studieren.

Schöner-Fuß und ich, wir haben alles überstanden bis jetzt. Soweit also alles unübersichtlich. Ich ärgere mich in Zukunft mit Walter rum. Da hätte ich mir einen bequemeren Feind aussuchen können. Er hat mich überall reingelegt, weil ich ihm damals keine Heimorgel abgekauft habe, obwohl die viel billiger gewesen wäre als meine Hanika 54 PF, Palisander Fichte. Er hat damals zu mir aus Wut gesagt:

„Du mit deinen Fingern, du greifst immer daneben.“

Er sollte Unrecht behalten. Er irrt sich überhaupt komplett. Und nun ein Kompliment an meine Gattin, daß sie es mit einem mit Botenstoffen Unterversorgten es doch geschafft hat, dazu die Kinder. Die großen Erlebnisse in der Rakete, ich habe sie erlebt, ich war dabei. Später wurden die Abenteuer immer drängender. Die Trennung meines Freundes Golddachs von der Recklinghausen, ein Streich der Sinne. Die beiden leben wohlbehalten droben auf dem Dachsberg und machen weiter in frisches Gemüse und Zutaten für die Lebensfreude. Das Gerippe, das ich aus dem Unterholz in die Schwarzwälder Garage verfrachtete, das später zu einem beliebten Opernsänger und Rennpferd mit Ambitionen avancierte – Sing a Song in the Wind – Bob Dylan, der eben gut tun, wenn man allein auf der Welt ist. Ich muß meine Gedanken erst wieder ordnen. Ich esse wieder gut. Ich trenne die Kost, esse Kartoffeln mit Butter und Öl und Salz. Mehr nicht. Ich trenne nicht ganz, wenn ich mir ein Putenschnitzel in die Pfanne lege und Zwiebeln hinzu: Salz und Pfeffer. Ich esse etwas Käse, nicht zu viel, am Abend überhaupt nicht mehr.

Seit ich Herrn Maus begegnet bin, ist etwas Wunderbares eingetreten. Wir haben uns gesagt, zum Schluß: Es ist auch das Tagebuch eines Weltraumfahrers.

Der vor Wochen festgelegte Therapieplan schlägt amtlich an. Ich werde mal ein Auge draufhalten, wie es weitergeht.

Herr Maus holt aus

Herr-Maus

„Eine Zeit der Stille, der Einkehr, Herr Maus“, das waren die Worte, die Giovanni an mich richtete. „Erholen sie sich.“

Er selbst hat sich auf den Weg gemacht. Mit frisch besohltem Schuhwerk ist er wieder auf  Tour. Das Wetter, sagt er, das ist wie es ist. Regnet es, greift er zum Regenschirm. Am frühen Morgen verläßt er das Haus, erscheint am Abend mit der Bemerkung: “ Ich habe genug gesehen, sehr vieles gehört. Für heute reicht’s.“ 

Dann hängt er den Mantel auf einen Bügel, streift sich die Schuhe von den brennenden Füssen, duscht und läuft mit der Gießkanne in seinen Balkongarten und staunt: „Was für dicke Tomaten bereits, Herr Maus. Wir werden im Spätsommer eine reiche Ernte einfahren. Spitzenmäßig, Herr Maus.“

Stück Seife, Tee und Kaffee

Kurze Erholungspause

In der Hitze von Marrakech

Wenn Schöner-Fuß nicht wäre, nicht auszudenken. Sie ist gerade auf Promotion-Tour in Marrakech. Überzeugungsarbeit. Die Tullus alpha 11, die schon immer ohne atomaren Antrieb, sondern mit Omega 3 Rapsöl auf Welterkundungsreise geht, da verhandelt die schöne Indianertochter mit den hiesigen Vertretern über eine Landeerlaubnis. Sie ist in Begleitung von Schorschi und Mademoiselle Ninett, auch in der Angelegenheit, einen Auftritt der Blog’n & Roller C & A unter Dach und Fach zu bringen. Per SMS hat sie mir ein Stück Seife, grünen Tee und eine Kaffeemischung geschickt, daß ich in der Zentrale gut versorgt bin. Von vielen Seiten kommt der Einwand, daß mich solche Päckchen sozusagen lebensuntüchtig machten. Ich also in den bedenklichen Zustand verabschiedet würde, meine eigenen Anstrengungen, meinen Lebensunterhalt aus eigenem Antrieb zu sichern, daß solche Hilfspäckchen meinen Ehrgeiz unterminieren. Ich finde, die Leute sollten lieber mehr über sich selbst, als über mich sinnieren, das könnte sie vermutlich ein Stück weiterbringen. Natürlich sind aufgrund der globalen wirtschaftlichen Entwicklung die Raketenausflüge seltener. Der Preis für ein auswärtige Tasse Kaffee liegt derzeit bei 2,60 bis 2,80, und der konstant bei zunehmender Flaute und exorbitant steigenden Insolvenzen. Der Literpreis für ein Glas Mineralwasser liegt laut AZ von vor ein paar Tagen bei knapp 11 Euro und zwischen 13,50. Die Preise für Latte Macchiatto sind vergleichbar. Die Armut könnte also schnell Realität werden.

Dennoch, und das freut mich besonders, Schorschi und Mademoiselle Ninett,  mit einem Zweirad sind sie rüber nach Afrika gefahren. Conzuela hat ein Foto von den Beiden gemacht und mit ins Überbrückungspäckchen gelegt.

Kuschelsex

That's Amore

Fotos copyright by Conzuela Schöner-Fuß

Gruppenfoto mit Kulutsminister

Gruppenfoto mit Kultusminister

In der Klemme

So ein kleinwenig in der Klemme zu stecken, ist manchmal garnicht so schlecht. Wenn man denn gerade rudert wie Weltmeister, dann steckt man einfach drin, verflucht das ganze Erdendasein und sieht zu, daß man mit ein paar Schürfwunden herauskommt und nicht knockout, alle Viere von sich, im Ring liegen bleibt. Mich hätt’s fast erwischt, total.k.o., in ich weiß nicht welcher Runde.

Es begann harmlos. Ich war zu einer Promi-Party eingeladen. Wie ich auf die Liste gekommen bin, keine Ahnung. Buffett vom Feinsten, Preisverleihung für die Besten der Besten, Himmel, klar, einmal über den roten Teppich, ich, im grauen Anzug mit Schlips und Krawatte. Es waren, überraschend war das nicht, alle da, die man so kennen sollte, Schauspielerinnen und Schauspieler, Comedians, ein paar Leute vom Fernsehen und den Tageszeitungen, Sportler und natürlich ne Menge Party-Girls und Models. Ich hatte gerade ein Lachsbrötchen mit Meerrettich und ein paar Erdnüsse verputzt und war damit beschäftigt, mir die Reste aus den Zahnlücken zu zutzeln, als wer auftaucht?

Kein geringerer als Walter Freund. Freudestrahlend und in bester Geberlaune, eine mir bis dahin völlig unbekannte Blondine im Arm. Ich war im ersten Moment ein wenig erschrocken, weil man bei Walter nie so genau weiß.

„Giovanni“, und das in einer Lautstärke, als sei er allein auf der Welt, „Giovanni, altes Haus. Raketenmann. Darf ich Dir meine Begleiterin vorstellen? Dany.“

Er küßte ihr die Hand.

„Dany. Giovanni. Ja, Mensch, dich hab ich ja nun mal garnicht auf dem Programm gehabt. Gut schaust aus. Was macht die Liebe? Alles im grünen Bereich? Heu eingefahren?“

Gott, er war bester Stimmung. Seine blonde Schönheit mit etwas viel MakeUp, zu stark betonten Volllippen, aber dennoch auch spürbar zurückhaltend.

„Ja, Dany will Model werden“, und küßte ihr wieder die Hand und faßte sie dann um die Taille und drückte sie an sich. „Nich’, Dany, das habe ich schon arrangiert für dich? Nächste Woche geht’s nach Los Angeles, zum Fottoshooting. Sie ist schon ganz aufgeregt. Aber ich habe ihr gesagt, das müsse sie nicht sein. Dany, Giovanni ist Fotograf, einer der Besten. Er schreibt Raketengeschichten, macht ganz tolle Bilder. Sach mal, Giovanni, du könntest doch bei dir zuhause schon mal vorab so eine Fottosession mit der Dany machen. Das sie was Erfahrung sammelt und ihre Scheu verliert. Was meinst du, Dany?“

Bevor Dany antworten konnte, ging ich dazwischen und winkte ab mit dem Hinweis, das ich lediglich mit Tieren arbeite und Stillleben vielleicht.

„Hör auf, Giovanni, ich hab die Fottos mit den Frauenbeinen gesehen. Die sind aufregend. Du kannst uns den Gefallen ruhig tun. Wir sehen uns nächste Tage, nich, Dany?“

Ich würde diesen Vorfall nicht erwähnen, wenn nicht zwei Tage später Walter mit seiner Dany vor meiner Türe gestanden wäre. Ich lief mittags noch im Morgenmantel herum und den Filzpantoffeln an den nackten Füssen.

„Giovanni, hier sind wir. Dany, komm herein.“

„Walter, was ist jetzt los hier? Ich versteh nicht.“

„Hörzu, die Dany will Model werden. Nächste Woche, das hab ich hingebogen, geht’s nach San Franzisko, zum Fottotermin. Du kannst da was für sie und mich tun, indem du sie einstimmst.“

„Walter!“

„Giovanni, hauptsächlich geht’s um ihre Brüste, verstehst du? Schau,“ und machte eine Andeutung mit seinen Händen, „es geht um ihren Busen. Giovanni, ich hab sie da entdeckt, sie war Bedienung im Cafe Pretter. Sie ist mir da sofort aufgefallen. Giovanni, weißt du, einen solchen Busen hat die Welt noch nicht gesehen. Hier in Deutschland bist du verratzt, sie will in die Hochglanzmagazine, ihren Körper zeigen und ein wenig über ihr Leben reden und welche Philosophie hinter allem steckt. Das ist doch ganz einfach, in Amerika läuft das doch nicht anders. Daß Dany, ja, weiß, was auf sie zukommt. Komm, Dany, mach dich mal frei, daß Giovanni mal einen Eindruck bekommt, das werden gute Fottos.“

„Dany“, rief ich entsetzt, „das ist jetzt nicht der richtige Moment. Sie sehen selbst, in welcher Aufmachung ich hier unterwegs bin. Das geht nicht. Walter, mach das Mädchen nicht verrückt.“

„Dany, komm, mach dein Haar zurecht, dann kannst du auf Giovannis Bett ein bißchen posieren. Lass mal, Giovanni, du machst das schon, so Bilder hat die Welt noch nicht gesehen.“

Ich bin dann ziemlich laut geworden, weil der Walter auch anfing den wilden Mann zu markieren. Das hat mir dann Ärger mit der Nachbarschaft eingebracht. Ich vermute, sie glauben, ich würde hier leichten Mädchen Tür und Tor öffnen, den Hausfrieden gefährden. So Sachen kann man ja nicht einfach aufklären. Das glaubt einem ja keiner. Ich war dann ein paar Tage bei meinem Freund Golddachs. Im Fernsehen hab ich die Dany dann gesehen, wie sie ganz entrückt durch San Franzisko gelaufen ist. So ein paar Medienleuten von der Promi-Party hatte sie im Schlepptau. Da hat sie geflucht im Fernsehen, weil die ihr die Frisur versaut hatten, und da ging ihrer Ansicht nach dann auch nix. Von Walter hat sie sich hoffentlich getrennt. Der Kerl ist nicht zu retten.

Samstagabend in Gräfelfing

Samstagabend. Schöner-Fuß ist entweder in Nordafrika oder in Salzburg. Sie macht überall in der Welt Dinge klar, jaja. Golddachs lebt weiterhin in der Schwebe, die Recklinghausen ist zwar nicht mehr bitter und spricht auch wieder mit meinem Silberspitzmann. Aber so wie die Aussichten sind, sind noch ein paar beziehungstechnische Kleinkleinprobleme aufzuarbeiten. Natürlich sind verschiedene Privatfernsehsender auf die Idee gekommen, ihre Liebe und die damit unweigerlich verbundene, im Moment ruhende, Sexualität öffentlich einem interessierten Publikum zur Diskussion und zur Auflösung der Gesamtproblematik anheimzustellen, aber der ehemalige Penisbaumzüchter hat erst einmal angewunken.

Gestern abend, als ich von Frau Münster heimgekehrt war, habe ich den Fernseher einfach aus Reflex eingeschaltet und war ganz überrascht, daß der Wechsel von O. Pocher zu SAT1 scheints nicht geklappt hat. Vor einer großen Anzahl von Gesellschaftskritikern sprach er im Hörsaal einer philosophischen Fakultät (RTL) über etwas, was mich nicht überzeugte. Als ich dann am heutigen Mittag um 15.34 Uhr zufällig wieder über den Sender stolperte, hatte er seinen Vortrag noch immer nicht beendet, sondern zur Unterstützung seiner Weltkritik einen Herrn Bushido oder so ähnlich hinzugebeten. Wie es dann weiterging, kann ich nicht sagen. Weil, ich hatte gelesen, daß irgendwo ein alter Film mit Ruth Leuwerick kommen sollte. Aber dann bin ich doch bei dem Modemann Harald Glöckler hängen geblieben: „Gaanz toll, gaanz weich, gaanz elegant. Das müssen sie haben, und wenn der Kühlschrank raus muß!!“ Schöner-Fuß findet meine blauweiß karierte Hüttenbettwäsche recht kuschelig, aber vielleicht werde ich sie einfach mal überraschen. Meist gibts Sonderpreise bei Harald Glööckler, und wenn ich sie mir nicht leisten kann, dann kommt der PC raus und Schluß ist und los gehts.

Es wird jetzt Zeit für Rio Bravo. Meine Hanika geht heut nicht mehr, wegen der Nachbarn, aber so viel sei Olaf noch mitgeteilt. Die Akkorde für Take Five, bis auf kleine Unebenheiten, die sind jetzt drin, und das Solo, also die Melodie, fast perfekt bis in den 13. Bund. Schwierig , aber bald kein Problem mehr.

Ein Problem hat jetzt sicherlich der Klinsmann. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken, auch nicht in der von Uli Hoeneß. Die Schalker, die freuen sich. Ich habe das Spiel live ohne Ton im Fernsehen gesehen. Später noch eine Zusammenfassung, aber da guck ich auch nicht mehr hin: dieser bald nicht endenwollende, ohrenbetäubende und reißerisch-peinliche Vorspann zur ARD-Sportschau. Das tut den Horchlöffeln so weh, überall diese Lautstärke, dabei ist das nur Luft, was aus den Mündern kommt, von Vokalen und Konsonanten begleitet, das gebe ich zu, aber dennoch, das meiste ist Luft. Heiße Luft, würde ich sagen, da hab ich grad überlegt, heiße Luft ist es nicht.

Die Meistermannschaft 2009

Die Meistermannschaft 2009

Die Meistermannschaft 2009

Ablösesummen für Top-Spieler

Ablösesummen für Top-Spieler

Der Absturz von Golddachs

Er ist wieder aufgetaucht, furchtbar zugerichtet, ein Mann mit beiden Beinen im Sumpf. Die Polizei hatte ihn völlig abgerissen in einem Waldstück aufgegriffen. Er zitterte und war völlig verwirrt. Nach einem Entzug in einem Krankenhaus hat er einen Psychotherapeuten in Freiburg aufgesucht. Er könne seiner Recklinghausen jetzt aber noch nicht vor die Auge treten, zu groß sei die Scham, zu hart trifft ihn der Verlust seiner großen Liebe und seines Zuhause. Wir alle von der Tullus alpha 11 haben ihm ein kleines Zimmer angemietet. Noch ist er sehr hilflos und unsicher, was seine Lebensplanung angeht. Die Silberspitzgemeinschaft hat ihm seine Unterstützung angeboten. Manchmal läuft er umher, dann sitzt er, grübelt und macht sich Vorwürfe. Wir alle sind froh, daß er wieder da ist.

Vielleicht Kanada

Eine erste Spur von Golddachs

Doch, gesehen hat man ihn. Aber man hielt ihn für einen Verrückten. Er habe abgerissen ausgeschaut, eigentlich kein Mensch sei er gewesen. Ein Haufen Elend, ja, stellt man sich einen Haufen Elend vor, dann träfe diese Bezeichnung auf dieses stinkende angetrunkene Etwas zu. Er habe um die Ecken gekuckt, ein Rucksack auf den Schultern,  ein dicker Schlafsack obenauf, ein klappriges Fahrrad, an dem die Stofftaschen baumelten. Gelegentlich setzte er sich nieder, in das Häuschen einer Bushaltestelle.

Ich bin auf der Suche nach meinem Freund bei Schöner-Fuß aufgetaucht. Sie selbst war bereits unterrichtet: die Recklingshausen sei fort, Golddachs unterwegs. Was war passiert? Der seinerzeit wegen eines Verkehrsdelikts im Gefängnis einsitzende Klatschjournalist Deschön war wieder auf freiem Fuß. Er war gealtert, nichts zuletzt hatte er sich anfixen lassen und sann nun auf Rache. Er war mittellos. Sein verkokstes Gehirn gab Golddachs die Schuld an seinem Niedergang. Und so schrieb er dem Edelsten einen anonymen Brief, die Recklinghausen habe im besten Alter im Cafe Hemdhoch als Animierdame und später auch als Hosteß und Prostituierte den aus der Schweiz herüberpendelnden Kerlen ihre Dienste angeboten. „Sie ist eine Edelhure, die bis weit ins Schweizer Alpenland und in Zürich Gesprächsstoff gewesen ist.“

Golddachs, der dumme Kerl, erschüttert und verunsichert, legte der Recklinghausen das Schriftstück vor, und als er ein zweites mal nachhakte, ob an der Geschichte was dran sei, war sein Stern in der Nacht verschwunden. Folgenschwer griff er zwei Tage später zu einem Gläschen Hochprozentigen im Gasthaus Hirschen, habe in seinem Jammer dann die ganze Flasche in einem Zug geleert und sein Anwesen in einer bitterkalten Nacht den Flammen übergeben. Derweil hatte man Deschön wieder eingebuchtet, denn man fand Reste eines verbotenen Mittels auf dem Stück Papier und auch seine Fingerabdrücke.

Dann taucht er in einer Bäckerei in Bad Säckingen auf, wo er einen Kaffee und zwei Mohnbrötchen zu sich nahm. Für seine Recklinghausen aber noch zwei Stück Backwaren bezahlt. Die leere Tüte fand man am Grenzübergang Rheinfelden, von dort habe er in Richtung Mumpf sein Fahrrad geschoben.

Wer weiß, wo Golddachs oder die Recklinghausen sich aufhält?

Wer weiß, wo Golddachs oder die Recklinghausen sich aufhält?

Tiefer in die Blaue Nacht hinein

Immer tiefer in die Blaue Nacht
Immer tiefer in die Blaue Nacht

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