Archiv der Kategorie 'Weltdichte'

Lang nicht gesehen

Ich habe Herrn Maus noch nie erwähnt. Ich bin deshalb auf Herrn Maus nicht zu sprechen gekommen, weil ich ihn seit Urzeiten nicht mehr gesehen hatte. Gestern traf ich ihn am Pasinger Bahnhof. Vor Jahren hatte wir gemeinsam für eine Firma gearbeitet. Ein zarter und stiller Geselle, mit flinken und lustigen Augen. Er sei vor zwei Jahren entlassen worden. Habe dann dies und das gemacht. Dann kam es zur Trennung von der Lebensgefährtin. Das war schwer zu verkraften, sagte er. Hier und dort, erklärte er, arbeite er, mal Zeitung austragen, mal einen Hausflur putzen, mal den Müll wegschaffen, Leergut aufsammeln. Ich sagte ihm, ich könne einen Mann wie ihn gebrauchen. Denn er ist und war immer schon ein Raketenmann.

Raketenmann Maus

Herr Maus bei der Arbeit

Mit viel Glück im Gepäck

Lichtwelten

Also bin ich wieder auf Achse. Ich war hier und dort und habe von meiner Reise ein paar Fotos mitgebracht. Ich ging noch am Montag den verschneiten Weg Richtung Black Wood Forest. Conzuela in die Arme schließen, und auch Golddachs, mein alter Gefährte. Unter einem festen Holzstand fand ich Unterschlupf, ein Holzhäuschen, das sowohl Schlafplatz als auch Bushaltestelle  ist. Es war bereits seit einigen Stunden stockfinster. Morgen würde ich es bis Todtmoos geschafft haben. Die Schneeflocken wiesen den Weg. Ich ging den Schneeflocken nach und sah an den Häusern hoch, in verdunkelte und erhellte Fenster, das ernste Gesicht meiner Indianertochter zu finden. Ich ging den Hinweisschildern nach. Aber ich habe vergessen, wo ich war, die Kälte hatte meine Finger steifgefroren, ich konnte weder schreiben noch fotografieren. Also ging ich, ohne etwas im Kopf zu behalten, bis ich auf diese Holzhütte traf.

Mit einer Reise-, mit meiner Aktentasche und zwei Stoffbeuteln war ich unterwegs. Zwischendurch aß ich meist in einer Stehbäckerei, trank Kaffee und bat die Verkäuferin für 10 Cent extra, das Akku meiner Kamera wieder aufzuladen. Ich hatte noch stark gebrühten Kaffee vom Morgen in meiner Thermoskanne. Auf das Holzbänkchen stellte ich mein Tivoli PAL Radio. Alle Tiere im Wald waren verstummt. Ich würde das Radio anstellen, um zu hören, in welcher Welt wir leben. Das ist auch der Grund, warum ich unterwegs bin, ich will wissen, wie es zugeht im Leben, mal hier, mal dort.

Ich zündete mir eine Kerze an, ein wenig Licht und Wärme. Meine Hanika wollte ich den eisigen Temperaturen nicht aussetzen. Also studierte ich die Noten eines Walzers, Ferdinando Carulli. Dieses Gitarrenstück bietet eine paar hübsche Überraschungen. Irgendwann würde ich es auswendig spielen können. Ich dehnte mich und trank vom heißen Kaffee. Die Karaffe leistet mir gute Dienste. Der Kaffee erfrischt und ermüdet mich zugleich. Aus dem Radio erfuhr ich, daß der Erforscher der Eisgebiete, Roald Amundson, sich am offenen Fenster kalt gewaschen habe und den Oberkörper nackt am Fenster trocknen ließ. Ein harter Winter, für uns, wie für Roald Amundson wohl auch Vergnügen.

Vierzig, fünzig Kilometer entfernt von der Geliebten. Der fallende Schnee weist den Weg. Am Mittag in Wehr, wer sitzt da? Ich fiel aus allen Wolken - Schöner-Fuß,  hat Cappuccino und Kaffee gerad zu rechten Zeit bestellt. Aah, ein guter Kaffee. Nach einem Marsch von dreißig Kilometer, ohne nennenswerte Pausen, alles Gepäck auf meinen gebeugten Schultern und an meinen langen Armen hängend, die Reisetasche und die Hanika. Die Gasthöfe hatten in der Nacht davor geschlossen. Aufgeregte Hunde bellen, als ich Vorbeikomme. Sie bellen, weil ich einer von ihnen bin.

Der Inhaber des Cafes Segafredo schmunzelte etwas herum, als er Schöner-Fuß auf den Kopf zusagt, daß ich ihr etwas zu sagen habe, Marie. Nicht ganz glücklich, denke ich vielleicht, und sie sagt, der Winter setzt mir zu. Diese lange Kälte, dieses Graue in der Luft. Schöner-Fuß, sagt sie, sehnt sich nach Wärme und Liebe, sorge dich um mich.

„So gut, so geht“, ist meine Antwort.

Ich bin da

Ich werde ohnmächtig

Lonesome Evening Star

Sie sind alle weg. Der Professor mit seiner entflammten Loreine Nice Richtung Tokelau. T. Bier schon seit einiger Zeit in Sizilien. Diese Mitteilung bringt mir sicherlich wieder einen 3-Worte-Kommentar eines Italienreisenanbieters ein. Gelöscht.

Der Opernsänger

Der Opernsänger

Conzuela Schöner-Fuß ist nahe am Himmel. Golddachs und die Recklinghausen, sie machen auf dem Dachsberg weiter. Lucertole richtet das Studio ein. Mäuse-Marie fest an seiner Seite. Sing a Song in the Wind hat in einer Oper den Part eines Bösewichts übernommen. Er leistet im Gesang bereits erstaunliches.
Ich schreibe so lakonisch, weil ich den lieben langen Tag durch die heruntergefallenen grün rot gelben Blätter dahinmarschierte. Lautlos, leicht, ja längst das Laub das Land bedeckt.

Laubgeschichten

Laubgeschichten

Ihre Worte klingen noch in meinen Ohren: „Es wird sich der Staatsanwalt für sie interessieren, sie Teufel.“ Sie war verrückt geworden, sie mußte verrückt geworden sein. Sie beschimpft mich wieder. Sobald ich ihr auf der Straße begegne, hebt sie ihren Stockschirm und droht. Ich gehe jetzt Umwege, in der Hoffnung, ihr nicht zu begegnen. Das Leben hat sie verrückt gemacht, denke ich mir. Das bleibt nicht aus.

Mein Oktoberfest-Hendl 2008

Die Sonne hoch sehr schön am Firmament, so leuchtendwarm, ach, würde jetzt die Zeit doch stillestehn. Sie tut es nicht. Aber wenn ich so festlich sitze, den Blick hinaus von dem Balkon, ein Hendl gar im Römertopf so knusprig zubereitet, daß einem ganz schwindlig wird vor lauter Glück, ja, vor Emphase. Schön drumherum drapiert Tomaten, Merlo-Tomaten,  Sprossen aus dem hiesigen Bio-Markt, ein Gläschen Apfelschorle und vom Sellerie-Salat gleich zwei drei Gäbelchen. Dann ist die Zeit für den Moment, kaum wahrnehmbar, so erfüllt von Lebenslust und Stille, daß wiederum der Schwindel, einem Walzer gleich, man um die ganze Welt zu taumeln meint.

Oktoberfest-hendl 2008

Neues Mitglied in der Silberspitz-Gemeinschaft

Interview mit Conzuela Schöner-Fuß und Giovanni

Klarheit unterm Penis-Baum

Die Fürstin und der Kardinal

Giovanni dreht seine Runden. Die Fürstin hat geschrieben, damit hatte er nicht gerechnet. So gesehen eine schöne Bescherung. Ihre Worte beschäftigen ihn. Giovanni sind sie im heißen Sommer aufgefallen, die pummeligen Babys mit den falschen Fingernägeln, die vielen dicken Hintern in den viel zu engen Hosen, die jungen Dinger mit dem entstellenden MakeUp im Gesicht, ihr billiges Eau de Toilette, am Handy am Handy am Handy. Er hatte sich beim Anblick dieser modischen Girls geschworen, auch in äußersten Notfällen, auf Sexualität mit ihnen zu verzichten. Jetzt ahnt er, daß die Fürstin etwas von Sexualität versteht. So wie er auch.  Geschnackselt wird auf der ganzen Welt gern, und auf Youporn stellen die Hochleistungsschnacksler ihr Können einem großen Publikum unter Beweis.

Fallen die Menschen heute alle wild und wahllos über sich her? Ist das von der Fürstin in die Runde geworfene Wort Treue eine romantische Vorstellung, Verklärung?

„Ich werde mir ihr Buch zulegen: ‘Die Fürstin und der Kardinal’. Es klingt so herrlich altmodisch.“

Golddachs kam ihm in diesem Moment entgegen, der Eigentümer der Penis-Baum-Plantage. Er hatte seine Recklighausen geheiratet, nicht um der Fürstin zu Gefallen, das nicht, die katholische Sexuallehre zwar im Hinterkopf, aber die hatte sich nicht bestimmend auf seine Entscheidung, sie zu heiraten, ausgewirkt.

„Die Recklinghausen, sie hat ein Herz, sie hat Gefühl, sie ist klug, sie packt was an, sie ist schön und für mich die erotischste Frau der Welt.“

Mir fehlen die Worte

Ich weiß nicht, was ich der Fürstin antworten soll. Ich weiß ja nicht, was sie weiß. Nachher rede ich dummes Zeug. Oder ich…, ich versuche mich zu erklären, wieso weshalb warum, und ich komme daher, sozusagen als Landwirt, und ich bin da wohlmöglich ganz anders gestrickt. Gut, sie sagt, auf Kondome solle man verzichten. Ich würde sagen, das kommt darauf an, was für eine Figur man darin macht. Ich bin mir auch nicht so sicher, ob wirklich alle Probleme auf der Welt ihre Ursache in der Sexualität haben: Umweltverschmutzung, Politikverdrossenheit, Armut, Reichtum, Unfälle, Erkrankungen, Kriege usw. Diese ganze Latte an Sorgen eben. Insofern bedenke ja ich, daß ich auch als verletzbare Person dem anderen gegenübertrete, in meiner Nacktheit, und da erübrigt es sich von Eroberungskriegen zu visionieren, wenn zum Beispiel auch Aufregung mit im Spiel ist.  Die Frage muß denn im stillen Kämmerlein beantwortet werden, hat der potentielle Geschlechtspartner auch das Format, daß ich ihm morgens ein kräftiges Frühstück zubereite. Hat sich vielleicht schon vorher ein Gefühl von Vertrautheit eingeschlichen, Zuneigung im wahrsten Sinne des Wortes. Hingabe und Rücksichtnahme. Wenn unsereiner nicht sofort und zu jeder Gelegenheit, weil es auch noch anderes zu bewältigen gibt, seinen potentiellen Geschlechtspartner ins knarrende Bett verhilft, wäre, bei Gefallen, zuerst das Jawort vor dem Standesamt zu geben, bzw. noch der kirchliche Segen obendrauf einzuholen? Ich bin mir unsicher.  Die Fürstin hat da viel mehr Zeit zum Nachdenken. Sie ist in ganz anderer Gesellschaft, spricht mit Würdenträgern und Eminenzen. Unsereiner wohnt alternierend auf dem Dachsberg und in Gräfelfing, gelegentlich suche ich einen Arzt auf, Check up. Normale Verschleißerscheinungen, mal Husten, mal Schmerzen. Die Fürstin ist sehr katholisch. Ich bin keiner Konfession angehörig, zahle aber mit meinen Steuern das fürstliche Gehalt eines Bischofs mit. Denn die Bischöfe werden ja nicht von der Kirche bezahlt, sondern vom Staat, aufgrund des Reichskonkordats. Und die Fürstin weiß mit Sicherheit mehr über die Sexualität als unsereiner, weil sie eben kompetente Ansprechpartner hat. Wenn meine Früchte, ich sage das ohne Brass und Wehmut, wenn sie nichts als Unruhe stiften sollten, dann laß ich das mit der Produktion. Ich bin sowieso schon vollkommen durcheinander. Hat man mal eine Idee, kommt schon an der nächsten Ecke jemand daher und erhebt Einwand und verkündet lauthals seine Meinung. Ich habe wirklich das Gefühl, daß die Welt bereits untergegangen ist, aber niemand will das richtig wahrhaben.

- So zarte schöne Pflänzchen gibts -

Frieden Frau Fürstin
Frieden Frau Fürstin

Glückwünsche aus aller Welt

Die Glückwünsche vieler Penisbaumzüchter aus aller Welt erreichen uns mit großer Freude. Unser Auftragsbuch ist nach wenigen Stunden voll. Es ist so, daß unser Weltraumflug nicht als Event geplant, noch als Flucht vor den hiesigen verschwommenen Verhältnissen gedacht war. Die Experimente im Weltall und die Ergebnisse unserer Forschungen soll die Menschheit ein Stück nach vorne bringen, glücklicher und zufriedener machen. Das Thema Sexualität spielte von Anfang an eine exponierte Rolle, die Unwissenheit in der Bevölkerung und die restriktive Einstellung der katholischen Kirche zu diesem Thema, das alles hatte uns nachdenklich gemacht.

Mit Professor Brima haben wir einen Wissenschaftler an der Seite, der über alles genau Bescheid weiß, er ist ja deshalb auch Professor geworden. Und wir wußten von einem Mann, Peace Spiderman, der aufgrund seiner Naturbeobachtungen Aufzeichnungen gemacht hat, die ihn für uns zu einem wichtigen Mann werden ließen. Deshalb sind wir ab in den Weltraum, Peace Spiderman aufzusuchen. Brima und Spiderman erkannten sofort, woran viele Züchter von Penisbäumen gescheitert sind, daß die Bäume nämlich keine Früchte tragen. Früchte, die zur Gesundheit beitragen, stabilisierend sich auf die körperliche, geistige und seelische Verfassung des Einzelnen auswirken, ergo Aufklärungsarbeit, die, ohne der katholischen Kirche zu sehr ins Wort zu fallen, denn von dieser Seite vermuteten wir Einwände moralisch-ethischer Natur, doch ideologisch wollten wir einwandfrei bleiben, ja, und pekuniär soll sich unsere Arbeit und Müh natürlich auch lohnen.

Die „Stand-up AG“ mit Sitz in Gräfelfing arbeitet an der Zukunft.

Der Penis-Baum zum Oktoberfest München 2008

Gerade noch rechtzeitig zum Beginn des Oktoberfestes in diesem Jahr, bringen Professor Brima und Peace Spiderman ein Aphrodisiakum auf den Markt, das alle Glocken läuten läßt. Nachdem Viagra so gut wie vom Markt verschwunden scheint, wir stellen dies fest an den ausbleibenden emails, dürfte der Vorrat potenzsteigernder Mittel für das bevorstehende Highlight kaum ausreichend sein. Wir geben heute bekannt, ein großer Streich ist uns gelungen, die Züchtung des Penis-Baums inclusive seiner ersten Früchte.

Frucht des Penis-Baums

Frucht des Penis-Baums

Ab sofort können Früchte in erstklassiger 1-A-Qualität geordert werden. Der Preis richtet sich nach dem Gewicht der Penis-Frucht. Das Bestellformular ist als PDF-Datei hinterlegt. Wer’s nicht glauben will, muß es fühlen. Oktoberfestwiesen, die im September ausgetragen werden, sind voller wilder Gedanken, heimlicher Wünsche, riskanter Abenteuer, pikanter Geständnisse. Raupen- oder Geisterbahn, Bierzelt oder Fischbüdchen, Losstand oder U-Bahnhaltestelle. Wer nicht will, der hat schon. Wer nicht hat, der will mal. Ein letzter Beweis. Und nur solange der Vorrat reicht.
Qualitätsfrucht "Stand-up"

Qualitätsfrucht "Stand-up"

Lucertole obenauf

Signore Lucertole macht prompt Nägel mit Köpfen. Die Eifersüchteleien von Commodore sind ihm unangenehm.

„Giovanni, der Kerl kriegt ja nix gebacken. Er schadet ja nur sich selbst. Für eine normale Betätigung ist er völlig ungeeignet. Deshalb habe ich für Mäuse und mich eine hübsche und helle Wohnung angemietet, das endlich Klarheit herrscht, er weiß, wo die Glocken hängen. Achtzig Quadratmeter, erstklassig renoviert. Meine Terrarien mit den heißen Steinen stehen bereits in unserem schnuckeligen Heim. Wenn Commodore noch einmal so wild aufläuft, dann rufe ich die Polizei.“

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