
Also bin ich wieder auf Achse. Ich war hier und dort und habe von meiner Reise ein paar Fotos mitgebracht. Ich ging noch am Montag den verschneiten Weg Richtung Black Wood Forest. Conzuela in die Arme schließen, und auch Golddachs, mein alter Gefährte. Unter einem festen Holzstand fand ich Unterschlupf, ein Holzhäuschen, das sowohl Schlafplatz als auch Bushaltestelle ist. Es war bereits seit einigen Stunden stockfinster. Morgen würde ich es bis Todtmoos geschafft haben. Die Schneeflocken wiesen den Weg. Ich ging den Schneeflocken nach und sah an den Häusern hoch, in verdunkelte und erhellte Fenster, das ernste Gesicht meiner Indianertochter zu finden. Ich ging den Hinweisschildern nach. Aber ich habe vergessen, wo ich war, die Kälte hatte meine Finger steifgefroren, ich konnte weder schreiben noch fotografieren. Also ging ich, ohne etwas im Kopf zu behalten, bis ich auf diese Holzhütte traf.
Mit einer Reise-, mit meiner Aktentasche und zwei Stoffbeuteln war ich unterwegs. Zwischendurch aß ich meist in einer Stehbäckerei, trank Kaffee und bat die Verkäuferin für 10 Cent extra, das Akku meiner Kamera wieder aufzuladen. Ich hatte noch stark gebrühten Kaffee vom Morgen in meiner Thermoskanne. Auf das Holzbänkchen stellte ich mein Tivoli PAL Radio. Alle Tiere im Wald waren verstummt. Ich würde das Radio anstellen, um zu hören, in welcher Welt wir leben. Das ist auch der Grund, warum ich unterwegs bin, ich will wissen, wie es zugeht im Leben, mal hier, mal dort.
Ich zündete mir eine Kerze an, ein wenig Licht und Wärme. Meine Hanika wollte ich den eisigen Temperaturen nicht aussetzen. Also studierte ich die Noten eines Walzers, Ferdinando Carulli. Dieses Gitarrenstück bietet eine paar hübsche Überraschungen. Irgendwann würde ich es auswendig spielen können. Ich dehnte mich und trank vom heißen Kaffee. Die Karaffe leistet mir gute Dienste. Der Kaffee erfrischt und ermüdet mich zugleich. Aus dem Radio erfuhr ich, daß der Erforscher der Eisgebiete, Roald Amundson, sich am offenen Fenster kalt gewaschen habe und den Oberkörper nackt am Fenster trocknen ließ. Ein harter Winter, für uns, wie für Roald Amundson wohl auch Vergnügen.
Vierzig, fünzig Kilometer entfernt von der Geliebten. Der fallende Schnee weist den Weg. Am Mittag in Wehr, wer sitzt da? Ich fiel aus allen Wolken - Schöner-Fuß, hat Cappuccino und Kaffee gerad zu rechten Zeit bestellt. Aah, ein guter Kaffee. Nach einem Marsch von dreißig Kilometer, ohne nennenswerte Pausen, alles Gepäck auf meinen gebeugten Schultern und an meinen langen Armen hängend, die Reisetasche und die Hanika. Die Gasthöfe hatten in der Nacht davor geschlossen. Aufgeregte Hunde bellen, als ich Vorbeikomme. Sie bellen, weil ich einer von ihnen bin.
Der Inhaber des Cafes Segafredo schmunzelte etwas herum, als er Schöner-Fuß auf den Kopf zusagt, daß ich ihr etwas zu sagen habe, Marie. Nicht ganz glücklich, denke ich vielleicht, und sie sagt, der Winter setzt mir zu. Diese lange Kälte, dieses Graue in der Luft. Schöner-Fuß, sagt sie, sehnt sich nach Wärme und Liebe, sorge dich um mich.
„So gut, so geht“, ist meine Antwort.

Ich werde ohnmächtig
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