Archiv der Kategorie 'Weltuhr'

Ein kleines Wunder

Ich setze bedächtig einen Fuß vor den anderen. Die Weltuhr ist für mich also doch nicht abgelaufen. Manchmal stützt mich Schöner-Fuß bei Spaziergängen zwischen acht und zehn Minuten. Und wenn ich allein unterwegs bin, setze ich mich zum Luftschnappen auf eine Sitzgelegenheit z.B. an einer Bushaltestelle. Tasso Dorato, mein alter lieber treuer Freund Golddachs und seine Frau Karin Recklinghausen wohnen in direkter Nachbarschaft. Sie kommen täglich, öffnen mir eine Tube Tomatenmark oder ziehen die Jalousien hoch, begleiten mich auf dem Weg zum Arzt und überwachen Aktiva und Passiva. Meine vielen Reisen hinterließen ein einzigartiges Manko. Nun erwartet die Regierung von mir, daß ich einen kleinen Beitrag leiste für den Rettungsschirm, unter dem ich mich befinde, daß mir so ein Ding nicht noch einmal passiert. Daß mir bald wieder die Sonne scheint. Davon gehe ich aus.

Denn bereits in der letzten Nacht träumte ich, daß ich etwas Kleines geboren habe, ein winziges Etwas, das ich mit einer Hand umschließen konnte. Ich säuberte diesen Winzling behutsam und als ich ihn mit schützender Kleidung versehen wollte, hatte sich das zarte Geschöpf schon wieder eingesaut. Ich werde das alles noch überdenken müssen. Das Leben ist rätselhaft, darauf bin ich schon gekommen.

Miss Hanika und Mister Notebag

Gräfelfing Lohenstraße Bus 268

Wo ist eigentlich Volker
Wo ist eigentlich Volker

Fette Tage

Wenn neben dem Meerrettich auf dem Teller noch Kartoffeln liegen und Rotkohl, der Klecks Meerrettich zur Abrundung der hellen Gaumenfreude den Tafelspitz ankündigt, dann kann ich sehr berechtigt von Fetten Tagen sprechen. Ich habe von meinen letzten paar Kröten Robert Ragun, Peace Spiderman, Loreine Nice und Golddachs in die hiesige Metzgerei zum Mittagstisch geladen. Krisensitzung, wenn man so will. Die Sache ist jetzt die, aufgrund der gezüchteten Penis-Früchte ist zumindest bei uns die Stimmung riesig. Mit der Sexualität läuft es ergo tiptop.

Von einer Krisenstimmung kann keinesfalls die Rede sein. Wir sind noch einmal Plus Minus Null aus der ganzen Sache herausgekommen. Peace Spiderman hat sich so erklärt, daß er mir den Rücken freihalten wird, während Robert Ragun sich weiterhin um die Weltraumaufzeichnungen kümmert. Loreine Nice hält die Kontakte zu Deschön und zur internationalen Presse. Ich habe mich bereits erklärt, ich klopp die Weltliteratur zu mit meinen sehr weitläufigen Überlegungen und Texten. T. Bier schaut da mal drüber, von Sizilien aus. Professor Brim liebäugelt wieder mit der Insel Tokelau, ist aber bereit, für Loreine Nice das wechselhafte Wetter in Deutschland auf sich zu nehmen.

Golddachs und die Recklinghausen, gänzlich ohne Not, sie machen weiter wie gehabt und wie auch bekannt. Conzuela Schöner-Fuß malt mit Öl- und Aquarellfarben lichte Gestalten in den mal grauen, mal blauen Septemberhimmel. So auch im Oktober. Uns alle streift eine vornehme Ahnung. Jaja, vieles ist rund und ansehnlich geworden.

Eine Himmelsmacht

Denn um nichts anderes geht es hier, die Liebe. Das dürfte mittlerweile jedem klar sein, denn die Liebe, eine Himmelsmacht, sie öffnet die Herzen für das Schöne im Leben. Und dennoch, mit gleicher elementarer Wucht wird durch sie auch das Schmerzliche erfahren. Die Liebe zu einer Landschaft, die Liebe zu einem Menschen, zu einem Tier, zu Musik und Malerei und zur Dichtkunst, zu sich selbst, sie ist Quell und Labsal. Ein Mensch, der verlassen in der Welt umhergeistert, ist ein armer Mensch. Sieht er am Morgen nicht mehr die aufgehende Sonne, den blühenden Kirschbaum, und schmeckt er nicht mehr dessen rote süße Früchte, kann er nicht begeistert den flinken Bewegungen der Eidechse folgen, rührt ihn ein Musikstück nicht mehr zu Tränen, fühlt er sich ausschließlich von Missgeschick und Ablehnung verfolgt, mag er sich nicht mehr hingeben aus Furcht vor weiterer Enttäuschung, dann schleicht er düster und mit Vorwürfen im Herzen seiner armseligen Wege.

Wenn ich mit Lorenzo spazieren ging, sonntags im nahen Stadtwald, da kam kein böses Wort zwischen uns. Es waren anregende und wohltuende Gespräche. Lorenzo, der drei Jahre älter war, liebte die Musik. Durch ihn lernte ich die Beatles kennen, Billy Preston und Elvis Presley. In seinem Zimmer hingen die Bravo-Starschnitte von Paul McCartney und Winnetou und Old Shatterhand. Ich kann mich nicht erinnern, daß er jemals schlecht gekleidet war. Seine hübschen Hemden hingen im Schrank auf Bügeln, daß sie nicht knitterten, blank geputzt waren seine ledernen Schuhe. Er roch nach Farnseife und seine Hände waren gepflegt. Meine Zuneigung zu Lorenzo befreite mich von allen Sorgen. Die Tage mit ihm waren von einer großen Leichtigkeit. Lorenzo kam bei einem Autounfall ums Leben. Er besaß damals auch ein paar Singles von Neil Diamond. Und wenn er aus seinen hübschen Hemden herausgewachsen war, trug ich sie noch eine Zeit lang. Lorenzo und ich, wir paßten gut zusammen. Es war sehr schmerzhaft, als er zwei Wochen vor seinem sechzehnten Geburtstag starb. Ich war zwölf und konnte das alles überhaupt nicht verstehen.

Giovanni und Lorenzo

Giovanni und Lorenzo

Das sind sie alle

Golddachs und seine Frau Karin Recklinghausen, Eigentümer des Dachsberges und dort mit festem Wohnsitz. Conzuela Schöner-Fuß, die zarte Indianertochter. Achim Püttmann, der bei der Landung latent nervöse Weltraumfahrer. Robert Ragun, der abgeklärte Pilot. Guido Zeman, mal hier, mal dort anzutreffen. Peace Spiderman, der Außerirdische. Professor Brima und der Dichter T. Bier. Fuzzy Bär, der stille Mann im Kontrollturm. Loreine Nice, wachsam und die Fäden spinnend. Sing a Song in the Wind, Rennpferd und derzeit vor dem Prüfungssauschuß an der Hochschule für Gesang in Neapel. Signore Lucertole, der Tontechniker aus Ispani mit seiner Mäuse aus der Lombardei. Luigi Commodore, der eifersüchtige Bruder von Mäuse. Helmut Deschön, der Mann von der Pinkpresse, den wir alle so richtig verarscht haben. Und der Fotograf Swoboda, der wegen einer Trunkenheitsfahrt, die an dem Ortschild von Todtmoos abrupt endete, im Kerker derseligen Ortschaft sein unnützes Lebens vergeudet. Sie alle stehen für etwas im Leben, für Erfolg und Niederlage. Habe ich bei der Zusammenfassung und Vorstellung jemanden vergessen. Giovanni Impermeabile, der sich halt durchschlägt. Und zu guter letzt die Familie Merlo, ausgeflogen und verstreut in den Weiten des sommerlichen Himmels, fort. Schorschi und Mademoiselle Ninett, zu allerguterletzt.

Zentrale

Im Golddachsschen Anwesen werden wir die letzten Monate Revue passieren lassen. Man sieht sich.

Fuzzy, Giovanni, Loreine, T.Bier,

Fuzzy, Giovanni, Loreine, T.Bier,

Ein Feiertag

Giovanni und Tante Dosis

Tante Dosis und Gitarren-Giovanni

Zum 50jährigen Jubiläum.

Tante Dosis überreicht dem Raketenmann Giovanni eine Hanika -Gitarre.

Eine Meisterarbeit

Eine Meisterarbeit

Der ARD-Fernsehabend 14.6.2008

ARD-Programm

Am Abend

Merlo liegt sehr klein in ihrem Nest, ein paar Worte meinerseits, sehr schön, sie so ruhig zu sehen. Viel Rummel also die letzte Zeit. Viel Einsamkeit aber beschleicht mich und viel Trauer, so weit entfernt von allen, die mein Herz bewegen. Überall werde ich freundlich empfangen, man reicht mir die Hand und am Abend erhalte ich eine kleine Mahlzeit auf Kosten des Hauses.

Die Gitarrensaiten, die mir T. Bier aus der Heimat geschickt hat, sind angekommen. Also spiele ich tagsüber, und schon zweifle ich, daß ich auf der Hanika etwas zustande bringe, ja, je mehr ich an Fertigkeiten gewinne, um so stärker beschleicht mich eine Ziellosigkeit.  Alles ist stark verwirrend. Es ist besser nicht zu denken. Es ist gut zu Atmen und über das Wasser zu schauen. Wieder bei mir ankommen, einfach werden. Es wird, es wird schon. 

Übers Wasser schauen

Aus der Enge in die Weite

Die Wiese

Weich und saftig schon im Morgentau, die Wiese. Grün und frisch, ein starker Augenschmaus. Denn hat der kompetente Wiesenmann noch nicht den Rasenmäher gezogen übers schöne Feld im Mai, dann zeigt sich Buntheit, Vielfalt alleweil.  Denn so sah ich in der frühen Morgenstunde, so weit das Auge reicht, den Löwenzahn ganz deutlich strahlend nicken. Bald ist es Zeit auch für die Pusteblume, doch noch immer jetzt der Scharfe Hahnenfuß so goldengelb da steht wie auch der Wiesen-Pippau sich gut einreiht ins Konzert. Vergißmeinnicht, so unser aller Wunsch vielleicht, fein bläulich die Erinnerung. Die Schafgarbe, ihr Duft steigt mächtig in die Nase. Nicht so die Acker-Kratzdistel, sie teilt sich muckend mit. Ganz unscheinbar, doch allgegenwärtig das Gemeine Hornkraut, ein Mauerblümchen. Für jeden ist etwas dabei, so ist die Wiese. Für des Menschen sein Auge, vielleicht auch fürs Gemüt, fürs seelische, das teure Herz, für das untreue aber auch, so gerecht ist die Wiese. Auch ausgelassen darf es sein, das Herz, da fühlt sich leichter. Der Elster ein Frühstückstisch, tuckt sie dahin und pickt mal Wurm, mal Käfer von dem bunten Tisch. Der Gelbschnabel aber hopst am Wiesenrand und spritzt ein Häufchen hinten raus, ein Vogelschiß. Auch das verträgt die Wiese. Denn auch der Hund läßt was in ihr liegen, die Kuh scheißt großflächig alles zu, ein Eldorado für die Fliegen.

 

Die Silberspitz-Gemeinschaft

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